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anſieht, es war eine Binder in nuce, die des lauteſten Beifalls, den ſie er⸗ hielt, würdig war. Sie wurde ſieben⸗ mal gerufen und dankte in beſcheide⸗ nen und ſinnigen Worten. Dem. Bayer wird eine mächtige Rivalin an der Ga— briele Allram haben, und Dem. Frei, die ſchwerlich mehr ihre Dienſte wird Thalien widmen können, iſt vollkom— men erſezt.— Dieſer Tage erwarten wir eine Dem. Miedke und geſtern betrat zum erſten Male Dem. Brauſe, Zög⸗ ling des hieſigen Konſervatoriums, als Page, in der Oper„Anna Bolena“ mit Beifall die Bühne..
Literatur.
Prag.„Leoni“ von Georg Sand(Mad. Düdevand) iſt von einem geſchäzten böhmiſchen Literator ins Czechiſche überſezt worden.— Die bei⸗ den Monathsſchriften:„Flora“ und „der Novelliſt“ erſcheinen erſt im Juli. Als Redakteur der erſt Genannten nennt man einen geſchäzten Literaten Prags, deſſen Name die literariſche Welt mit Ehren nennt. A.
Allerlei.
Wien. Ein Skandal beſchäftigt gegenwärtig die ganze Stadt, welchen ſich ein Eigenthümer des Sperl-Wirths— hauſes(es gehört den Gebrüdern Scher— zer) gegen den Humoriſten und Rezen— ſenten Wiſeſt auf unverantwortlich freche Weiſe erlaubt hat. Dieſer Lez—⸗ tere deutete ganz leiſe, bei Gelegen— heit der Beurtheilung eines in dieſem Gaſthauſe veranſtalteten Feſtes, unter dem Titel: Erinnerungen an Guten⸗ ſtein, wo Raimund's Haus, nebſt Fi⸗
guren aus Gyps dorkommen, in der Theaterzeitung an, daß ſich derglei— chen Apotheoſen für ein Wirthshaus nicht geziemen, darüber lokt nun am darauf fol genden Abende der Wirth Herrn Wieſt unter einem Vorwande aus dem öffentlichen Saale in ſein Zimmer, ſperrt die Thüre ab, und mißhandelt ihn mittelſt einer Peitſche dergeſtalt, daß ſein Körper voll blauer Striemen und er mehrere Tage das Bett zu hüten. gezwungen iſt. Die Sache iſt vor dem magiſtratiſchen Jo— rum in ſchweren Polizeiübertretungen anhängig, wenn ſie nicht ſelbſt zum Kriminalgericht kommen dürfte.(Aus dem Korreſp. v. u. f. Deutſchl.). Prag. Hier trug ſich ein komi⸗ ſcher Fall mit einem Diebe vor, der in einem Luſtſpiel nicht übel figuri⸗ ren könnte. Ein Gauner ſtahl einem im Kaffe hauſe„zur Traube“ Billard⸗ ſpielenden den Mantel und ging mit ſeinem unrechten Gute in„den Tem⸗ pel“, um ſich mit Billardſpielen die Zeit zu zerſtreuen. Während der gute Mann ſpielte, hat ein anderer Indu⸗ ſtrieritter dieſen Mantel, den der Spie⸗ lende abgelegt, genommen und ſich auf den Weg„zur Traube“ gemacht. Dort angekommen, verließ der Eigenthümer des Mantels das Billard, ſuchte lſei⸗ nen Mantel und fand ihn, zu ſeinem
größten Erſtaunen, bei einem fremden Manne, der feſt und ſteif behauptet, er habe ihn mitgebracht. Nachdem ernſt⸗ liche Worte gewechſelt waren, bekannte der unglükliche Dieb, wie er zu die⸗ ſem Mantel gekommen. A.
Berlin. Das berühmte Re⸗ ſtaurationslokal(Jagor) iſt vor eini⸗ ger Zeit an einen thätigen Rheinläͤn⸗ der verpachtet worden; wie man ſagt, zählt er auf 10 Jahre lang jährlich 4000 Thaler Pacht, und 1000 Thaler für das Inventarium, woraus abzu⸗ nehmen iſt, was die Berliner ver⸗ ſchmauſen. D.
Nedigirt von der Redaktion des Spiegels.


