Der Schmetterling.

Ein

Flugblatt zum Spiegel.

Mittwoch,

1837.

2. Auguſt.

Theater.

Pe ſt h.(Hr. Meaubert. Henriette Carl als Desdemona. Hr. Stoll als Othello. Hr. Lehmann als Rodrigo.) Der kunſtgewandte Schauſpieler Herr Meaubert erſchien am 27. v. M. wie⸗ der in zwei Piecen, als Geronte, in der alten Operette:der Schazgräber und als Trufaldino in GoldonisDie ner zweier Herren. In der erſten Ope⸗ rette, die etwas gedehnt iſt, wußte er dem trokenen Geize eine komiſche Seite abzugewinnen und wirkte weid lich auf die Lachmuskeln. Auch die Liederchen verſteht er recht drollig vor zutragen und man merkte faſt nicht, daß das Produkt im Ganzen langwei lig iſt. In dem Luſtſpiele, das hier, wenn wir nicht irren, zum Erſtenmale in venetianiſchem Koſtüme gegeben wur den, erſchien Hr. Meaubert in der idea len Maske eines Mitteldings zwiſchen Arlequin und Pantalon, was Anfangs zwar frappirte, aber das höchſt jovia le, lebendige, muthwillige und dennoch natürliche Spiel befreundete uns bald mit dieſer allerdings fremdartigen Er ſcheinung auf der modernen deutſchen Bühne. Zu Goldonis Zeiten war dies ein ſtehender Charakter im italieni⸗ ſchen Luſtſpiele und es iſt nicht unin⸗ tereſſant, wenn uns wieder einmal ſolch ein Urbild der Volksbeluſtigung vorgeführt wird. Hr. Meaubert erfreu

te ſich des lebhafteſten Beifalls u. ward nach beiden Stüken wiederholt geru fen. Dem. Padjera war in der Ope rette eine freundliche Erſcheinung; eben ſo wirkte Hr. Donua mit vieler Laune. Am 29. hatten die Opern⸗ freunde einen ſeltenen Kunſtgenuß. Un⸗ ſere hochgeſchäzte Gaſtſängerin, Dem. Henriette Carl ſang die Desde⸗ mona in RoſſinisOthello und der Erfolg war einer der glänzendſten, der hier je erlebt wurde. Dem. Carl ſang aber auch mit allem Zauber und allem Feuer ihrer herrlichen Kunſtkräfte; ihr Vortrag athmete Leben und innige Em⸗ pfänglichkeit von dem Geiſt der Melo⸗ die und der Worte. Das nennen wir wahrhaften dramatiſchen Geſang! Das Höchſte ihrer diesmaligen Leiſtung war wohl die Szene mit ihrem Vater im Finale des zweiten Aktes; wir können mit vollem Necht behaupten, daß ſie darin hier in Peſth noch nie erreicht wurde, ſo viele Sängerinen erſten Ran⸗ ges auch als Desdemona ſich hier ſchon Lorbeern flochten. Auch der erſte Akt war aͤußerſt gelungen u. das eminente Sottovoce, dann der ſüße Schmelz der Töne, die glokenreine Höhe und die makelloſe Tiefe der Stimme rißen zu unwiderſtehlicher Bewunderung hin. Die Schlußſzene des 5. Aktes war wun⸗ derſam ergreifend und das Tragen und Schwellen der Töne wirkten mächtig auf Herz und Gemüth. Der Veifall,