Der Schmetterling.
Ein
Flugblatt zum Spiegel.
5.
Mittwoch, 15. Maͤrz.
1837.
Theater.
Peſth(14. März). Die vorige Woche gab's einige Novitäten. Albini
beſchenkte uns am 8. d. M. mit einem
vieraktigen Luſtſpiele:„Mir gelingt Alles!“ Ein kühner Titel, den ein Kritiker aus dem Munde des Verfaſ— ſers ſehr übel aufnehmen würde. Doch hier ruft dieſe drei Worte ein gewiſ— ſer Hr. Plettner aus, eine Art Poly— techniker, der alle Erfindungen des Zeitalters, von den größten Dimenſſo— nen bis zum kleinſten Volumen, auf dem beengten Landgute ſeiner Schwe— ſter etabliren möchte. Und ſo oft er bei dem Projekte eines Kanals, einer Eiſenbahn, einer Dampfmaſchine, ei— ner Feuerlöſchmaſchine de.„mir ge— lingt Alles!“ ruft, kann man ſicher ſein, daß es nicht nur nicht gelingt, ſondern, daß das größte Unheil und die verzweifeltſte Wirthſchaft daraus entſteht. Alſo eine Satyre auf das fortſchreitende Streben des Zeitalters! Wenn doch nur auch Diejenigen, die ſich mit Erfindungen von Luſtſpielſtof— ſen abgeben, mit gutem Gewiſſen:„mir gelingt Alles!“ ausrufen könnten! Aber hier bietet die Handlung nicht das Mindeſte dar, was auf Erfindung Anſpruch machen könnte, auch die Cha⸗ raktere ſind verbraucht und der Olalog geht über Stok und Stein. Zlos ei-
nige Situationen ſind komiſch und ba— durch wirkungsvoll, ſo daß ſie dem Stüke einige Theilnahme verſchafften. Die Darſtellung war von Seite der Mad. Deny(Vanquierswittwe) und des Hrn. Berg(Plettner) trefflich, übri— gens mehr oder weniger mittelmäßig. — Am 9. ſpielte wieder Vieuxtemps im Theater und verurſachte wieder ein übervolles Haus. Er ſpielte Variatio⸗ nen über ein Schubert'ſches Thema von Pechaſchek und Variationen über unga— riſche Nationalgeſänge für Violine und Piano, eigends für Peſth komponirt und vorgetragen vom Hrn. Kapellmei— ſter Erkel und Hrn. Vieuxtemps. Wir enthalten uns aller fernern Bemerkun— gen über das Spiel des Hrn. Vieux⸗ temps, da das Meiſterhafte deſſelben ſchon hinlänglich erörtert wurde; das Publikum nahm es mit Enthuſiasmus auf. Die leztere ſehr werthvolle Kom— poſition iſt, wie wir in Erfahrung brachten, zum größten Theile das Werk unſers trefflichen Kapellmei— ſters Hrn. Erkel. Es iſt Leben und Phantaſie darin und das Publikum ſchenkte Kompoſition u. Spiel die ekla— tanteſte Theilnahme. Zwiſchen beiden Muſikſtüken ſangen die Hrn. Oberhoffer und Kaler das herrliche Duett aus den „Puritanern“ v9. Bellini mit gewohn— ter Virtuoſität.— Vor dem Konzerte ward der erſte Akt der unverwüſtli— chen Oper„Johann von Paris“ gege⸗


