Ausgabe 
31.8.1853
 
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Thereſe Aubert. Wahrheit und Dichtung in Form einer Memoiren⸗Novelle.

Von Charles Nodier. (Fortſetzung.)

Theure Thereſe! rief ich aus,wie ungerecht biſt Du, und wie wenig würdeſt Du mich im Verdachte haben, daß ich Dir dieſen Adolph vorziehen möchte, deſſen Name mir entwiſcht iſt, wenn ich Dich mit ihm bekannt machte! Was ſage ich! mußt Du ihn nicht am Ende kennen ler⸗ nen, damit Du ihn um ſeiner ſelbſt willen liebſt/ damit Du ihm wenigſtens verzeiheſt, ſo lange ſtatt eines Andern geliebt worden zu ſein!Es liegt hierin etwas, er⸗ widerte Thereſe,was ich nicht verſtehe, etwas das, ich weiß nicht warum, mich befremdet und erſchreckt. Laſſe mich nicht in dieſer Ungewißheit; denn ſie iſt viel pein⸗ licher, als wirklicher Kummer.Thereſe, Du weißt nicht, daß mein Glück von einem einzigen Worte abhängt! Ich kann Alles verlieren oder Alles gewinnen, denn mein ganzes Leben liegt in Deiner Liebe, die Du mir viel⸗ leicht entziehen wirſt; übrigens bin ich es meinem Gewiſſen ſchuldig, dieſes Wort auszuſprechen, welches unwiderruflich über mein... über Dein Schickſal ent⸗ ſcheiden wird, und wenn ich auch wegen Deines Zornes oder Deiner Gleichgültigkeit ſterben ſollte, ſo ſterbe ich doch wenigſtens Deiner Achtung würdig.Sprich es aus.Ich bin nicht Antonie, ſondern Adolph! flüſterte ich, fiel ihr zu Füßen, und ergriff ihre Hände, die ſie mir aber entzog; ſie ſtieß einen lauten Schrei aus und entfloh.

Ich brauche wohl nicht zu ſagen, daß dieſes Ge⸗ ſtändniß mit einem Male unſer ganzes Verhältniß änderte; von dieſem Augenblicke an betrachtete mich Thereſe nicht anders als mit ſcheuen Blicken, wie wenn ſie bange hätte, einen Feind in mir zu finden, und als ob ſie den Ge⸗ fühlen mißtraute, die ich ihr einflößen könnte. Der ſo naive und vertraute Ausdruck ihrer Züge war ernſt und finſter geworden. Häufig, wenn meine Augen den ihrigen begegneten, und dieſe ſo zu ſagen durch die Gewalt, welche eine heftige Liebe auf die Perſon ausübt, welche ſie ein⸗ flößt, nöthigten, auf mir haften zu bleiben, erweckte die Wolke des Schmerzens, welche ſie umſchleierte, eine Art von Bedauern und Bangigkeit in mir. Zwar machte es mich glücklich, ihr Leben zu beſchäftigen, und ſogar in ihrem Herzen eine annähernde Idee von den Stürmen, welche in meinem Herzen tobten, zu erwecken; aber der Gedanke, daß es für ſie ein Unglück ſein könnte, mich zu lieben, brach mir manchmal faſt das Herz, welches The⸗ reſens Kummer nicht zu widerſtehen vermochte; die Ge⸗ fahren, die ich ſchon beſtanden, hatten mir nie ſo viele Unruhe bereitet, als mein Glück. Ich wünſchte wohl, daß Thereſe bewegt würde, und doch zitterte ich vor dem Gedanken, daß ſie leiden könnte. Ich vermied daher ſorg fältig, oder glaubte wenigſtens Alles zu vermeiden, was ſie an unſere gegenſeitige Stellung und an das, was ich ihr von meiner Liebe geſagt hatte, erinnern konnte. Ich

brannte vor Ungeduld, mit ihr allein zu ſein, und wünſchte

mir doch jedesmal Glück, wenn eine dritte Perſon auf unſeren Spaziergängen und bei unſeren Geſprächen zu⸗ gegen war; und ſobald dieſe Perſon dann da war, wünſchte ich wieder, daß ſie ſich entfernen möchte, obgleich ich feſt entſchloſſen war, Thereſen nichts zu ſagen, und ihre Ruhe zu ſchonen. Wenn wir allein blieben, vermehrte ſich noch ihre Zurückhaltung, und ſie hielt ſich behutſam entfernt, um ja in keine Berührung mit mir zu kommen; auch paſſirte ihr dieß nur aus Verſehen, in Augenblicken der Zerſtreuung, oder bei einer unwillkürlichen Bewegung, die

