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Muſik.
Pe ſt h. Fräulein Henriette Carl gab am 28. April ein Geſang⸗ konzert im Redoutenſaale und verſam— melte ein äußerſt gewähltes Audito— rium, das meiſt aus der Elite der hö— hern Welt beſtand. Man war in ge— ſpannter Erwartung und begierig zu wiſſen, in wieferne die Zeit faſt eines Jahres, während welcher die Künſtlerin von Peſth aus eine Kunſt- und Tri⸗ umph⸗Exkurſion ins Ausland machte, zum Vor⸗ oder Nachtheil auf ihre Stimme einwirkte. Mit inniger Theil⸗ nahme gelangte man bald zu der er— freulichen Ueberzeugung, daß die Stim⸗ me der Sängerin, die bei uns noch in ſo friſchem Andenken lebte, an Inten⸗ ſität und innerem Gehalte ſowohl, als an künſtleriſcher Kapazität bedeutend gewonnen habe.— Nach einer Ouver— ture von Hummel, die gut exekutirt wurde, erſchien Fr. Carl und die edle, graziöſe und imponirende Erſcheinung ward mit einer reichen Beifallsſalve empfangen. Sie ſang eine Arie aus den„Puritani““ v. Bellini und ſchon die erſten Akkorde wirkten elektriſch auf die Zuhörer, und je mehr dieſe dem Gange des melodiöſen Tonſtükes folgten, je mehr wurden ſie von einem in üppiger Fülle blühenden, von Kraft und Reinheit des Silbertons über— ſprudelnden Geſange und einer allen Forderungen des gebildeten Geſchma⸗ kes entſprechenden Manier bingeriſſen. Der außerordentliche Umfang ihrer in allen Lagen gleich ausgebildeten und gehaltreichen Stimme iſt ſo begabt an Geſchmeidigkeit, Volubilität und Schmelz, daß der Ausdruk, den ſie der innern Empfindung zu ertheilen ver— ſteht, nur von der höchſten Wirkſam⸗ keit ſein kann. Bei einer ſeltenen rauſchenden Stärke tritt auch ein zart⸗ gefühltes Piano, ſo wie ein leiſes Hin⸗
gleiten auf den Wellen der Melobdte überall hervor und ein Gefühl ſpricht
zu dem Gefühle. Groß und einſtimmig
war der Applaus, der ihr nach dieſer Arie ward.— Die zweite Piece der Sängerin waren drei Lieder mit Kla— virbegleitung: 1. Mazurka; 2.„die Poſt“ von Schubert; 3.„der kleine Hans“ v. Cruſchmann. Ein muſikali⸗ ſches Bouquet, wie wir hier noch nie ein Gleiches gehört haben. Die Ma⸗ zurka, wie charakteriſtiſch- national ge⸗ ſungen!„Die Poſt“, welche Fülle von Gefühl und Zartheit in der Kompoſi⸗ tion, und wie ausdruksvoll und be⸗ zeichnend vorgetragen!„Der kleine Hans“ endlich iſt ein allerliebſtes Mu⸗ ſikſtür, daß Fr. Carl mit ſo vleler Grazie, Deutlichkeit und ſolcher aus⸗ nehmenden Legerität ſang, daß das Auditorium faſt das Ende nicht erwar⸗ ten konnte, um in ſtürmiſchen Beifall auszubrechen, und laut das da capo zu verlangen. In dieſen brei Lieber⸗ chen bewies die Sängerin, wie mächtig ſie auch mit dem einfachen Geſange zu begeiſtern verſteht.— Aber in einer neuen Glanzſeite zeigte ſie ſich in dem Vortrage der großen Mozart'ſchen Arie aus„Don Juan.“ Sie ſang dieſe klaſſiſche Nummer wirklich klaſſiſch; nur ſo kann man von dem Großarti⸗ gen einer Aufgabe durchdrungen ſein, wenn man ſich ſo ganz in dem Seiſte derſelben hält. Sie blieb durchaus ih⸗ res Wohllautes Meiſter, beſtand ſieg⸗ reich alle Schwierigkeiten und behaup— tete immer eine nie ſchwankende reine Intonation.— Man war entzükt von dieſem herrlichen Geſang und die glän⸗ zendſte Anerkennung ward ihr zu Theil. — Zum Beſchluß ſang ſie, auf Ver⸗ langen, die durch dieſe Sängerin ſo be⸗ rühmt gewordene Arie:„Alla gioja ed al piacer“ v. Bellini. Der Lieb⸗ reiz und die hohe Virtuoſität, die die Künſtlerin in den wunderſamen Vor⸗


