Jahrgang 
1837
Seite
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Hoſoperntheater wird italleniſch ge⸗ ſungen und geſprungen. Sig. Poggi und Sign. Tachinardi ſind die Lieb⸗ tinge des Publikums. Im Leopold⸗ ſtädter Theater gaſtiren Hr. Quandt und Lang, Lezterer Hofſchauſpieler aus München, mit vielem Glüke. Eine neue Zauberpoſſe von Wilhelm Tur⸗ teltaub, betitelt:Nur Eine löſt den Zauberſpruch oderWer iſt glüklich? macht hier viel Senſation. Die hieſi gen Blätter vereinigen ſich alle zum Lobe des Hrn. Turteltaub, nur ſind ſie mit der Handlung nicht ganz zu frieden, ſie iſt ihnen, glaub' ich, zu mager. Ich hatte noch keine Zeit dieſe Poſſe zu beſuchen, indem mich die Gaſt⸗ ſpiele der Olle. Bauer und Hrn. Pauli mehr intereſſiren, doch werde ich nicht unterlaſſen, Ihnen einen näheren Be richt darüber zu erſtatten.(S. unten den Bericht eines andern Korreſpon⸗ denten.) Im Theater an der Wien produziren ſich jezt die engliſchen Gym⸗ naſtiker und Mimiker von dem Kon⸗ ventgarden-Theater in London, die HH. Lawrence und Rediſcha, in einer eigens für ſie von Hrn. Neſtroy, ge⸗ ſchriebenen Poſſe, betitelt:Moppels Abentheuer im Viertel unter dem Wie⸗ ner Walde, in Neuſeeland und Marok⸗ ko. Die Poſſe heißt gar nichts, nur Hr. Scholz, der eine bedeutende Rolle darin hat, hält dieſes ſchwache Stük etwas aufrecht. Die Leiſtungen obgenannter Gymnaſtiker ſind zwar ausgezeichnet, allein es gebricht ihnen der Reiz der Neuheit, indem Kliſch nigg Vieles uns ſchon früher und oft vorführte. Als Gäſte ſehen wir in die⸗ ſem Theater die Olle. Raſcher und den Hrn. Grois, die beide nicht ohne Er⸗ folg gaſtirten. Eine äußerſt intereſ⸗ ſante und ſeltene Erſcheinung war hier Hr. Carl Lipinsky, der Donnerſtag ein Konzert im kleinen Redoutenſaale gab. Wenn ich ſage, Hr. Lipinsky hat hier

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Furore gemacht, iſt das noch viel zu wenig. Lipinsky iſt der zweite Paga⸗ nini und noch mehr, wenn wir dem klaſſiſchen Spiele den Vorzug vor dem künſtlichen, oder moderner geſagt, dem romantiſchen, geben. Ein Beifalls⸗ ſturm ſeltener Art begleitete dieſen ausgezeichneten Virtuoſen, und wie ich hörte, wird er uns bald wieder mit einem Konzerte erfreuen. Hier ha ben Sie alle meine Neuigkeiten, die ich. mitzutheilen, mir vornahm.

Reinecke Fuchs.

Eine Zauberpoſſe von W. Turtel⸗ taub hat im Leopoldſtädter-Theater Glük gemacht. Sie heißt:Rur Eine löſt den Zauberſpruch oder wer iſt glüklich? Antwort: der Genüg⸗ ſame, Zufriedene. Die Handlung iſt ſehr einfach, ohne neu zu ſein, voll Späßen, Wiz und Vonmots, wovon manche originell ſind; überhaupt hält das Ganze der gewandte Dialogs kitt, Es iſt darin keine falſche Sen- timentalität, man findet keine Zoten, Alles ſtrebt dahin, dies Genre zu ver edeln und da ſolche Stüke keinen an⸗ dern Zwek haben, als das Publikum auf eine anſtändige Weiſe zu amüſiren, ſo kann man ſie nur loben, wenn ſie ihren Zwek erreicht. Dies iſt hier der Fall, das Stük gefiel, beſonders am erſten Abend, ungemein; der Verfaſſer wurde ſtürmiſch mehreremal hervorge rufen und ſo wollen wir hier nicht in die Mängel des Stükes eingehen, wel⸗ che ohnehin Hr. Adami, dem ich ganz beiſtimme, hervorhob. Das Stük iſt bereits ſieben Mal gegeben worden, und dieſer Beifall möge Hrn. Turtel⸗ taub anſpornen, etwas ganz Origi⸗ nelles, Selbſtſtändiges zu ſchreiben. Und ſomit ſende ich dieſe Notiz in den Hafen Ihres vielgeleſenen Blattes.

S.