Jahrgang 
1837
Seite
49
 
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Der Schmetterling.

Ei

Flugblatt;

um Spiegel.

Mittwoch,

13.

1837.

21. Juni.

PPr ͤ.

Theater.

Peſth(20. Juni). Seitdem Nau⸗ pach ein Luſtſpiel,Vormund u. Mün⸗ del geſchrieben, haben ſich viele Nach⸗ ahmer in dergleichen Verwandtſchafts⸗ Dramen mit allen Variationen verſucht; ſo erſchienen flugs nacheinander, Vä⸗ ter, Söhne, Mütter, Töchter, Oheime, Tanten, Neffen de. als Titelhelden deutſcher Schau- und Luſtſpiele, und Mad. Birch⸗Pfeiffer konnte gewiß hier nicht zurük bleiben; ihre fruchtbare Mu⸗ ſe brachte ein fünfaktiges Luſtſpiel, betitelt:Onkel u. Nichte, das am 14. d. M. auch bei uns zur Auf⸗ führung kam. Onkels u. Nichten ſind in deutſchen Luſtſpielen zwar keine gar ſeltene Erſcheinung, beſonders, wenn der Onkel ein ältlicher Soldat u. die Nichte ein junges Mädchen; aber et⸗ was rarer geſtaltet ſich die Sache, wenn wie es hier der Fall iſt, das Nichtchen (Dem. Schmidt) in den bejahrten Onkel(Hr. Verg) ſterblich verliebt iſt, und beide zulezt ein Pärchen werden. Es kommt auch noch ein Stiefnichtchen (Mad. Grill) vor, die in Paris, und folglich(2) ſchlecht, erzogen wurde, die die Hand des biedern Onkels(der zu erſt auf ſie ſein Auge geworfen) aus⸗ ſchlägt und lieber einen nichtsnuzigen Lieutenant(Herr Deſſoir) heirathen möchte. Aber dem Lieutenant kann eine Stiefnichte ohne Geld nichts nüzen

und das verzogene Kind bleibt ſizen. Eine Hauptpointe des Stükes aber iſt, daß die ſchlimme Nichte, in der Mei⸗ nung iſt, mit einem Lotterielooſe, Nr. 6666, einen Treffer mit 200,000 Gulden gemacht zu haben. Aber proſt der Mahlzeit! Nur die Tugend kann ſiegen; es ergibt ſich, daß nicht 6666, ſondern 9999 den Haupttreffer machte, und dieſes Loos iſt das Eigenthum der guten Nichte. So endigt die Sache ganz zur Zufriedenheit, indem noch die gute Nichte, die durch ihre Hei⸗ rath ohnedies reich wird, ihren Gewinn der reuigen Stieſſchweſter und ihrer guten Mutter(Mad. Deny) ſchenkt, und der entartete Lieutenant mit langer Naſe abzieht. In dem Ganzen findet man wenig Neues, weder in der Hand⸗ lung, noch in den Charakteren; die Sprache iſt ſchülerhaft, und die Sze⸗ nirung bunt durcheinander gewürfelt. Nichtsdeſtoweniger hat das Stük hie und da Effekt und einige auffallende Situationen; dies und das durchaus gute Spiel verſchafften ihm einigen Beifall, der aber gewiß noch geſteigert geweſen wäre, wenn die fünf Akte ſich auf drei reduzirten; denn einige Längen ſind unerträglich. Als vorzüg⸗ lich müſſen wir erwähnen: Mad. Grill, die H. H. Deſſolr, Berg und Lang. Minder vortheilhaft geſtellt waren die Damen Deny, Schmidt u. Klimmetſch. Am 17. ward der klaſſiſchen Mu ſik