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Leſſing ͤber ſeinen Nat han ergoß, ja den Stolz, ohne daß jedoch das Ge—⸗ beugte, faſt an Demuth Streifende, das an der Nationalität dieſes Charak⸗ ters haftet, ganz verläugnet wurde. Koloſſal war dieſe Leiſtung in allen ihren Theilen und die Kulmination erreichte ſie wohl in der berühmten Erzählung von den Ringen. Das Pu- blikum war begeiſtert von dieſer Rolle und Hr. Anſchütz ward unzählige Male gerufen, mitunter während der Szene, was aber, ein für allemal ſei es ge— ſagt, oft ſehr ſtörend auf die Illuſton wirkt. Mad. Anſchütz gab die Recha mit Gefühl und Wärme.— Trefflich war unſer Hr. Deſſoir als Tempelherr, der täglich neue Glanzſeiten entfaltet und mit Rieſenſchritten in der Gunſt des Publikums vorſchreitet.— Uebri— gens erwähnen wir die Damen Deny (Daja) und Grill(Sitta), dann die H. H. Dietrich(Sultan), Poſinger (Groß-Komthur), Demmer(als Lai⸗ enbruder exzellent) und Berg(Der— wiſch), die alle im ſchönen Vereine beitrugen, um die Darſtellung zu ei⸗ ner der gelungenſten zu machen.— Die Oper„die Braut“, von Auber, kam neu in die Szene u. erregte ziemliche Theilnahme. Mad. Pohl-Beiſteiner gab den Hauptpart und war im Gan⸗ zen eine liebliche Erſcheinung. Sie weiß zu ſingen und ihr Spiel war ſehr wirkſam. Hr. Stoll(Friz) ſang ſehr löblich. Das Patrouillenlied ſo wie die Tirolienne trug er trefflich und mit großem Veifalle vor. Die H. H. Oberhoffer und Beer, ſo wie Demoiſ. Walter waren ſehr verdienſtlich.— Am 16. gab man zum Erſtenmale die Wiener Lokalpoſſe:„Hutmacher und Strumpfwirker““ von Hopp, die zwar ein gar lokeres Machwerk iſt, aber durch das herrliche Spiel der Herren Rott und Lang, deren Laune uner⸗ ſchöpflich war, und durch die ſehr ar—
tigen Koupletts, von denen Hr. Rott ſtets neue Strophen in BVereitſchaft hatte, ungemein unterhielt. Die Poſſe dürfte einige Mal wiederholt werden. Hag. Prag.(Spohr und ſein„Verg— geiſt.“ Ein Kniff der Bohemia. Dem. Groſſer. Staudigl. Ein Caſſel'ſcher Sänger. Dem. Denker. Scholz. Neue Stüke.) Spohr war hier und hat ſei— nen„Berggeiſt“ dirigirt. Er wurde— d. h. Spohr, nicht der„Berggeiſt“— mit lebhaftem Beifalle aufgenommen, nach jedem Akte ſtürmiſch gerufen. Die gleiche Ehre wiederfuhr Mad. Pod— horsky und Hrn. Pöck. Die Oper ſelbſt, die einen ausgezeichnet ſinn- und ver—⸗ ſtandloſen Text beſizt, hat das Pu— blikum— außer einigen eingefleiſchten theoretiſchen Muſikern— höchlich— gelangweilt. Relata refero. Ich liebe die Eintracht, Harmonie iſt mir lieber als Melodie, u. ich fange nichts an, nicht einmal ein unſchuldiges Rai— ſonnement über dieſe Oper. Ueberdies ſte ht und kommt mir, der ich kein Sterbenswörtchen vom Generalbaß und Kontrapunkt verſtehe, kein Urtheil zu. Der ſchlaue Kritiker in der„Bohemia“ verſprach nach einer mehrmaligen Re— priſe des„Berggeiſtes“ ſein Urtheil abzugeben. In einem oder zwei Jähr⸗ chen hoffe ich— wills Gott und die Theaterdirektion— die Meinung des Bohemig-Rezenſenten mittheilen zu können.— Die Lutzer, deren wohlge— troffenes Portrait, von Clarot meiſter— lich gezeichnet, lithographirt erſchien, ſcheint vergeſſen zu ſein u. Mad. Pod⸗ horsky ward als Iſabella in„Robert“, eine der vorzüglichſten Parthien der Lutzer, überſchwenglich mit Beifall über ſchüttet. Dem. Groſſer iſt engagirt. Dieſe hübſche Sängerln macht beſon— ders ſeit ihrem Engagement viel Glük, Nach jeder Arie, die ſie ſingt, folgt ein dreimaliges Hervorrufen.„Welcher


