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ben. Eine Demoiſelle Bayan wagte darin als Prinzeſſin ihren erſten thea⸗ traliſchen Verſuch. Die köſtliche Arie der Prinzeſſin iſt zwar eine ſehr dank⸗ bare, aber um ihren zarten Wendungen mit Glük zu folgen und ihre brillan⸗ ten Nüancen ganz wirkungsvoll her— vorzuheben, bedarf es einer ausgebil⸗ deten Stimme, und eines gereiften Künſtlertalentes, ſonſt bleibt es ſehr ſchwierig, dieſe Aufgabe mit Ecfolg zu löſen. Unſere junge Anfängerin hat
offenbar Talent und ihre Mittel zei- gen ſich wohl noch in einer frühen Ju⸗
gend, aber nichtsdeſtoweniger kräftig und einer vollkommenen Ausbildung
fähig. Unter der Leitung unſers treff⸗
lichen Profeſſors des Geſanges, Hrn. Schwarzböck, ſteht der jungen Sänge⸗ rin nur Gedeihliches und Erfreuliches bevor. Bereits entwikelte ſie ſchon eine zwekmäßige Behandlung der Rouladen, und wenn auch Manches umſchlug, ſo war doch das Meiſte von einer Anfän— gerin erſprießlich. Das Publikum ließ es an ermunterndem Applaus nicht feh⸗ len.— Hr. Veer(Johann), Hr. Ober⸗ hoffer(Seneſchall) Demoiſ. Walter (Page) und Hr. Nötzer(Wirth) wa⸗ ren würdig auf ihren Poſten.— Am 11. März kam Grillparzers dramati— ſches Märchen in 4 Akten:„der Traum ein Leben“(als Venefize des Herrn Dietrich) zur erſten Aufführung. Die reiche Phantaſie des hochbegabten Dich— ters hat ſich in dieſem Werke, das be⸗ kanntlich in Wien ſchon vor einigen Jahren erſchien, vielleicht mehr als in irgend einem andern in üppiger Fülle entwikelt. Die Anlage des Märchens iſt eben ſo ſinnig erdacht, als die Durchführung eine erhabene Simpli— zität zur Schau trägt. Allerdings kann ihm nicht ſo wohl der Name dramatiſches, als dramatiſir⸗ tes Märchen zugetheilt werden; aber was ihm an Einheiten und Abgeſchloſ⸗
ſenheit gebricht, erſezte der Dichter durch andere manigſaltige Schönheiten, die ſo evident für die Klaſſizität des Werkes ſprechen, daß deren Beſtand un— vergänglich geſichert iſt. Namentlich ſehen wir die herrliche Diktion als eine Meiſterarbeit an. Der Dichter iſt in der Bildung des Trochäus ein— zig. Jeder Vers ſchwelgt im Wohl⸗ laut, jeder Phraſe prunkt in dem Schmuke einer ſchöpferiſchen Poeſie und die Säze bieten einen unüberſchwengli⸗ chen Ideen-Schaz. Zu dem kommt eine Konſequenz in der Haltung und Durchführung der Charaktere und eine faſt immer getroffene Berechnung des Effekts. Vei ſolchen Vorzügen wäre man wohl geneigt anzunehmen, daß ein günſtiger Eindruk des Ganzen ſich unfehlbar ergeben müſſe; allein die Auffaſſung der Rollen bietet den Schau— ſpielern manche Schwierigkeiten dar, vorzüglich mag ſich die originelle und ſchon darum etwas ungewöhnliche Ge—⸗ ſtaltung der Charaktere, die orkenta— liſche und fabelhafte Lokalität des Schauplazes ſchwer zu unſerm Ge⸗ wöhnlichen und Alltäglichen akklima⸗ tiſiren. Der Erfolg der Darſtell ung war daher im Ganzen nicht ſo günſtig, als man von der Trefflichkeit der Ar⸗ beit hätte erwarten ſollen, obwohl man die Mühe, die ſich unſere Schauſpie— ler gaben, nicht verkennen konnte. Wir nennen vorzüglich die H. H. Dietrich (Ruſtan), Poſinger(Zenga) u. Dem⸗ mer(König), die ſichtbaren Fleiß auf ihre Nollen verwendeten. Mad. Grill (Mirza) ſehen wir im Luſtſpiele recht gerne, wenn ſie ſich frei von Af— fektation hält; mit ihrer ernſten Muſe mögen wir uns nicht ſehr befreunden. Dem. Schmidt(Güllnare) ſpielte lobens⸗ werth. In der Arrangirung des Traumes kamen einige ſtörende Verſtöße vor.
J. M.


