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der Deutſchen auf unſerer Bühne ge⸗ huldigt. Spohes„Fauſt“ kam neu in Szene, und die Ausführung kann man zu den gelungendſten zählen, die je hier ſtattgefunden. Ganz ausgezeichnet waren die Hauptparten durch die H. H. Oberhoffer(Jauſt), Kaler(Mephiſto⸗ pheles) und Mad. Piehl(Kunigunde) beſezt. Hr. Oberhoffer ſang dramatiſch ſchön und gab Kraft und Ausdruk den Worten; Hr. Kaler dominirte durch ſeine ſonore Stimme, u. Mad. Piehl überwand mit Leichtigkeit die Schwie⸗ rigkeiten ihres Partes, ſong mit Ge⸗ fühl und ſpielte ſinnig; ſie ward nach ihrer großen Arie im 2. Akt hervorge⸗ rufen. Hr. Stoll(Hugo) ſang ſehr verdienſtlich, er gibt täglich ſchönere Proben ſeiner Fortſchritte. Dem. Rauch (Röschen) und Hr. Beer(Franz) leiſte⸗ ten das Ihrige, was dem Enſemble der Oper förderlich ſein konnte. Der kunſt⸗ ſinnige Theil des Publikums nahm Alles mit großem Beifall auf. Die Dekorationen und Maſchinerien waren frappant ſchön, und gewiß würde die Direktion beſſer ſpekulirt haben, hätte ſie damit auf dem Theaterzettel mehr Aufhebens gemacht, J. M.
Prag(14. Juni). O! und ach! Ach! und o! Sie weilt nicht mehr unter uns, die Tochter Prags, die Philomele Vohemias, ſie hat am 6. Abſchied als Elvira in den„Purita⸗ nern“ von ihrer Vaterſtadt genommen und iſt Tags darauf nach Wien abge— reiſt. Es war ein thränenheißer Thea⸗ terabend, deſſen ſich nicht die älteſten Theaterfreunde erinnern. Der Abſchied galt der liebenswürdigen, zweiund— zwanzig Sommer zählenden Sängerin, Jenny Lutzer, die auf den Brettern ihrer Vaterſtadt zuerſt ihre Kunſtblü⸗ ten entfaltete u. durch mehr als fünf Jahre den Opernfreunden die herrlich— ſten Genüſſe bot. Die Scheidende er⸗ hielt Gedichte, dle, ohne verbluͤmt zu
reden, auf den Kopf gefallen waren, dann Blumen, die dichteriſcher Weiſe ſprachen:„Wandle auf Roſen u. ver— giß mein nicht“, endlich Kränze, die gewunden unumwunden die Anerken- nung des Talents der Sangmelſterin deuteten. Dem. Jenny Lutzer wurde an dieſem Abende zwölf Mal gerufen und zum Schluſſe von zwei Genien mit dem Lobeerkranze bekränzt. Die Gefühle der Dankbarkeit u. die Tren⸗ nungsſtunde erſtikten der Scheidenden die Worte, die ſie ſprechen wollte und nur Thränen gaben hievon Kunde.— Auf dieſem Abſchiedsfeſte folgte am 10. für die Komusfreunde ein Lachfeſt. Scholz, der ſieggewohnte Heros der Wiener Komiker, der fürchterliche Feind jeder gerunzelten Stirn, erſchien als Klapperl und ſchnell waren Griesgram, Trübſinn und Mißlaune verſcheucht, die Thränen waren verrätheriſch und gingen über— vor Lachen. Es liegt etwas Eigenes in der vis comica dieſes jokoſen Darſtellers 1 Die froſtig⸗ ſten Späße aus ſeinem Munde werden zu einem Lachfeuerwerk, der langwei⸗ ligſte, fadeſte Charakter gewinnt durch ſeine Repräſentation eine Fülle von Laune, Vuffonerie, wizreicher Perſifla⸗ ge und Drollerie. Hr. Scholz iſt nicht nur ein trefflicher Komikus, ſondern auch ein exakter Medikus. Wie Viele haben ſich bei und an ſeinem Klapperl geſund gelacht. Auch kann ich nicht genug den Wiener Gaſt ſchon darum loben, daß er keine Flatterien dem Pu⸗ blikum ſagte, keine captationes bene- volentiae gebrauchte. Er ward mit Vei⸗ fall überſchüttet u. ſprach zum Schluſſe mit komiſchem Pathos:„Zu viel Gna⸗ de! Ich weiß, Sie thun es, um mein junges Talent aufzumuntern!“ Eben ſo jokos, mit eben dem glänzenden Er⸗ folg ſpielte er den Eulenſpiegel, welche Poſſe durch ihn genießbar wird. Die beiden Stüke wurden recht gerundet


