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deſſen ſich die Künſtlerin erfreute, iſt in den hieſigen Theater- Annalen faſt beiſpiellos, wenigſtens die Art, wie er von dem kunſtverſtändigen Publikum ausgedrükt wurde. Dem. Carl wurde nach den meiſten Szenen, dann nach jedem Akte etwa viermal gerufen. Ein Unzahl von Kränzen und Blumen flogen auf die Bühne, ſo daß das Pro— ſzenium einem Roſengarten glich, und als das Publikum laut verlangte, daß die gefeierte Sängerin, einen Kranz aufſezen möge, ſo war ſie wohl in Ver— legenheit, mit welchem von den vielen ſie ihre Stirne ſchmüken ſolle. Kurz man erinnerte ſich hier noch nichts Aehnli— ches.— Eine andere, ebenfalls ſehr be— achtenswerthe Erſcheinung an dieſem Abend war Hr. Stoll, der den Othello gab, und zwar mit einem Glüke, das man kaum erwartet hätte. Dieſer erſt 22= jährige Sänger wagte ſſich diesmal an einen gewaltigen Part u. mit Ver— gnügen ſahen wir, daß er ihm in den meiſten Theilen gewachſen war, ſo daß alle Hoffnung vorhanden iſt, daß die— ſer junge Sänger bald in die Fußta⸗ pfen eines Wild und eines Vabnigg treten werde. Seine Stimme hat Klang, Biegung und eine ſchöne Höhe. Vie— les muß wohl noch daran geregelt und gemodelt werden, aber nichts iſt mög— licher, als, bei ſolchen Anlagen, der Weg hiezu, und die Zeit dürfte gar nicht mehr ferne ſein, wo Hr. Stoll als einer der erſten Tenoriſten Deutſch— lands daſtehen wird. Auch im Spiele leiſtete er Ausgezeichnetes; er ſchien ſich hierin ganz an einem vorzüglichen Vorbild, an Wild, zu halten und er thut wohl daran. Der Applaus war ſehr groß und unzweideutig, er ward mehreremal gerufen, was an der Seite unſerer gefeierten Gaſtſängerin viel ſagen will. Möge Hr. Stoll auf der eingeſchlagenen Bahn muthig ſortſchrei— ten, auf daß es ihm wohler gehe im
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Reiche der Kunſt.— Hr. Lehmann, vom Stadttheater in Lübeck, gab den Rodrigo zur zweiten Gaſtrolle u. zeig— te abermals eine angenehme, kräftige Bruſtſtimme von bedeutendem Umfange und ſicherer Ausdauer. Das Falſet, das eine ſchöne Fülle bat, ſcheint ihm nicht immer pariren zu wollen, daher wäre mit der Anwendung deſſelben mehr haus⸗ zuhalten. Der Vortrag iſt gebildet u. die erſte Arie im zweiten Akt, ſo wie das Duett mit Othello ſang er vor züglich ſchön.— Herr Beer(Jago) und Hr. Rötzer(Brabantio) ſangen u. ſpielten recht löblich. Chöre und Or— cheſter recht brav.— Tags darauf ward „die Valburgisnacht“ der Mad. Birch⸗ Ifeiffer gegeben. Welch ein Kontraſt! Das taugt nicht einmal für den Sonn⸗ tag.— 25 Grad Hlze u. auch das noch — uff! Es lebe die freie Luft der Arena in Ofen!— Und wieder einen Tag ſpaͤter:„Das Pfefferröſel.“ O Mad. Birch⸗Pfeiffer ohne Ende! Doch Dem. Müller, v. k. ſt. Theater in Ofen, gab die Hauptrolle als Gaſt, u. bei den Grazien! da müſſen wir etwas darü— ber ſprechen; das aber geſchieht näͤch⸗ ſtens.— Der hier ſo beliebt geweſe— ne Komiker, Hr. Gäde, kommt ehe- ſtens wieder nach Peſth, u. der Wunſch ſpricht ſich allgemein aus, ihn bald wieder auf unſerer Bühne zu ſehen. Hag. München. In unſerm Bühnen⸗ weſen bezeichnet das Wirken der fran—⸗ zöſiſchen Schauſpielergeſellſchaft unter der Leitung der Herren Doligny und Aliy eine denkwürdige Epoche. Wie in Stuttgart, ſtand auch in München dem Auftreten dieſer wakern Künſtler manche Schwierigkeit entgegen. Wir bedauern die Stuttgarter, daß ſie die— ſen Genuß entbehren mußten. Doch unſer Intendant, Hr. Küſtner, ſtets bedacht, dem Publikum Neues u. In⸗ tereſſantes zu bieten, wußte die Hin⸗


