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gehende in Anſpruch. War die Gerichts⸗ ſzene vor Kaiſer und Senat jedoch in der Haltung eben ſo großartig als edel; ſo müſſen wir den Moment mit Irene im dritten Akt in hohem Maaße ergreifend, herzzereißend und herzer—⸗ bebend nennen und ſo ging es bis zu Ende.— Hr. Anſchütz erhielt ſtür⸗ miſchen Beifall. Er ward nach jedem Akte und wiederholt nach einzelnen Szenen gerufen.— Mad. Anſchütz ſpielte mit Zartheit, Gefühl und be—⸗ ſeelender Wärme, ſie rührte ungemein und erwarb ſich die lebhafteſte Theil— nahme.— Von der Umgebung erwäh— nen wir unſere reich begabte Mad. Ka⸗ lie⸗Padjera(Antonina). Sie malte uns ein von Leidenſchaften zerriſſenes Ge— müth und ergriff mächtig durch ihre glühende Phantaſie.— Herr Deſſoir (Alamir) war voll Adel und Anſtand in Haltung und Gebehrde und dekla— mirte richtig u. warm. Auch Hr. Po⸗ ſinger(Juſtinian) verdiente u. erhielt Anerkennung. Volles Haus. Hag.
Ofen(Arena). Das Tagsthea— ter erhält ſich fortwährend in Gunſt. Nur die Elemente verſchwören ſich dann und wann dagegen; lächelt aber der Himmel freundlich, iſt die Frequenz auch groß. Das uralte militäriſche Schauſpiel„Graf Waltron“, das ſchon vor dreißig Jahren, unter freiem Him⸗ mel großes Spektakel machte(denn dergleichen freie Künſte ſind ſelbſt in unſerer Zeit nichts Neues), kam am 1. d. M., zur Venefize der Dem. Zett⸗ ler d. ä., zur Aufführung. Das Haus, wenn wir es ſo nennen dürfen, war diesmal ſchwächer als gewöhnlich be— ſucht, da der neidiſche Flußgott Iſter, vielleicht mit Apoll im Bunde, gerade an dieſem Tage durch Umtriebe die Schiffbrüke abriß und ſo dem Peſther Theil des Publikums, der faſt immer der größere iſt, den Genuß dieſes Schauſpiels entzog.— Um wieder auf
den„Waltron“ zu kommen ward er reche ſpektakelhaft gegeben. Wir ſahen Evo— lutionen und allerlei Kriegsgetümmel zu Pferde und zu Fuß ausführen, und war auch nicht Alles gelungen, ſo war doch die obligate Begleitung der Re— gimentsmuſik und„die vierſpännige Equipage“ ſehr wirkungsvoll. Herr Thoméè und Dem. Zettler gaben den Grafen und die Gräfin Waltron ſo er— hebend, wie es nur bei Tageslicht ausführbar iſt. Die Benefiziantin, die ſich hier ſonſtige Verdienſte um die Kunſt erworben, erhielt lebhaften Bei— fall und es ward ihr durch zwei zuge— flogene Kränze bewieſen, wie hoch ſie in der Gunſt des Publikums angeſchrie— ben ſteht.— Eine weit vollere Arena bewirkte die zwei Tage vorher gegebene Wiener Poſſe:„Hutmacher u. Strumpf⸗ wirker“ von Hopp. Der Schwank, ſo niedrig geſtellt er auch ſein mag“ un— terhielt fort und fort das Publikum, und ließ vor Lachen gar nicht zu Athem krmmen. Das iſt nun das zweite Werk des Hrn. Hopp, das in der Ofner Are— na das Zwerchfell ſo erſchüttete; wir ſagen in der Arena, weil dieſes nämli— che Stük kurz vorher in unſerm Theater, bei einem Leinwandhimmel und Lam⸗ penlicht, faſt ſein Lebenslicht ausge⸗ blaſen hätte. Wie anderſt gefiel es hier! Alſo die Muſe des Hrn. Hopp gedeiht nur im Freien; immerhin, wenn nur der Zwek erreicht wird. Ge— ſpielt wurde auserleſen gut. Hr. Sey⸗ del entwikelte als Strumpſwirker eine
ungemeine vis comica. Man kann ſich faſt nichts Ergözlicheres denken. Er
war liebenswürdig launig und ſang, beſonders das Quodlibet, drollig ſchön. Hr. Kurt gab den Hutmacher und be—
wies, daß er zur Luſtigmacherei faſt
mehr Laune als zur Pedanterie beſizt. Er war überraſchend aufgeräumt und ergözte mit Hrn. Seydel um die Wette.
— Cine Hogarthſche Erſcheinung war


