Jahrgang 
1837
Seite
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anzuſeben. Es iſt ein drelaktiges Ori⸗ ginalluſtſpiel:der Markt zu Eller⸗ brunn von C. Blum, von dem hier die Rede ſein ſoll. Das Luſtſpiel ge⸗ hört zwar in Erfindung, Durchfüh⸗ rung, Haltung der Charaktere und im Okaloge einer ſehr leichten Gattung an, aber es hat einige gefällige Ele⸗ mente, ſo daß es im Ganzen unterhält. Ein leichtfertiger Ehemann wird von ſeiner jungen ihn liebenden Gemahlin durch ein altes, bewährtes Mittel zur Raiſon gebracht. Nämlich ſie erwekt bei ihm, durch ſcheinbare Untreue, quä lende Eiſerſucht und par consequent wieder Liebe. Man ſieht, daß die Idee aller Neuheit enträth, aber auch die Behandlung hat weder Wahrſcheinlich⸗ keit noch gehörige Motidirung. Doch gibt es komiſche Momente, die dem Stüke Theilnahme verſchaffen. Geſpielt wurde von den drei Hauptbeſchäftigten recht wirkungsvoll. Dem. Müller lieferte als Baronin ein herziges Gemälde weib⸗ licher Tugend, leidenſchaftlicher Liebe, vorzehrender Eiferſucht und überliſten der Schlauheit. Sie ſpielte ſo ſchön die Komödie in der Komödie, daß man das Gelingen ihrer Liſt mehr ihrer Verſtellungskunſt als der etwas plump ausgehekten Intrigue des Verfaſſers zu⸗ ſchreiben mochte. Sie war liebenswürdig in allen Momenten und man mußte nur den unbegreiflichen Baron bedauern, der ſolch eines Geſchöpfes je überdrüſſig werden konnte. Dieſen flatterhaften Baron ſtellte Hr. Thomè dar. Ein ge⸗ wandter Schauſpieler, voll Liebe zur Kunſt und mit ſchönen Mitteln begabt. Er gab auch dieſe Rolle mit ſicht barem Fleiße, Leben und Leidenſchaftlichkeit. Ein moderirteres Händeſpiel und mehr Auſmerkſamkeit auf die reine Ausſpra⸗ che wäre noch zu wünſchen, um ihn für jede Bühne empfehlenswerth zu fin den. Hr. Direktor Nötzl war der dritte im Bunde, der dieſer Vorſtel⸗

lung Intereſſe verlieh. Er gab den Doktor Platanus, eine Art Mittels mann, der dienſtwellig Alles zum Be⸗ ſten leitet. Die Auffaſſung der Rolle war äußerſt richtig und wir bemerkten bei einer plauſiblen Ernſthaftigkeit ei⸗ nen friſchen Humor. Die drei Ge⸗ nannten erhielten großen Velfall und wurden wiederholt gerufen. Hr. Kurt gab zu dem Pedanten, Kommiſſionsrath Zuker, noch einen Pedanten, ſo daß ſelbſt die kühnſten pedantiſchen Er wartungen des Verfaſſers noch über troffen wurden. Die beiden Schwe ſtern Zettler hatten nichts Ausgezeich netes. Hr. Liebold zeigte in ſeiner kleinen Rolle Talent. In der Lo- kalkomik erſchien neulich der auch hier ſchon früher bekannte Komiker Hr. Seydl zum Erſtenmale auf unſerer Bühne. Er gab den Auguſtin in SchickheEntführung vom Masken, ball. Eine natürliche Komik, die um ſo mehr auf die Lachmuskeln wirkt, als ſie ſich der Wahrheit nähert, hat ſich Hr. Seydl in ziemlichem Grade eigen gemacht. Er bewegt ſich recht jo vial und munter und weiß ſeine Laune auch dem Publikum mitzutheilen. Nur bleibt es unklar, aus welchem Grunde er die Maske eines Greiſen annahm; dieſer Auguſtin iſt ja noch ein Menſch, der ſich in Liebeshändel einläßt! Hr. Kurt gab den Musje Haxerl recht charakteriſtiſch und nach dem Leben. Er erhielt gerechten Beifall. Eben ſo war Hr. Macho als Maxel huber ſehr drol⸗ lig, und er wußte dieſem Kauz die rechte Farbe zu geben. Dem. Mature⸗ ny(Fanny) war wie immer eine an⸗ genehme Erſcheinung. Heute, am 1. Mat, eröffnett Hr. Neſtroy, vom Theater an der Wien, als Longinus

in ſeinem eigenen Produkte:dreißig Jahre aus dem Leben eines Lumpen ſeine Gaſtrollen auf, hieſiger Bühne. Volles Haus. Gutes Spiel. Großer Beifall. J. M.