Der Schmetterling.
Ein
Flugblatt zum Spiegel.
11.
Mittwoch, 24. Mai.
1837.
Theater.
Peſth(25. Mai). Ein neues Originalluſtſpiel:„die gefährli⸗ che Tante“ in 4 Akt. v. Albint, kam am 19. d. M. zur erſten Aufführung. Wenn die deutſchen Originale ſo be⸗ ſchaffen ſind, ſo iſt es allerdings den deutſchen Bühnen nicht zu verargen, wenn ſie ſich ſo häufig an die Ueber⸗ ſezungsfabriken wenden; denn die miß⸗ lungenſte Uebertragung einer mißlun⸗ genen Piece von Scribe hat beinahe mehr Sinn und Geſchmak als dieſes Original ⸗Luſtſpiel. Die gefähr⸗ liche Tante iſt eine junge Schauſpie⸗ lerin, die, um einen alten, ahnenſtol⸗ zen, gegen die Schauſpielkunſt, ſo wie gegen mutter⸗ oder tanteloſe Mädchen ſehr eingenommenen Landedelmann da⸗ hin zu vermögen, daß er ſeinem Nef⸗ fen geſtatte, ſie zu heirathen, ihre eigene Tante ſpielt, und durch Heu⸗ chelei und Scheinheiligkeit den Edel⸗ mann dergeſtalt an ſich zu feſſeln weiß, daß er ſich ſelbſt entſchließt, ſie zu heirathen. Da wirft ſie denn ihre Mas⸗ ke ab; ſie ſteht als Nichte da, und der Alte, von ſeinem Vorurtheile geheilt und ausgeſehnt mit der Kunſt, gibt ſelne Einwilligung zu der Verbindung mit ſeinem Neffen. Wäre das Stük in einem oder zwei Akte zuſammenge⸗ zogen, ſo würde es ziemliches Intereſſe
bieten koͤnnen, ſo aber laborirt es an unerträglichen Längen, die nicht ein⸗ mal eine Würze des Wizes oder Ele⸗ ganz der Sprache haben.— Die Dar⸗ ſtellung war nur theilweiſe gut. Herr Verg gab den Landedelmann mit natür⸗ lichem Humor und biderber Wahrheit; er war das belebende Prinzip des Gan⸗ zen, und erhielt lebhaften Veifall. Die Rolle der Schauſpielerin gehört zu den ſchwächſten Leiſtungen der Mad. Grill. Als Nichte ging das Ding noch an, da half die Toilette viel. Aber als Tante entbehrte ſie aller Glaubwür⸗ digkeit; es ging faſt in Karikatur über. Das war viel zu gedehnt und zu gezogen, zu gebeugt und zu gebükt. Man glaubte nicht an die Tante; die Nichte ſah zwar nicht ſchalk haft her⸗ vor; aber[das war Alles ſo gepreßt und gezwungen, ſo mühſam und unna⸗ türlich herausgebracht, daß ſelbſt dem allerehrlichſten Landjunker doch einige Zweifel über die Aechtheit der Tante⸗ ſchaft hätte aufgehen müſſen. Der Dich⸗ ter mag vielleicht die größte Schuld haben, aber die ſonſt geſchäzte und beliebte Darſtellerin hätte doch etwas Anderes daraus machen können und ge⸗ rade hier Gelegenheit gehabt zu be⸗ weiſen, daß die Toilette nicht der weſentlichſte Vehelf ihrer Kunſt ſei. Uebrigens fehlte es auch ihr diesmal an Beifall nicht.—— Hr. Dietrich gab den Liebhaber, der aber vom Oich⸗


