Jahrgang 
1837
Seite
52
 
Einzelbild herunterladen

52

noch heitere Lieder über Theater, Vör⸗ ſenſpiel, Konzerte u. ſ. w. Selbſt verſi⸗ ſizirte Annoncen bringt dies Blatt. Hr. Meyerbeer iſt gegenwärtig mit der Kompoſition einer neuen großen Oper in 5 Akten beſchäftigt, deren Text die geiſtreiche Feder Seribe's liefern wird. Die Hauptrollen ſind für Hrn. Duprez und Mad. Falcon beſtimmt. In Frankreich iſt es ein theueres Vergnü⸗ gen, einem Manne ſeine Frau zu ent⸗ führen. Ein junges hübſches Weibchen hatte ſich in einen jungen Mann ver⸗ liebt u. beide flohen mit einander, aber die Polizei ſpürte ſie aus und brachte die Ungetreue zu dem Manne zurük, der den Entführer verklagte und 40,000 Franks Schadenerſaz vrrlangte. Das Gericht fand nun zwar dieſe Summe zu bedeutend, verurtheilte aber den Entführer zu 10,000 Franks Schaden⸗ erſaz oder zehnjähriger Einſperrung, wenn er nicht zahle. Eine vorneh⸗ me Dame hat einen ganz abſonderli chen Klubb geſtiftet, in welchem jedes Mitglied einmal in der Woche in ei⸗ nem ganz neuen Phantaſiekleide erſchei⸗ nen muß, dergleichennoch nie erſehen und gehört geweſen geworden iſt. Der⸗ jenige Anzug welchen man durch Stim⸗ menmehrheit als den Schönſten aner⸗ kennt, wird gezeichnet und in den Ar chiv des Klubbs hinterlegt. Man kann leicht denken, daß dieſer Zirkel, wo ein Paar Duzend junger und rei cher, mithin übermüthiger Damen ſich in Koketterie einander den Nang ab⸗ zulaufen ſuchen, mehr einem Mas⸗ kenballe als einem geſelligen Zir- kel gleicht. Die Schauſpielerin Dor⸗ val aus Paris ſoll durch die Predig⸗ ten des Abbes Guerry in Toulouſe ſo ergriffen worden ſein, daß ſie der Büh⸗ ne entſagen und Nonne werden will. Ein neuer Vand Gedichte von Victor

Hugo unter dem Titel: voix interieu- res, erſcheint nächſter Tage in Paris. Die Pariſer Polizei iſt kürzlich den zahlreichen Entwendungen von bleier nen und gußeiſernen Dachrinnen durch Zufall auf die Spur gekommen. Vet zwei Trödlern fand man eine große Niederlage von Blei und Eiſen, und verhaftete nach und nach 10 Maurer und Dachdeker, die dort ihre Dieb ſtähle niederlegten. Man hofft noch weitere Entdekungen zu machen. B. Halberſtadt. Der Luxus bei den Begräbniſſen, den wir von dem Heidenthume ererbt haben, findet nun an vielen Orten entſchiedene Gegner. So leſen wir auch in dem hieſigen In⸗ telligenzblatte folgende Anzeige:Es iſt mein feſtes Prinzip, bei Beerdi⸗ gung einer Leiche nichts zu ver⸗ ſchwenden und namentlich für die Gruft und Stelle keine 20 Thlr. zu zahlen. Ich habe daher(für die ver ſtorbene Gattin) eine geringere Stelle gewählt, und dadurch mehrere Thaler erſpart, welche ich Mittwoch, den 10. d. M., Nachmittags 4 Uhr, bei der Beerdigung an hilfsbedürftige Arme vertheilen werde, welche ich zur Em pfangsnahme dieſer Gelder auffordere. Halderſtadt, den 6. Mai 1837. Saatz, Gr. Regiſtr. Man rühmte bisber

den Juden nach, daß ſich ihre Leichen⸗ begängniſſe durch Stille und Einfach⸗ beit auszeichnen. Nun ſuchen einige Neuerer auch hierin, wie überhaupt bei allen ihren kirchlichen Ceremonken, Bomp und Lurus einzuführen; das ſind indeſſen keine wirklichen Vorſchrit⸗ te in der Civiliſation! M. Karlsruhe. Ein hieſiger Ma⸗ ler, Namens G. Nehrlich, wurde von dem Gaſtſpiel der Dem. A. Schebeſt als Romeo in Karlsruhe ſo begeiſtert, daß er während der Vorſtellung 100 Stellungen ſkizzirte, und dieſelben ſpätermit ergreifender Wahrheit ausführte. D.

RNedigirt von der Redoktion des Spiegele.