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den und Fallenden, durch die Verwünſchungen der Ver⸗ ſtümmelten grell unterbrochen. Er kletterte über die erſte erſtürmte und zerſtörte Barrikade weg. Heftig wüthete das Gefecht oder eher die Belagerung: links, rechts aus allen Fenſtern der Vorſtadt blitzten Flintenläufe, ſelten nur war daneben eines der wilden, in Verzweiflung gleich⸗ gültigen Geſichter der Empörer zu erblicken, um ſo häu⸗ ſiger aber krachten die Schüſſe von überall her aus den ſichern Verſtecken auf die ſchutzlos ſtehenden Stürmenden. Der alte Soldat, der die blutigſten Schlachten furchtlos mitgeſchlagen, ſtutzte über dieſe Kampfesart, bei der die kühnſte Tapferkeit nutzlos verblutete. Vor ihm thürmte ſich eine zweite Barrikade, Nationaltruppen, Mobilgarden und Linien waren bemüht, dieſelbe zu erklettern, die Ar⸗ tillerie raſtete, ſie hatte ſoeben eine Breſche geſchoſſen. Oben auf der Spitze ſtanden verwegene Geſtalten, die mit Flinten, Säbeln, Piſtolen und Mordinſtrumenten aller Art den furchtbaren Wall vertheidigten, gegen den mit gleicher Unerſchrockenheit die Truppen anſtürmten. Es war ein gräßliches Ringen der Verzweiflung mit der To⸗ desverachtung. Knaben klimmten neben bärtigen ſonnen⸗ verbrannten Kriegern wetteifernd in die Höhe hinan und es war ſchwer, den Tapferſten zu bezeichnen. Da kracht es, wie auf ein Zeichen, aus all den Fenſtern und die rüſtig Andringenden liegen als Leichen auf den Steinen und dem Getrümmer der Barrikade. Unwillkürlicher Schreck erfaßt die Nachdrängenden, ſie ziehn den Fuß zurück, auf den die blutigen Leiber ihrer getroffenen Brüder zurück⸗— taumeln. Von den Todfeinden der menſchlichen Geſell— ſchaft jenſeits gellt ein gräßliches Höllengeſchrei herüber, ein Jubel, wie er nur der Verzweiflung möglich iſt; hier Entmuthigung, Stilleſtehen, Weichen! Das Allerſchreck⸗ lichſte, der Sieg der verruchteſten Anarchie, ſcheint einen Augenblick möglich, dieſer Gedanke ſpricht ſich in den hohlen Geſichtern der Wankenden aus. Da drängt, im peinlichſten Moment der Unentſchiedenheit, ein junger Offizier der Linie voran, mit gezogenem Säbel ruft er die Seinigen zu erneutem Sturm, er ſelber iſt der Erſte, der die blutgedüngte Barrikade erklimmt und geraden Wegs auf die rothe Fahne loseilt, die, einer dürſtenden Tiger⸗ zunge gleich, aus dem ſich verziehenden Pulverdampf wie aus einem gähnenden Rachen hervorlechzt. Jetzt iſt er
ſchon oben, eine Anzahl Tapferer iſt ihm nachgedrungen, ſchon ſtreckt er die Hand nach dem Banner des Aufruhrs aus, als ihn ein rieſiger ſchwarzbärtiger Geſelle, der die Fahne vertheidigt, gewaltſam zurückſtößt. Der Offizier gleitet auf dem Trummerhaufen, er fällt, über ſeinem Haupte ſieht er einen Kolben geſchwungen, er iſt ver⸗
loren, da kracht es ihm zur Seite hart am Ohr vorbei,
