Jahrgang 
1837
Seite
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hier nicht zu entdeken. Alles war al⸗ lerdings nicht gleich tadelfrei, aber ſehr ausgezeichnet! gelungene Momente zählten wir manche; groß waren die Szenen mit Lady Milfort und jene mit ſeinem Vater im Hauſe des Muſikus.

Das kunſtverſtändige Publikum nahm

das Gute dieſer Leiſtung recht theilneh mend auf und iſt geſpannt auf andere, dem heutigen Geſchmake entſprechendere Rollen. Mad. Grill iſt keine Louiſe. Wohl aber Mad. Kalis-Padjera eine ganz vorzügliche Lady Milfort, die Alles zu ſtürmiſchem Applauſe hinriß. Die H. H. Demmer(Präſident), Berg (Müller), Poſinger(Wurm) ließen nur wenige Wünſche zurük. In der Oper erſchienen am 14. Dem. Rauch von Frankfurt am Main als Agathe, und Hr. Thalheim als Max in Webers Freiſchüz als Gäſte. Dem. Rauch iſt im Beſize einer ziemlich kräftigen und wohlklingenden Stimme, von ei nem ſchönen Umfange und hinglängli cher Flexibilität. Dieſe Stimme ſcheint auch unter der Leitung eines Meiſters ſchulgerechte Befähigung erhalten zu haben, und ſich vorzüglich für den tra genden Geſang zu eignen. Troz ihrer ſichtbaren Beklommenheit ließen ſich dieſe Vorzüge alsbald erkennen. Sie ſang ihre große Arie im 2. Akt mit ſolchem Erfolge, daß ſie darauf ein ſtimmig hervorgerufen wurde. Hr. Thalheim ſchien noch weit mehr von . einer Befangenheit erfaßt worden zu ſein. Uebrigens ſcheint jedenfalls ſeine Stimme, die zwar Annehmlichkeiten haben mag, doch für dieſe große Bühne viel zu ſchwach, um wirkungsvoll zu erſcheinen. Dieſer Sänger alſo, der vielleicht für kleinere Bühnen wün ſchenswerth ſein mag, wird uns noch nicht die Tenoriſten-Lüke ausfüllen. Am 16. füllten wieder Rappo's Vor⸗ ſtellungen das Haus. Geſtern gab Hr., Woller den Philiph, in Kotzebues

Johanna v. Monſaueon, zue zwei⸗ ten Gaſtrolle. Dieſe Komödie aus der guten alten Zeit erregt heutzutage höchſtens ein Lächeln, wie wir es ger⸗ ne einer Parodie ſchenken. Unſer Gaſt hatte jedoch Gelegenheit ein zum Her zen ſprechendes Spiel zu entwikeln; er erhielt gerechten Beifall. Mad. Kallis (Johanns) war grandios. Das ſpärlich beſuchte Haus aber ſollte andeuten, daß es hohe Zeit iſt, dergleichen abgelebte Stüke ad acta zu legen. Heute: Norma. Mad. Piehl⸗Flache, Norma 1 Dem. Rauch, Adalgtſa; Hr. Thalheim, Sever. Darüber nächſtens. M. Ofen(17. April). Unſer Thea⸗ ter gleicht einem Burgtheater en mig- niatur. Beſonders gilt dies hinſichtlich des Repertoirs, das faſt durchaus ge wählt und gediegen zu nennen iſt. Die neueſten und beſten deutſchen Schau und Luſtſpiele ziehen in einer freund lichen Guirlande vorüber und nur zur Abwechſelung brachte uns der Sonntag oder vielmehr ward ihm gebracht eine Wiener Lokalpoſſe:Sylphide. Die Darſtellung aller dieſer Stüke fiel mei ſtens befriedigend aus. So gewährten unsdie Günſtlinge,das Leben ein Traum,der Pariſer Taugenichts, Lüge u. Wahrheit,Gebrüder For ſter,Freie nach Vorſchrift oc. ge⸗ wiß vergnügte Abende. Die Miglieder, welche ſich in dieſen Stüken vor Allen auszeichneten, ſind Dem. Mäller, wel che die Grazie und Anmuth repräſen tirt, und dem Namen Müller, der be ſonders in der weiblichen theatraliſchen Welt ſolch einen guten Klang hat, nicht geringe Ehre erwirbt. Sie iſt bereits zum Liebling des Publikums geworden. Dann kommt Dem. Zett⸗ ler d. ält., die ſich immer als denken⸗ de Schauſpielerin bewährt, und allen ihren Rollen eine wahre charakteriſti⸗ ſche Färbung zu verleihen weiß. Unter den Herren ſteht der Direktor