Der Schmetterling.
Ein
Flugblatt zum Spiegel.
Mittwoch
Theater.
Pe ſt b.(Hr. Meaubert. Hr. und Mad. Anſchütz.) Ganz unerwartet er⸗ ſchien ein ſehr achtungswürdiger Gaſt auf unſerer Bühne. Es iſt dies Herr Meaubert vom Hoftheater zu Heſſen⸗ kaſſel, der als Baron Krak in dem alten einaktigen Luſtſpiele:„der Lüg⸗ ner und ſein Sohn“ am 1. d. M. zum Erſtenmale auftrat. Obwohl dieſes Stük ſehr arm an Handlung und ein⸗ förmig in der Szenirung iſt, auch die darin vorkommenden Münchhauſiaden u. Gascogniaden, ſo poſſierlich ſie an ſich auch ſein mögen, ſchon vielfältig ver⸗ braucht und anderorts benüzt worden ſind, ſo entſchädigte doch die originelle Auffaſſung, die durchaus humoriſtiſche Haltung und die natürliche Färbung, mit welcher unſer Gaſt dieſem outrir— ten Charakter Wahrheit, Glaubwür— digkeit und Intereſſe verlieh, für die Elemente der Langeweile, die ſonſt ſo reichlich in dieſem Produkte gewuchert hätten. Auch viele neue originelle Lü⸗ gen, wahrſcheinlich eigener Erfindung, worunter beſonders die Maske des Mannes des Jahrhunderts am Au ffallendſten war, verfehlten die beabſichtigte Wirkung nicht und Herr Meaubert ward mit einſtimmigem Bei⸗ fall belohnt und am Ende lebhaft ge— rufen. Er dankte ſehr originell. Herr Kolis(junger Krak) ſekundirte ſeinem
1. Julie
1837.
Lügenvater recht weidlich u. ihm ward ebenfalls ſehr applaudirt.— Vorher ward eine unterhaltende Kleinigkeit: „Der Poſtillon der Liebe“ von Anton Benkert gegeben, in welcher Hr. Rott durch drolliges Spiel das Publikum fehr ergözte.— Am 5. d. M. eröff⸗ neten die k. k. Hofſchauſpieler Herr und Mad. Anſchütz, als Beliſar und Irene, in Schenks Tragödie:„Veli⸗ ſar“, den Cyklus ihrer Gaſtrollen. Da wir unſern Leſern das Reſultat mit möglichſfer Eile referiren wollen, ſo erlauben wir uns nur hier ein Paar Worte über den erſten Eindruk mitzutheilen.— Hr. Anſchütz iſt kein Fremdling auf dieſer Bühne. Zwei Lu⸗ ſtra mögen indeſſen ſeit ſeinem lezten Erſcheinen verfloſſen ſein, ein Zeit raum, der nothwendigerweiſe eine Ver⸗ änderung in den phyſiſchen Kräften her—⸗ vorbringen muß, ſo daß die Kunſt jezt „ weichenden Jugendfeuer zu e kommt. Der Erfolg kann aber einem Künſtler erſten Ranges nicht zweifelhaft ſein, und der Beliſar des Hrn. Anſchütz bleibt immer ein Mei⸗ ſterwerk; Wien und Deutſchland er⸗ kennt ihn dafür. Die Auffaſſung iſt grandios und tief durchdacht. Derjeni⸗ ge Theil der Rolle, in welchem er das Gefühl unſers Mitleids erſchütternd erregte, das iſt von dem Momente ſei⸗ ner Blendung an, nahm indeſſen un⸗
ſere Theilnahme mehr als der vorher⸗


