Jahrgang 
1837
Seite
37
 
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Der Schmetterling.

Ein

Flugblatt zum Spiegel.

10.

Sonnabend, 13. Mai.

1837.

Theater.

Peſth(12. Mai). Am 9. d. M. hatten die Opernfreunde einen beſon⸗ dern Genuß Bellinis Oper:Mon⸗ tecche u. Kapuletti wurde mit neuer, intereſſanter Beſezung gegeben, und zwar erſchienen Dem. Clara Heinefet⸗ ter, k. k. Hofopernſängerin, als Ro⸗ meo, und Mad. Piehl, von Hamburg, als Julie, als Gäſte. Dem. Heine⸗ fetter iſt hier noch in gutem Anden⸗ ken und ward daher mit einer dreifa⸗ chen Beifallsſalve empfangen. Wir be⸗ merkten noch die volle Kraft und Fri⸗ ſche ihrer klangreichen, ausgibigen Stimme. Der Umfang iſt ſehr bedeu⸗ tend, und, außer dem etwas zu Foreir⸗ ten in der Höhe und der mindern Kraft in der ſonſt ſehr reinen Tiefe, in al⸗ len Theilen ſehr angenehm. Auch wirk- ſamen Ausdruk weiß ſie den Worten zu geben und hinlängliche, wenn auch nicht immer richtige, Aktion zu ent wikeln. In dem Gebrauche ihrer ſelte nen Mittel ſcheint ſie noch keine Ein⸗ heit erlangt zu haben, und ſteht in dieſem Punkte und in dieſem Parte der Dem. Schebeſt weſentlich nach. Nichtsdeſtoweniger ſind die Verdienſte dieſer Sängerin groß, und wir dürf

ten uns zu ihrem Beſize gratuliren. Der größte Theil des Publikums zollte ihr reichlichen Beifall, der ſich nament⸗

lich durch mehrmaliges Hervorrufen

kund gab. Eine ganz überraſchende Erſcheinung war Mad. Piehl; dieſelbe Sängerin, die erſt ganz kürzlich den Romeo mit Erfolg ſang, tritt uns nun als di ſanfte Julie entgegen. In der That, ein bemerkenswerthes Fak⸗ tum, das uns vielleicht keine andere deutſche Sängerin aufzuſtellen ver⸗ möchte, wenn es gleich wahr bleibt, daß die Julie ungleich mehr in die Stimm- und Kapazitätsſphäre der Mad. Piehl paßt, als der Romeo. Sie ſang löblich, und wenn gleich dieſer Geſang mehr ätheriſch als körnig tönte, ſo wirkte er deſto wohlthuender auf das Gemüth, und ſchmeichelte an⸗ genehm den Gehör-Organen. Die reine Intonation, der tief empfundene Wort⸗ ausdruk und der wahrhaft dramatiſche Accent ſprachen für den Verſtand der Sängerin, ſo wie die ſchöne Koleratur und die Art ihres Vortrages, verbun⸗ den mit einem herzlichen Spiele, eine bündige Kunſtſchule errathen laſſen. In den Duetten zwiſchen Romeo und Julie bemerkte man ein allgemeines Aufgebot der Kräfte beider gaſtirenden Sängerinen. Es war ein Scharmüzel auf dem Feld der Kunſt geliefert. Ein Streit der Guelphen u. Ghibellinen. Blut zwar nicht, aber Schweiß des Ange ſichts mag gefloſſen ſein. Das Kriegs⸗ glük zeigte ſich abwechſelnd, und der Sieg blieb zweifelhaft; aber ſo viel iſt gewiß, wenn Nomeo durch quanti-