40

Mignon⸗ Zeitung.

Wien. Am Hafnerſteg, beim RNothenthurmthor, iſt vor Kurzem ein Gaſthaus eröffnet worden, welches zu den eleganteſten und ſolideſten Wiens gehört. Es iſt das Gaſthaus zurStadt Neapel; ſehr viele Fremde, auch Un garn finden ſich da ein, denn hier trifft man echte, unverfälſchte Weine, deli⸗ kate Speiſen zu billigen Preiſen und noble Bedienung. Die Speiſezimmer im erſten Stokwerk ſind ganz originell hergerichtet, überhaupt Alles zu em⸗ pfehlen. Der Gaſtwirth, Hr. Ruprecht, ein Mann, der halb Europa bereiſt, iſt der angenehmſte Geſellſchafter ſeiner Gäſte, vielſeitig gebildet, und es läßt ſich erwarten, daß er ſein Geſchäft zum höchſten Aufſchwung bringen wird.

R.

Buntes aus London. In Botanybai und Neu-Süd- Wales gel⸗ ten die Frauen noch etwas, und dies kommt daher daß man, zum Chor des weiblichen Geſchlechts ſei es geſagt, auf 100 männliche Verbrecher kaum 12 bis 16 weibliche rechnen kann, und ſelbſt unter dieſen iſt ſicher die Hälfte nicht verheirathet, da Mütter und Hausfrauen weit weniger geneigt zu Verbrechen ſind. Um daher dieſem Mißverhältniß der Geſchlechter in je⸗ nen Gegenden einigermaßen abzuhelfen, pflegt die Regierung auf den öffentli then Pläzen der, e eng⸗ liſche Mädchen von 10 bis 20 Jahren anwerben zu laſſen, denen man per Kopf 112 Pfund Sterling bietet, um ſich als Gattinen für Diebe in einen andern Welttheil zu begeben. Daß dieſe weiblichen Rekruten nicht die ſit⸗ tigſte und tugendhafteſte Sorte von Frauenzimmern ſind, kann man ſich leicht denken, deſſenohngeachtet iſt dieſe

Waare ſehr begehrt und findet ſtets reißenden Abſaz. In unſern großen Städten könnten Agenten in dieſem Artikel gute Geſchäfte machen. Crock⸗ fords Spielhaus in London, von dem neulich in dieſen Blättern die Rede war, iſt das größte in der Welt; ſei⸗ ne Erbauung und Einrichtung koſtet 700,000 Thaler; in ganz London iſt nichts ſo Glänzendes. Die Soupers, überaus vortrefflich, werden für die Hazardſpieler umſonſt gegeben; man trinkt vortrefflich dabei, Alles umſonſt, und wird ſo vortrefflich zum Spiele geſtimmt, daß man nach dem Aufſtehen mit Würfel und Roulette das Souper hundertfach bezahlt. Man braucht nicht einmal Geld, Crockford kennt ſeine Leute, und leihet bis über 300,000 Thaler. Mancher ſeine Lordſchaft an tretende Gentleman hat ihm Hundert⸗ tauſende zu bezahlen. Der Koch, der berühmte Ude, hat über 7000 Thaler Gehalt; 355 Lakaien ſind ſtehende Gar⸗ de. Der Croupier erhält wöchentlich gegen 400 Thaler. Es werden Säze von 700,000 Thlr. akzeptirt, und da bei iſt Crockford bereits ein Millio när geworden. Die Engländer laſ ſen jezt, nachdem die Franzoſen ei nen Obelisken nach Paris gebracht, das koloſſale Bruſtbild des Seſoſtris in Egypten ausgraben, um es nach London bringen zu laſſen. Ehemals war es die Hauptzierde von Memphis. In England, wo man die Loterien gänzlich aufgehoben hatte, ſieht man ſich jezt nothgedrungen, neue zu errich⸗ ten, weil zu viel Geld für Lotterien in das Ausland gehet. M.

Athen. Eine griechiſche Frau von 125 Jahren wurde kürzlich der Kö⸗ nigin vorgeſtellt, die ſich ſehr freundlich mit abr unterhielt. Die Frau drükte ihr Vergnügen aus, die Königin noch vor ihrem Ende geſehen zu haben. S.

Redigirt bon der Redaktion des Spiegels.