Jahrgang 
1837
Seite
59
 
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1898

Neiz in ihren Tönen! Das neue Mitglied hat eine ſchöne liebliche Stim me, der es an Ausdruk und Schmelz nicht gebricht und jede Nummer, die Dem. Groſſer vorträgt, iſt ein Gewinn. Die Nummer iſt gezogen. Dieſe Manier, die Töne zu dehnen, welche die neueren Saͤngerinen der Schröder⸗Devrient nachahmen, muß auf Abwege führen, und Dem. G. ſollte dieſes Dehnen nicht auf alle Noten hinausdehnen. Auch dendramatiſchen Schrei der berühmten Dres dne rin(die aber keine berühmte Lon doner in werden konnte) hat ſie ſich ei gen gemacht. Das Spiel der Groſſer iſt lobenswerth, beſonders in tragiſchen und leidenſchaftlichen Parthien. In munteren Rollen fehlen ihr Humor u. Laune gänzlich. Ein vorzüglicher Operngaſt iſt Hr. Staudigl, den ein Hr.B. gerundetes, ja ſogar künſt leriſch durchdachtes Spiel abſprechen wollte, dieſem erſten Vaſſiſten Deutſch lands das herrliche tremulando u. par- lando als manirirte Schule anrechnete, u. deſſen Kaspar einegrößten Theils verunglükte Leiſtung nannte.Zum Lobe kann ich dich nicht zwingen, doch dein Geſchmak gefällt mir nicht! Der ſchäzenswerthe Gaſt exzellirte als Kas⸗ par, Bertram, Leporello und geſtern als Rocco, im 1. Akt desFidelio, in einer Arie aus demSchwur und in der Introduktion-Arie des Oroviſt, inNorma. Ich will nicht das Echo der hundert und hundert Berliner, Wiener, Leipziger, Münchner u. Stutt⸗ garter Blätter ſein, die Staudigl als vollendeten Meiſter preiſen, der zwar keinen ſchreienden, wohl aber die trillerſchlagendſten Veweiſe ſeiner herrlichen Baßſtimme, die eine tiefe Gelehrſamkeit beurkundet, und ſeines eminenten Spieles lieferte, der Kopf⸗ und Bruſtſtimme auf dem rech⸗ ten Fleke hat, und habe nur zu er⸗

wähnen, daß der Künſtler im wahren Sinne des Worts furore gemacht und

zu den ſeltenſten Beifallsbezeugungen

des zahlreich anweſenden Auditoriums hinriß. Von den einheimiſchen braven Operiſten wirkten Mad. Podhorsky, Dem. Groſſer und die Herren Schuh mann(Don Juan) u. Eminger(Reim beau) recht beifällig mit. Mit Herrn Staudigl zugleich gaſtirte ein Caſſel⸗ ſcher Sänger, als Robert der Teufel. Wie kams, Hr. Dams, daß Sie uns

das anthaten?Der tapfere Ritter

darf nicht zagen, aber ein höchſt mit⸗ telmäßiger Sänger darf es nicht wa gen, eine Titanenparthie zu ſingen. Im Laufe dieſer Woche wird Stau digl den Vertram auf Verlangen wie derholen.Wer gibt mir den Robert wieder? Dem. Denker, die im Hofburgtheater mit ausgezeichnetem Beifalle gaſtirte, erſchien in dem Luſt⸗ ſpieleder Quäker u. die Tänzerin und als Frau v. Uhlen, in derei ferſüchtigen Frau, ward freundlich bewillkommt und erhielt die ehrenvoll⸗ ſten Beweiſe der Anerkennung ihres Talents durch häufiges Applaudiren und mehrmaliges Hervorrufen. Eine intereſſante Theaterfigur, ausdruksvo⸗ le, angenehme Züge, ein nüancirtes charakteriſtiſches Spiel, das den Stem⸗ pel der Grazie trägt, von Studium und Talent zeigt, machen Dem. Den⸗ ker zu einer ſchäzenswerthen Künſtle rin. Heute repräſentirt ſie die Adele inder gefährlichen Tante. Von den wenigen neuen Stüken müſſen die meiſten ins Gras beißen. So gingen Peter Stieglitz, welchen Vogel man gleich an ſeinen Federn erkannte, dannRobert der Teuxel von Ne⸗ ſtroy undNagerl und Handſchuh nach einmaligem Leiden des Publikums zum Orkus hinab. Das iſt das Loos des Schönen auf der Vühne! Der köſt⸗ liche Komiker Scholz, welcher dieſe