Jahrgang 
1837
Seite
56
 
Einzelbild herunterladen

zuſammen. Mit anhaltend rauſchendem Beifalle wurde jede Arie des braven Sängers begleitet. Dem. Leeb, als Gabriele, der junge Tenoriſt Kreutzer, als Gomez, führten ihre Parte mit lobenswerthem Fleiße durch. Als am Schluſſe der Oper Hr. Mellinger mit thränenerfülltem Auge, mit ſtokender Stimme vom Publikum Abſchied nahm, wollte der Beifallsſturm kein Ende neh⸗ men. Noch Ein's! Geſtern, Mitt⸗ woch, den 28. Juni, gab's in Dom⸗ mayer's Kaſino in Hietzing ein ſplen⸗ dides Feſt:Das Stell' dich ein im Tempel der Nacht. Brillante Illu⸗ mination, neue Walzer von Strauß, ausgewählte Geſellſchaft und die wohlbekannte guſtiöſe Küche was braucht es mehr, um einen ſeligen Abend hinzuſchwelgen?! Jezt, mein hochverehrter Herr Redakteur! leben Sie wohl und belieben Sie zu glau ben, daß ich mit gewiſſenhafter Treue in die Fußſtapfen des wakern Since⸗ rus trete. Al ambre. Pariis. Nach dem Balle auf dem Stadthauſe zu Paris drängte ſich alle Welt in die Säle, um die prachtvol len Dekorationen zu ſehen. Unter dem Zelte vor dem Haupteingang war das Gebränge außerordentlich; doch war die Vorkehrung getroffen, daß man mir ei⸗ nem Billet verſehen ſein mußte. Mad. D....., Wittwe eines reichen Kauf⸗ manns in der Straße St. Denis, harr⸗ te ehen mit ihrer Tochter ungeduldig des Einlaſſes, als ein junger, wohl gekleideter Mann ſich ihnen nähert, mit aller Artigkeit ſie grüßt, und ſich erbietet, ſie in den Sälen umherzu⸗ führen, wenn ſie ihn auf ihr Billet, das auf 5 Perſonen laute, mit hin⸗ einnehmen wollten. Mad. D..., über das Anerbieten erfreut, läßt ſich vom neuen Vegleiter am Arme durch alle

565

Gemächer hindurchführen, u. die Herr lichkeiten, die zu ſchauen waren, er⸗ klären. Mad. D., war entzükt über die Aufmerkſamkeit des jungen Man nes, als einige Mädchen aus einer Gruppe in den weitläuftigen Sälen bervortraten und ihn mit Vorwürfen überhäuften, daß er ſie, ſeine Kouſi⸗ nen, allein gelaſſen und anderer Damen ſich angenommen haben. Der Cicerone entſchuldigt ſich, verläßt ſeine bishe rige Geſellſchaft, und geht mit den Kouſinen weiter. Mad. D.., iſt ſehr ungehalten darüber. Vor einem Spie gel vorübergehend, wirft ſie einen Blik auf ihr Bild darin, und nimmt wahr, daß ihre Uhr nicht mehr an ihrer Sei te ſich befinde. Als ſie mit ihrem arti gen Begleiter am erſten Spiegel vor übergegangen war, wußte ſie durch ei⸗ nen kokettirenden Blik, den ſie in den ſelben geworfen hatte, daß die Uhr noch an ihrer Stelle war. Wer hatte ſie wohl geſtohlen? Sie ſieht ſich al lent halben nach ihrem Begleiter um, beſchreibt ihn ausführlich: braunes Geſicht, ſchwarzer Schnurrbart, gol dene Kette um den Hals aber er war davon gegangen. B. Regensburg. Ueber das mehr⸗ erwähnte Unglük auf der Donau bei Regensburg, welches dadurch entſtand, daß das Schiff an einen hölzernen Vrükenpfeiler anſtieß, dieſer zuſam⸗ menſtürzte, und das Schiff dadurch um

ſchlug, gehen fortwährend verſchiede ne Angaben ein. Nach einem Briefe ſoll die Zahl der Umgekommenen 26 betragen; nach einem andern wurden gegen 40 Perſonen theils durch die einſtürzenden Balken erſchlagen, theils ertranken ſſe. Unter leztern war der Hofſchauſpieler W. aus Koburg; drei andere Mitglieder dieſer Vühne(die eine Ferienreiſe nach Wien machen woll⸗ ten) retteten ſich mit genauer*

Redigirt von der Redaktion des Spiegels.