—ͤ
———
———AÄ—·
Eines der gemeinsten und nuͤtzlichsten Acker⸗ geräthe ist die Krauthacke. Sie zu erfinden er⸗ forderte kein Genie. Aber zu verwundern ist es denn doch, daß sich Niemand die Muͤhe nahm, sie zu vervollkommnen. Ein Blick darauf laͤßt erken⸗ nen, daß, wie sie jetzt ist, ein Theil der Kraft verlohren geht, welche der Arbeiter, der sie fuͤhrt, anwendet. Die Schaufel ist so an den Stiel befe⸗ stigt, daß der Schwerpunkt aus dem Zuge kommt und Luft gehackt wird. Wenn das zu lockernde Erdreich hart und fest ist, mag die Spitze noͤthig sein, um einzudringen, aber beim lockern Boden sich einer scharf zugespitzten zu bedienen, ist wahr⸗ haftig nicht zweckmäßig und foͤrderlich, weil dieser Form wegen die Hiebe dicht neben einander ge— than werden muͤssen, um das Erdreich in gleicher Tiefe aufzulockern.
Ehe wir mit der amerikanischen Hol zaxt bekannt wurden, blieb unsere Axt in ihrer urspruͤng— lichen Form, bei der mindestens ein Drittheil der angewandten Kraft ohne Zweck verloren geht.
Das Spargelmesser, welches sich die Kohl— gaͤrtner bei Leipzig zur leichtern, schnellern und passenden Arbeit bedienen, kam vor 20 Jahren zur offentlichen Kenntniß. Aber man scheint darauf nicht geachtet zu haben.
So nuͤtzlich und noͤthig es ist die Ackerdistel beim Jaͤten mit der Wurzel auszuheben, weil so nur ihre Vertilgung erfolgt, so hoͤrt man kein Woͤrtchen vom Gebrauche des zweckmaͤßigen Distel⸗ messers.
Allgemein wuͤuscht man foͤrderliche Vollendung der Ernte. Man raͤumt auch wohl ein, daß zweck— mäßige Werkzeuge dabei gute Dienste thun; aber wie selten ist die Rede von ihren wahren Beschaf⸗ fenheit. Pruͤste man sie nach ihrer Form und nach der von ihr abhaͤngenden Zweckmaͤßigkeit? Wenn es so viele Arten gibt, die in gewisser Beziehung von einander abweichen, so wagt man wohl nichts, zu glauben, daß auch hier die Gewohnheit ihrer Beibehaltung guͤnstiger ist, als das Nesultat ab⸗ sichtlicher Pruͤfung. Man scheint offenbar zu glau⸗
ben, daß das, was ein Mal da ist, auch das. Vorzuͤglichere sei.
Ich schließe diesen Aufsatz mit dem Wunsche, doß es mir gelungen sein moͤge, die Aufmerksamkeit auf einen sehr wichtigen Gegenstand des landwirth⸗ schaftlichen Gewerbes gelenkt zu haben. Es ist ja unser Aller Wunsch, durch Vervollkommnung fort⸗ währen neue Vortheile zu erringen. Diese sind aber nur durch Verbesserung moͤglich, und stellen sich nur ein, wenn wir sie auch bei geringfuͤgig scheinenden Dingen anzubringen suchen. Es ist ein Fehler, wenn wir auf diese nicht achten, sondern
allein auf das Große Verstand, Zeit und Kosten
verwenden. Das viele Kleine macht ja auch eine verhaͤltnißmaͤßige große Summe. Eine withschaft⸗ liche Wahrheit, die kein Wirth aus dem Auge ver⸗ liehren sollte.
Moͤgen die Kunstlos niedergeschriebenen und aus guter Meinung gegebenen Gedanken die Ansicht ins Licht stellen, daß noch so Manches seine moͤg⸗
lichste Vollkommenheit zur Stunde noch nicht er⸗
reicht habe, sondern unsere Aufmerksamkeit und Kenntnisse fortwaͤhrend in Anspruch nehmen muß. Die Grundwissenschaften haben sich in neuerer Zeit helfend der Landwirthschaft zugewendet, und so die Pruͤfung des Aeltern und die Verbesserung erleich— tert. Wir muͤssen aber auch Gebrauch davon ma⸗ chen, sonst sind sie fuͤr uns so gut wie nicht da. Daß zunaͤchst viel nachzuholen ist, davon legt das Vorstehende Zeugniß ab.
Und hat sich nicht bei unserm Gewerbe jetzt ein Verhaͤltniß eingestellt, das uns dringt, wohl⸗ feiler zu wirthschaften? Was uun aber durch schnel— lere Arbeit erspart wird, dient zur Vermehrung der Einnahme. Kann man ohne sonderliche Kosten da— zu kommen, so ist das ein absonderlicher Gewinn und hoch zu achten. Der Verkauf der Produkte gewahrt keine Ueberschußkapitalie, um kostspielige Anlagen zu machen, er deckt oftmals kaum die Pro⸗ duktionskosten. Den hoͤhern Preis vermoͤgen wir nicht zu erzwingen, aber wohlfeiler zu wirthschaften, liegt in unsern Haͤnden.
Druck und Verlag der G. D. Brühl'schen Buch⸗ und Steindruckerei.


