Jahrgang 
1837
Seite
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tattve Uebermacht ſlegte, unterlag Ju⸗ lias Taktik nicht. Sie hielt ſich waker; und ſchien ſie einmal, in dem Wahne, ſie ſei Romeo ſelbſt, deſſen Flagge auf⸗ pflanzen zu wollen; ſo gab auch Ro⸗ meo manche Blöße und die Kräfte wa⸗ ren gleich zum Kampfe. Mad. Plehl erhielt einſtimmigen Applaus und ward mehreremal gerufen. Hr. Stoll ſang den Tybald ſehr lobenswerth. Die Ne⸗ benrollen waren in den Händen der Hrn. Kaler und Oberhoffer',, was dem Ganzen der Oper trefflich zu Statten kam. Tags darauf kam im Schauſpiel eine Novität vor.Lüge und Wahr⸗ heit, Schauſpiel in 4 Aufzügen von (Amalia Prinzeſſin v. Sachſen). Schauſpiel? Im allgemeinem Sin⸗ ne wohl; in engerer Bedeutung aber iſt es ein Luſtſpiel, und zwar ei⸗ nes, wodurch die deutſche Bühne ziem⸗ lich erſprieslich bereichert wurde. Die Lüge in dieſem Stüke repräſentirt ein Mädchen, Juliana, das den nicht gar liebenswürdigen Zug in ſeinem Cha⸗ rakter hat, der Wahrheit, wenn gleich in unbedeutenden Dingen, nicht tren zu ſein. Nun fügt es ſich einmal, daß ſie, um einen nicht gewünſchten Be werber um ihre Hand les zu werden (da ſie einen Andern liebt), wieder zu einerNothlüge ihre Zuflucht nimmt, indem ſie ihm ſagt, ihr Vater wäre bankerott. Jezt kommt aber die trau rige Wahrheit: der Vater wird wirklich bankerott, wozu auch die ge der Tochter weſentlich beitrug, da dadurch auf einmal viele Kreditoren um ihr Guthaben ſich meldeten. Was ge ſchieht? Der verſchmähete Bewerber wird erhört; er iſt erſtaunlich reich, er hilft dem Vater aus ſeiner Verlegenheit; der erſte Liebhaber verliebt ſich in eine Andere und erhält ſie, und Juliane gelobt feierlich, nie mehr zu lügen. Das ganze Stük aber iſt voll Inte⸗ reſſe, das bis an den Schluß in ge⸗

ſteigertem Maaße ſich erhält. An frap⸗ panten Situatlonen fehlt es nicht und die Sprache iſt edel und gebildet. Das Luſtſpiel hat ſehr gefallen. Die Dar⸗ ſtellung war ausgezeichnet gut. Hr. Berg war als Banquier Freimann voll

Humor und gefälliger Gewüthlichkeit.

Hr. Dietrich gab den geraden, biedern Meerfeld mit Ruhe und Würde. Mad. Grill war eine liebenswürdige Erſchei⸗ nung als Juliane, die ſchöne Lügne⸗ rin. Sie verband fein Naivität mit Koketterie. Ihre Toilette war köſtlich und gab den Worten Meerfelds:Sie iſt ein wunderſchönes Mädchen Glaub würdigkeit. Vorzüglich ſtand ihr das hochrothe Kleidgöttlich u. wie ange⸗ goſſen. Auch iſt diesmal zu loben, daß ſie bei der Umkleldung ſo ſchnell war, daß kein langer Zwiſchenakt entſtand. Alle drei Genannten erhielten vielen Beifall. Außerdem ſpielten die Hrn. Poſinger, Treumann, Mab. Klimetſch und Dem. Deny ſehr lobenswerth. Hr. Neſtroy ſoll heute, am 13, auf hieſiger Bühne ſeine Gaſtrollen eröff l J. M.

Wien(7. Mai.) Kommt der holde Mak, wenn ſich Alles kleidet neu, dann iſts mit dem Theater vorbei. Der Mai iſt der Georgitag der Na tur, ſie zieht aus, aus dem dunklen Wolkendache, in das ſchöne freundliche blaue Himmelszelt. Der Städter be nuzt dieſe Ausziehzeit und geht aufs Land als Bewunderer der Natur. Die Stadt wird immer leerer, das Land immer beſuchter, und im Theater ſpielt man vor leeren Bänken und Rezen⸗ ſenten. Die Theaterdirektionen, darauf bedacht, verſchaffen ſich nun Anzie⸗ hungskräfte, das ſind Gäſt e. Unſere thätige und umſichtige Direktion des Hoftheaters führt uns nun abwechſelnd zwei Gäſte vor, die hier ſehr anſpre⸗ chen, nämlich die liebenswürdige Olle. Bauer und den trefflichen Pauli. Im