Der Schmetterling.
Ein
Flugblatt zum Spiegel.
Theater.
Peſt h.(Anſchütz als Othello und Nathan. Die Braut. Hutmacher und Strumpfwirker.) Als etwa vor zwanzig Jahren Roſſini auf den Gedanken kam, ein Werk Shakſpeares mit Noten zu verſehen, und der„Mohr v. Venedig“ von allen Bühnen herab muſizirt wur⸗ de, konnte man ſich vorerſt in den Ge— danken nicht fügen, den Othello, den ſieggekrönten ſchwarzen Helden, eine Kavatine ſingen zu hören und die Des⸗ demona mit Inſtrumentalbegleitung ſterben zu ſehen. Allein, Gewohnheit geht über Alles. Die lieblichen ein⸗ ſchmeichelnden Melodien des„Schwanes von Peſaro“ fanden raſchen Eingang in alle Herzen und man befreundete ſich dergeſtalt mit dem ſingenden Moh⸗ ren und der girrenden Desdemona, daß die Sache zulezt ſo erſchien, als konnte ſie gar nicht anderſt ſein, ja es geht nun ſo weit, daß wenn ſich einmal der Shak ſpeare'ſche Othello re— zitirend auf das Repertoir verirrt, dem Publikum dabei ganz unheimlich zu Muthe wird und man höchſtens aus Neugierde ins Theater geht, um zu ſehen, wie ſich Othello als Trauerſpiel ausnimmt. O armer Shakſpeare! So begab es ſich auch am 13. d. M., als Herr Anſchütz den Othello zur Gaſtrolle gab, daß das Haus ziemlich leer blieb. Es mag allerdings auch die vorgefaßte Mei⸗
Mittwoch, 19. Juli.
1837.
nung des Publikums dazu beigetragen haben, daß unſer gefeierte Gaſt ſchon über die Jahre hinaus iſt, in welcher dieſer Held, troz ſeiner Farbe, noch die glühende Liebe der Dogentochter erweken könnte. Das Schwarze bedekte wohl manche Falte in den Zügen des Geſichtes, aber die Haltung und die Sprache ſind ſchon etwas oſcillirend und ſchwankend, und das nothwendige Jugendfeuer, läßt ſich nicht leicht durch das erkünſtelte, das immer etwas frö—⸗ ſtelt, erſezen. Aber indeſſen ließen alle Nudera erkennen, was das einſt für ein Othello geweſen ſein mag, und viele Szenen, wo es nicht ſo ſehr auf leidenſchaftliche Slut ankommt, zeichne⸗ ten ſich noch immer durch großartige Auffaſſung auf.— Ihm zur Seite ſtand unſere treffliche Mad. Kalis-Padjera, die uns in der Desdemona ein zartes Bild weiblicher Hingebung und inni⸗ ger Liebe aufſtellte. Die Nüanctrung ihres Charakters war dramatiſch und die Durchführung gleichartig gehalten. Sie erhielt nebſt dem geſchäzten Gaſte viele Theilnahme.— Am 15. erſchien Hr. Anſchütz als Nat han, in Leſſings Meiſterwerke:„Nathan der Weiſe.““ Hier war der Künſtler wieder ganz an ſeinem Plaze. Wir bewunderten wie⸗ der ſeine unvergleichliche Darſtellungs⸗ weiſe. Wir ſahen hier ganz den An⸗ ſtand, die Würde, die Ruhe, die klͤͤ⸗ gelnde Weisheit, die der unſterblichs


