Der Schmetterling.
Ein
Flugblatt zum Spiegel.
Mittwoch, 19. April.
1837.
Theater.
Peſth(18. April). Gäſte über Gäſte! Unſre Direktion läßt nichts unverſucht, was ihrem Unternehmen die erwünſchteſte und befriedigendſte Stel⸗ lung ertheilen könnte. Sie führt uns eine Reihe Künſtler vor Augen und das Publikum möge entſcheiden, wer ſeinen Anforderungen und ſeiner Vor— liebe am meiſten zuſagt. Wie ſchon erwähnt erſchienen am 13. d. M. in Bauernfelds Luſtſpiel:„Bürgerlich u. Nomantiſch“ zwei Gäſte: Hr. Pfeiffer von Breslau, als Baron Ringelſtern und Hr. Woller von Gräz, als Sittig. Hr. Pfeiffer bewährte ſich möglichſt noch mehr als das Erſtemal als einen gewandten und verſtändigen Schauſpie— ler, der ſeine Rolle nicht nur in al⸗ len Theilen kunſtgerecht auffaßt, ſon⸗ dern auch die Lüken, die die leichte Arbeit des Dichters hie und da zur Schau trägt, ſehr zwekmäßig ausfüllt. Er erhielt lebhaften Beifall und ward ſogar nach einer beſonders gelungenen Szene gerufen.— Hr. Woller iſt ein junger Schauſpieler von unverkennba— rem Talente. Seine Aufgabe war
ungleich ſchwieriger und weniger loh⸗
nend als die ſeines Kollegen, und den⸗ noch wußte er ihr durch gemüthliches und einnehmendes Spiel eine Glanz— ſeite u. folglich Intereſſe abzugewinnen. Aktion und Geſten hielten ſich meiſt
in den Marken der Ruhe und des An— ſtandes, ohne daß wir da Wärme ver— mißten, wo ſie der Situation nach vonnöthen war. Auch er ward am Schluſſe gerufen. Er dankte zierlich und beſcheiden.— Der dritte Gaſt im Schauſpiel iſt Hr. Deſſoir von Vres⸗ lau, der am 15. den Ferdinand in„Ka⸗ bale und Liebe“ zur erſten Gaſtrolle gab. Das bürgerliche Trauerſpliel liegt außer der Gewohnheit der Zeit und ſelbſt ein Rieſen⸗Genius wie Schiller würde uns nicht mehr durch ſolche ſpieß⸗ bürgerliche Händel und ſolchen Jammer zum tragiſchen Pathos ſtimmen. Die Waht einer ſolchen Antrittsrolle kann daher nicht ſehr glüklich genannt werden und dennoch bewies unſer geſchäzte Gaſt auch darin, daß er ein Künſtler von er heblichem Range iſt. Wenn gleich Fi— gur und Organ nicht zu den ausgebli⸗ chen, beſonders auf einer ſolchen gro— ßen Bühne wie die unſerige, gehören, ſo weiß er ſich dennoch recht wirkungs⸗ voll zu präſentiren und krescendo mit dem Publikum zu befreunden. Sei⸗
ner Auffaſſung des Charakters gebricht
nichts an Richtigkeit und folgerechter Haltung, ſo wie ſein Vortrag Bildung und Sprachkenntniß beurkundet. Seine Darſtellungsweiſe kann man zwar nicht feurig oder„von Glut überſtrömend“ nennen, aber Fleiß und Animo fehlen hier ſicher nicht und eine kraſſe Effekt⸗ haſcherei, oder geſuchte Manieren ſind


