42

ter zu wenig bedacht wurde, um ekla⸗ tant herborzutreten. Drei Charak tere ſind in dieſem Stüke frappant ge zeichnet; nämlich ein über Schauſpiel kunſt radotirender Kellner(Hr. Kalis), ein pedantiſcher Sekretarius(Hr. Pauli) und ein altteſtamentariſcher Banquier (Hr. Lang). Alle drei wurden recht wirkſam dargeſtellt; Hr. Kalis wußte beſonders ſich in ſeiner Szene einſtim migen[Beifall zu erwerben. Tags darauf kam Halevys treffliche Oper: Die Jüdin zur Darſtellung, ver⸗ herrlicht durch die Gaſtin Dem. Clara Heinefetter, die den Hauptpart gab. Noch ſelten ward hier im Geſange ſol cher Effekt hervorgebracht, als es dies mal der geſchäzten Gaſtſängerin ge lang. Ihre Stimme hat zwar nicht das Melodiſche und das Flöten der Mad. Mink, aber ſie ſtrozt von Mark und Kraft und dringt klangvoll durch alle Räume des Hauſes. Im Terzett⸗ Finale des zweiten Aktes erprobte ſie beſonders' ihre Macht und wirkte mit allgewaltigem Zauber auf Nerven und Sehnen. Methode iſt viel vorhanden und läßt große Meiſter ahnen! laber wenig Sicherheit iſt noch darin, und ein Schwanken von einer Manier zur andern läßt manchmal ihre excellenten Mittel feſſellos. Auch in der Haltung ihres Spiels wäre etwas mehr Ruhe zu wünſchen. Sie erhielt großen Vei⸗ fall und ward ſehr oft gerufen. Dem. Rauch gab, als neu engagirtes Mit- glied, die Prinzeſſin Eudoxia und obwohl ſie ſich größtentheils nicht von einer Befangenheit losmachen konn te, ſo produzirte ſie doch wieder ihre friſche, jugendliche Stimme, voll Kern⸗ haftigkeit und Wohllaut und ſtand ſelbſt neben der Heinefetter nicht im Hinter grunde. Viele Momente waren ſehr ge⸗ lungen und ſie erhielt verdienten Ap⸗ plaus und wiederholtes Hervorrufen. Ihr Anzug war eben ſo reich als ge⸗

ſchmak voll*) und gab ihr auch ein ſtattliches und würdevolles Anſehen.

Uebrigens ging die Oper faſt in allen

Theilen gut. Veſonders erwähnen wir die H. H. Beer(Eleazar) und Kaler (Comthur), die in ihrem Duette im 4. Akt wahres Furore machten. Hr. Neſtroy ſezt ſeine Gaſtrollen mit gro ßem Beifall fort und füllt die Häuſer; wir ſprechen nächſtens mehr von ihm. Nur machen wir auf ſeine Benefize aufmerkſam, die dieſe Woche ſtattfin det. Er gibt ſeinen hier ſchon früher mit vielem Beifall gegebenenTreu⸗ loſen. Intereſſant iſt es, daß Hr. Neſtroy die ernſtere Titelrolle gibt, was uns Gelegenheit verſchafft, ſowohl dem beliebten Komiker von einer an dern Seite kennen zu lernen, als auch dieſen Charakter zum Erſtenmale von der richtigen Seite aufgefaßt zu ſehen. Hag.

Agram(12. Mai). Ein ganzes Jahr(von Oſtern 1856 bis 1837) blü⸗ heten unſerer Bühne unter einer Direk⸗ tion, deren Wirken ſo beſchaffen war, daß die Feder irgend eines Referenten nicht ſo leicht in Verſuchung gerathen wird, es der Oeffentlichkeit zu über liefern, keine Roſen. Alle Theater freunde fühlten bei ihrem Ende ein wahres Vergnügen, welches noch mehr erhöht wurde, als mit dem Anfange dieſes Kurſes Dr. v. Cſiolics, nunmeh⸗ riger Direktor unſerer Bühne, ſein Unternehmen mit der Aufführung des Straßenjungen von Paris eröffnete, worin alle Darſteller(vorzüglich aber Dem. Reinbeck, als Straßenjunge) ſich ſehr viel Mühe gaben, gleich bei ih⸗ rem Anfange dem Publikum eine gün⸗ ſtige Meinung von ihren Fähigkeiten beizubringen. Und ſie erreichten ihren

) Der Anzug iſt, dem Vernehmen nach, vom Hrn. bürg. Damenklei⸗ dermacher Joſ. Freund verfertigt.

*