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ſie machte. rück, und ihre Miene wurde noch nachdenklicher. gegen, der nur auf dieſe Zufälligkeiten rechnete, welche ſelten genug vorkamen, gab mir alle Mühe, ſie öfter her⸗ beizuführen, weil ſie mein einziges Glück ausmachten. Mit welcher Aufmerkſamkeit belauſchte ich in ihren Augen jede ihrer Abſichten, um jeder ihrer Bewegungen zuvorzu⸗ kommen, ſie zu überraſchen, und dadurch eine glückliche Ungeſchicklichkeit herbeizuführen, welche meine Hand mit der ihren, meinen fer mit ihrem Fuße, meinen Mund mit ihrem Halſe oder ihrer Schulter in Berührung zu bringen! Wie oft habe ich, unter dem Vorwande, ihr eine Blume ihres Gartens zu überreichen, oder um ihre Arbeit aufzu⸗ heben, welche ſie hatte fallen laſſen, bei der Berührung ihrer zitternden Hand gebebt, deren leichte Berührung in

Dann zog ſie ſich aber ſtets noch weiter zu⸗

allen meinen Adern das Gefühl einer unausſprechlichen

Luſt erweckte! Zwiſchen ihrem Zimmer und dem ihrer Großmutter lag ein ſchmaler Gang, den ſie alle Augen⸗ blicke paſſirte und in dem ich mich jedesmal aufhielt, ſo oft ich hoffen konnte, daß ſie kommen werde, weil ſo wenig Raum für zwei Perſonen da war, daß ſie unmög⸗ lich vorbei konnte, ohne mich zu berühren; und während ſie ſich näherte, ſammelte ich innerliche Kraft, um die Wonne dieſer raſchen und köſtlichen Berührung ertragen zu können. Dieſer Zufall erſchien mir als eine Gunſt, weil ich mir einbildete, daß ſie ihn vermeiden oder einen andern Weg einſchlagen könnte, und weil es mir nicht möglich ſchien, daß eine ſolche Bewegung ſich nicht auch ein wenig der Perſon mittheile, die ſie hervorbrachte. Ich kam zu einer Art von Gewißheit, daß ein weibliches Weſen, von dem man gehaßt wäre, keinen ſolchen Ein⸗ druck auf den Mann machen könne, den ſie im Vorbei⸗ gehen berühre, ſo heftig er ſie auch lieben möchte, oder daß ſie wenigſtens nicht der Art an ihm vorüberſtreife. Auch bemerkte ich, daß ihre Stimme nicht mehr dieſelbe war, wenn ſie mit mir ſprach, und war ſo ſehr überzeugt, daß die Liebe, welche ſo viele Geheimniſſe beſitzt, auch einen Ton, eine Melodie beſitze, die ihr eigen ſind, ſo daß, wenn ſie das Wort an mich richtete, um mir die gleichgültigſten Dinge zu ſagen, ich vor Freude bebte, als wenn dieſe Dinge einen völlig andern Sinn hätten, als ſie hineinlegte, als wenn ich mich mit ihr uber einen Schlüſſel verſtaͤndigt hätte, der mir das Räthſel ihrer Sprache löste. Dieſer Zuſtand war ſo unnatürlich, dieſes Geheimniß ſo leicht zu durchdringen, daß meine Verklei⸗ dung nicht einmal mehr mich beruhigte, und daß die Be⸗ weiſe ihrer Freundſchaft, welche Antonien galten, mir eben ſo viele Unruhe machten, als wenn ſie an Adolph gerichtet geweſen wären. Uebrigens erweckten ſie ſogar auch meine Eiferſucht, und ihre Zuvorkommenheit in Ge⸗ genwart Anderer quälte mich nicht weniger, als ihre Kälte, wenn wir allein waren. Ich fühlte das Bedürfniß, entweder weniger oder mehr geliebt zu werden. Meine Stellung war eine durchaus falſche; ich war für Thereſe Adolph, wenn man uns ſah, weil ſie dann keine Gefahr darin erblickte, mich ſehen zu laſſen, was ſie empfinde; wenn wir uns aber wieder unter uns befanden, war ich es nicht mehr. Dieſer Gedanke war ſo peinlich, daß zu Zei⸗ ten, wenn er mich ſo recht drückte, ich faſt eine völlige Gleichgültigkeit vorgezogen hätte; häufiger aber zog ich doch vor zu dulden.

Unter allen Orten, an denen ich meinen Kummer zu verbergen liebte, war mir keiner lieber, als Thereſens Garten, und in dieſem Garten der Felsblock, auf dem ſie geſeſſen hatte, als ich ihr das Geſtändniß abgelegt hatte, welches ſie von mir entfernte. Sobald ſie dieſes bemerkt hatte, kam ſie weit ſeltener dahin, aus Furcht mir daſelbſt

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