Jahrgang 
1837
Seite
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Hr. Juſt in der kleinen Rolle des Schulmeiſters. Dem. Matureny war wie immer liebenswürdig. Hr. Macho gab den tauben Diener ſehr drollig. WM

Straßburg. Am 22. Juni wurde vor der Wohnung der Demoiſ. Schebeſt eine Serenade bei Fakelſchei ne gebracht; eine Deputation über reichte der Künſtlerin zwei Kronen mit einigen paſſenden Verſen.

Mignon⸗Zeitung.

Feuilleton aus Wien. (Neue Folge.) J. Das holdſelige, lebensfrohe, genußreiche Wien bietet des Manigfaltigen und Intereſſanten mit jedem Tage, mit jeder Stunde, ſo viel, daß ich wahrlich nicht weiß, womit ich heute das Feuilleton eröff⸗ nen ſoll. Ich ſize d'rum, ungeduldig die Feder zerkauend, am Schreibtiſche und ſuche und wähle die Ouverture zu meinem Moſaikbilde. Seit dem Beginne der ſchönen Witterung, wel⸗ che der qualvollen, uns beinahe zur Verzweiflungtreibenden, tropiſchen Re⸗ genzeit folgte, lebt und webt, wogt und tobt es wieder mit ewig neuer Regſamkeit in unſern lieben Haupt⸗ ſtadt. Alles will den verlornen Früh⸗ ling mit verdoppelter Genuſſesgier ein⸗ bringen. Alles ſtrömt dem Lande zu, und unſere ſchweißtriefenden Dampf⸗ boote(vulgo Stellwagen), unſere Li⸗ nienſchiffe u. indianiſchen Canots(pul- zo Zeiſelwagen) können die landſüch⸗ tige Menſchheit. nicht ſchnell genug in die Häfen ihrer Wünſche bringen. Doch jede Landparthie koſtet Geld, und unter Rezenſenten und Referenten, wie Sie wohl wiſſen dürften, graſſirt

) Von einem neuen Korreſpondenten,

leider ſchon ſeit undenklichen Zeiten die unheilbare, epidemiſche Börſendar re. Nun, wie geſagt, eine Landtpar⸗ thie koſtet Geld ſomit müſſen die literariſchen armen Teufel dieſem Ver⸗ gnügen entſagen, außer ſie paſſiren die Linien unter den ſenkrechten Strahlen der heißen Sonne und wandeln ſtaub⸗ bedekt, per pedes apostolorum, einem nahen Orte zu, um bei einem leidli⸗ chen Kräzer und patriarchaliſch⸗fruga⸗ len Mahle ſich zu erlaben. Der Geier wolle dann die Freuden einer Landpar⸗ thie mit Freskofarben ausmalen! Indeß, keine Regel ohne Ausnahme! Ein ungeheurer Anſchlagzettel, mit ſeiner ſchwülſtigen Annonce, verlokte mich lezthin, den neu eröffneten Zö⸗ gernitz'ſchen Saal in Döbling zu beſe⸗ hen. Der großartige Anblik dieſes Rie⸗ ſenſalon's überraſchte mich zwar, doch mußte ich nur die erfindungsarme, ge⸗ ſchmakloſe Ausſtattung u. Verzierung deſſelben bedauern, ja ſpäter mich ſelbſt bemitleiden, da mein ziemlicher Appe⸗ tit mir auf unſelige Weiſe verleidet wurde. Schlechte, miſerable Speiſen, ein eben nicht feiner Wirth ſezten, bei allgemeiner Klage, auch meinem Un⸗ muthe die Krone auf. Hochtragiſch und ſuperkomiſch kam es mir vor, daß ſelbſt gewiſſe Rezenſenten, welche dort, mit der Zeche durchgegangen, über wenige Aufmerkſamkbeit u. ſchlechte Bedienung am folgenden Tage ſchimpften. Doch post nubila Phoe- bus! Für meine erlittene Unbill, alſo für die meinem Magen zugefügte Schmach hatte ich am 27. Juni, den geiſtigen Erſaz und Genuß, einer in⸗ tereſſanten Vorſtellung der Kreutzer' ſchen Oper:das Nachtlager in Gra⸗ nada, im Joſephſtädter Theater, bei zuwohnen. Es war des reichbegabten, kunſtfertigen Sängers Mellinger Be⸗ neſize, vor ſeinem Abgange von dieſer Bühne. Die Aufführung ging trefflich