Jahrgang 
1837
Seite
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Zwek vollkommen. Tags darauf wurde in allen gebildeten Zirkeln von nichts anderm als vom Theater, oder viel⸗ mehr von der in demſelben den vori gen Abend genoſſenen Unterhaltung ge ſprochen. Mit fröhlicher Miene fragte man ſich:Nun, wie hat der Straßen⸗ junge angeſchlagen? Hat Ihnen nichts von der Reinbeck geträumt? u. ſ. w. Mit nicht geringerem Beifall ſind in der Folgedas Tagebuch,Hanns Sachs,Guttenberg,Griſeldis unddie Bekenntniſſe, der kleineren Piecen nicht zu erwähnen, gegeben wor den. Unſere Bühne iſt jezt mit ei⸗ nigen tüchtigen Individuen verſehen, unter welchen Hr. Vanini, vorzüglich in Charakterrollen, worin er das Stre ben, nach dem Ruhme eines Künſtlers zeigt, der ihm beim gleichen Fortſchrei⸗ ten in ſeiner Ausbildung gewiß zu Theil werden wird, und Dem. Rein⸗ beck, im naiben und tragiſchen Fache gleich ausgezeichnet, den erſten Rang behaupten, und bereits Lieblinge des Publikums geworden ſind. Hr. Schwei⸗ zer, ſo angenehm in Helden- und Vãä⸗ terrollen, iſt eben ſo unglüklich in Konverſations⸗Stüken, woran ſeine Korpulenz, die ihm eine ſchwerfällige Bewegung verurſacht, die ganze Schuld trägt. Hr. Vaudiſch ſtellt jugendliche Liebyaber recht gut dar, und läßt durch ſeinen Fleiß hoffen, bald einen höhern Grad der Ausbildung zu erreichen. Hr. und Mad. Stöger ſind, erſterer als jovialer Alter, und leztere in Mütter⸗ rollen verwendbar; in dieſen Fächern werden ſie gefallen, aber in andern Regionen ſollen ſie ihr Heil nicht ſu⸗ chen. Hr. Kroll läßt im Liebhaberfach ſehr viel zu wünſchen übrig. Delles. Zöllner und Feidler verderben nichts, und erhalten ſich durch fleißiges Me⸗ moriren ihrer Nollen in der Gunſt des Publikums. Dem. RNevie iſt eine gute Lokal⸗Sängerin. Dem. Gläſer, Meyer

und Guttenhofer wurden von der vori⸗ gen Direktion noch beibehalten, ſind aber nunmehr entlaſſen. Dem. Gläſev, ausge zeichnet in Anſtandsrollen und ein Liebling des Publikums, dürfte ſchwer zu erſezen ſein; an der Meyer iſt eine hübſche Theaterfigur, an der Zuttenhofer aber gar nichts verloren. Hr. Seifert, in Lokal⸗Poſſen, und wegen ſeiner gu⸗ ten Singſtimme auch in der Oper ein ſonſt brauchbares Mitglied, ſcheint ſich um das öffentliche Urtheil wenig zu kümmern, da er ſich oft auf der Bühne ein Benehmen erlaubt(wie auch neu⸗ lich in der Sylphide) das alle Dezenz mit Füßen tritt. Mit der Oper will es, ungeachtet des Mitwirkens des hier auf Gaſtrollen engagirten Hof Opernſängers Hrn. Binder, noch im⸗ mer nicht vorwärts; daher wir ſowohl das Perſonale, als auch die bisherigen Leiſtungen mit Stillſchweigen über⸗ gehen. rn

Literatur.

Wien.Aeſthetiſches Le⸗ rikon, alphabetiſches Handbuch zur Theorie der Philoſophie des Schönen und der ſchönen Künſte, nebſt Erklä⸗ rung der Kunſtausdrüke aller äſthetii⸗ ſchen Zweige, als: Poeſie, Poetik, Rhetorik, Muſik, Plaſtik, Graphik, Architektur, Malerei, Theater de. von Jg. Jeitteles. Zwei Vände gr. 8. Wien 1857.(Veſth zu haben in Hartlebens Buchhandlung.) Der ge⸗ lehrte Verfaſſer dieſes wichtigen Wer⸗ kes hat in dem ArtikelKritik ein ſo hohes Ideal eines ächten Kritikers entworfen und das kritiſche Gewäſch unſerer jezt ſo häufig rezenſirenden Jünglingen mit ſo abſchrekenden Far⸗ ben geſchildert, daß wir, wenn auch nicht zu dem Troſſe der jungen Nezen⸗ ſenten gehörend, eine ordentliche Schen hegen, dies Buch zu beſprechen. Zu dem