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und man muß, will man den Nachtheil oder Vor⸗ theil wuͤrdigen, auf eine laͤngere Zeit berechnen. Man wird sich wundern, wenn nicht gar erstaunen. Ein guter, mohl konstruirter Pflug erfordert gegen einen unvollkommnern vielleicht die Haͤlfte, mindestens ein Drittheil weniger Zugkraft, geht steter, sicherer und erfordert seltener Nachhilfe. Leichterer Zug verstattet schnellern Gang, mithin in derselben Zeit mehr Umgaͤnge— also Zeitgewinn durch Kraftersparniß. Der Pfluͤger hat leichtere Arbeit, wird nicht durch Nachhelfen aufgehalten, geregelter Gang foͤrdert und laͤßt gute Arbeit zu⸗ ruck. Neuer Gewinn.— Kurz, man wagt nicht, wenn man annimmt, daß schon durch den Gebrauch eines zweckmaͤßigen Pfluges vielleicht das 4., wenn nicht das. 3. Paar Pferde erspart werden kann. Und doch sieht man einem schweren Pfluge, den 2 Pferde ziehen, den leichtesten, lockersten Boden pfluͤgen. Ein fuͤr die Beschaffenheit des Bodens und den Zweck des Pfluͤgens passender Pflug wuͤrde nur die Zugkraft eines Pferdes fordern, und so die gleich bezweckte Arbeit mindestens um den drit⸗ ten Theil foͤrdern.— Offenbar fehlen wir, wenn wir mit demselben Pfluge die Saatfurche pfluͤgen, der zum Aufbrechen der Brache passend ist. Fuͤr⸗ derliche Ackerarbeit hat uͤberdieß noch manchen andern wirthschaftlichen Gewinn zur Folge—, sie verstattet die gelegenste Zeit dazu zu wählen, z. B. die Saat in wenig Tagen zu vollenden, zu der man sonst eine viel laͤngere noͤthig hat. Es ist schon viel gewonnen, wenn sie zur rechten Zeit geschehen kann. Die Witterung kann unguͤnstig werden, und die Bestellung zum groͤßten Nachtheil Wochen lang aufhalten. Bringt man die Saat mit dem Extir⸗ pator in die Erde, so bestellt man mit 1 Paar Pferden in einem Tage leichtlich 5 bis 6 Aecker, wird also mindestens in einem Tage so viel bestel⸗ len, als man durch Pflug und Egge in 4 bis 5 Tagen vermag. In vielen, vielleicht den meisten Fällen wird die Bestellung durch den Extirpator vor dem Pfluge in Hinsicht der Zwaͤckmaͤßigkeit den Vorzug behaupten. Sieht man, daß fast jede Gegend eine eigene Art Pflug hat, und findet, daß Boden und Zweck sich uͤberall gleich bleiben, d. h. anderwaͤrts bis aufs

Haar so sind, so kann man doch wahrlich nicht die Behauptung wollen, daß sie alle vollkommen sind, vielmehr faͤllt uns bei jedem, nur bei einem mehr, als beim andern, der Zweifel uͤber seine Vollkom— menheit bei. Nur die Gewoͤhnung hat jeder die Beibehaltung gesichert, wohl nicht die verstaͤndige Prufung. Man weiß ja, was diese vermag, beson⸗ ders bei Menschen, die gegen das Nachdenken einen wahren Abscheu haben. Ihnen ist das Hergebrachte das Vollkommenste, und das Neue ein Greuel. Ge⸗ wiß haben Viele in ihrem ganzen Leben nicht den Einfall gehabt, zu fragen: ob ihre taͤglichen Ar“ beitsgeraͤthe nicht besser sein konnten?

So haben sich viele, ja die allergemeinsten Werkzeuge bei ganzen Voͤlkern von einer Genera⸗ tion zur andern erhalten, und was am auffallend⸗ sten ist, neben besseren in der Nachbarschaft— ohne daß man dafür etwas Vorzuͤgliches findet, und sich dafür bestimmte. Dies ist die Macht der Gewohnheit.

Wo man nun aber das Bessere nicht sucht, und, wenn man es trifft, nicht achtet, da bleibt Alles beim Alten. Es unterbleibt selbst die leich⸗ teste Nachhilfe, die man von dem einen Werkzeuge auf das andere uͤbertragen koͤnnte. Taͤglich ent⸗ wickelt die Mathematik neue Wahrheiten, und zeich⸗ net der Mechanik neue nuͤtzliche Wege vor, aber wie selten entnimmt man daraus Etwas fuͤr die Ackergeraͤthe? Und welche Geraͤthe in den Gewer—⸗ ben sind wichtiger, als die des Ackerbaues? Sie zu verbessern, um durch sie leichter zum Zwecke zu kommen, sollte allgemeines Bestreben, die bleibende Aufgabe fuͤr Alle sein. Die Erfinder, Verbesserer und Einfuͤhrer derselben, sollten, wie bei den al— ten Aegyptern, besonders in Ehren gehalten wer—

den. In der Gegend, in welcher diese Gedanken

niedergeschrieben wurden, fuͤhrt man einen Pflug, der an sich elender ist, als man irgendwo einen noch schlechtern findet.

Dasselbe gilt auch vom Haken und der Egge. Man meint sogar an ihm etwas Vorzuͤgliches zu haben. Und so ist ein harter Schlagbaum gegen das gepruͤste Bessere noch auf lange Jahre vorge— zogen. Es fällt Niemanden ein, in muͤßiger Stunde eine Pruͤfung anzustellen.