ein Blitz flammt ihm in's Auge und ſein furchtbarer Gegner ſtürzt fluchend rücklings über die Barrikade hinunter, die Fahne mit ſich reißend. Von überall her pfeifen Flinten⸗ kugeln, der Offizier aber muß ſich gleichwohl auf einen Augenblick im heißeſten Gedränge nach ſeinem Retter um⸗ ſehen. Ein alter Krieger mit dem Ehrenkreuz ſteht noch in ſchulgerechtem Anſchlag hinter ihm, es iſt Frangois Lembert, der ihm der Exſte nachgefolgt und den rechten Moment zur Rettung des Tapfern beſonnen benützt hat. Ueberraſcht ſtutzt der Gerettete einen Augenblick, aber weder zu Dank noch Begrüßung iſt es jetzt Zeit, wie von neuer Kampfesluſt belebt erhebt er ſich, ruft:„vorwärts!“ und ſpringt in gewaltigem Sprunge über die Barrikade hinunter auf die feindliche Seite. Dieß Beiſpiel wirkte elektriſch auf Alle; hier, dort kletterten, ſprangen, Dieſer ſchneller, Jener vorſichtiger und langſamer, Mobilgarden, Nationalgarden und Linienſoldaten auf den jenſeitigen Theil der Straße hinunter. Nun ſtutzen ihrerſeits die Empörer, ein heftiger kurzer Kampf entſpinnt ſich, die Truppen aber mehren ſich, die Barrikade wird durch⸗ brochen, weggeräumt und ihre Vertheidiger verfallen der Wuth der Stürmenden, wenige fliehen, nur Einzelne wer— den zu Gefangenen gemacht. Fortwährend iſt der tapfre Offizier vorne, François ſteht, ficht, beinahe immer der Nächſte hinter oder neben ihm, er iſt ganz Soldat, vor⸗ ſchriftsmäßig ladet er, legt an, zielt und ſchießt los, mit der größten Kaltblütigkeit, als ſtände er auf dem Exer⸗ cierplatze. Nur zuweilen entfährt ſeinem verſchloſſenen Munde ein Ausruf, ein Ton, der ſeine wachſende Zufrie⸗ denheit mit dem Muthe, dem Kampfeseifer ſeiner Genoſſen bezeugt; ſeine Bereitwilligkeit, womit er den Anordnungen des Offiziers freiwillig entſpricht, verräth außerdem noch ſtillſchweigend ſein Vertrauen in die militäriſchen Kenntniſſe deſſelben. f
(Fortſetzung folgt.)
Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden.
rr Edictalla dung.
(982) Anſprüche jeder Art an das Vermögen des Salomon Hammel in Oberrosbach, über welchen Concurs erkannt worden, ſind Mittwoch den 10. Auguſt, Morgens 8 Uhr, bei Vermeidung des ſtillſchweigend erfolgenden Ausſchluſſes dahier anzuzeigen und zu begründen.
Friedberg den 9. Juni 1853. Großh. Hefſ. Landgericht Hof mann. Dr. Irle.
Edietalla dung.
(9310 Franz Georg Küſtrams Wittwe, Maria Katharina, geb. Scheer aus Friedberg, iſt am 15. Januar d. J. dahier kinderlos verſtorben und ihr in Amerika wohnender Bruder Hart⸗ mann Scheer als geſetzlicher Erbe bezeichnet worden. Da Friedrich Georg Kordes dahier
den geringen Nachlaß für Auslagen und aus einem Schenkungsvertrage in Anſpruch nimmt, ſo wird der vorgenannte Hartmann Scheer resp. deſſen Kinder, oder wer ſonſt Erb⸗ und andere Anſprüche an den Nachlaß zu haden glaubt, aufgefordert, dieſe binnen drei Monaten dahier
geltend zu machen, gegenfalls der Nachlaß dem Friedrich Georg Kordes überwieſen werden wird. Friedberg den 5. Juni 1853. Großh. Heſſ. Landgericht Hofmann. Dr. Irle.
Oeffentliche Ladung.
(986) Konrad Roth von Florſtadt, geboren am 15. Juni 1783, deſſen Aufenthaltsort un⸗
bekannt iſt, wird hiermit aufgefordert, fich bin⸗ nen 3 Monaten von heute an bei dem unter⸗ zeichneten Gerichte zu melden, widrigenfalls er für verſchollen erklärt und ſein Vermögen den als Erben aufgetretenen Perſonen überantwortet werden würde. Friedberg am 20. Juni 1853. Großherzogl. Landgericht Hofmann.
Braunkohlen⸗Verkauf.&
(893) Auf dem Gr. Dorheimer Braunkohlenbergwerk können nunmehr trockene Braunkohlen⸗ klötze von Reihen aus der diesjährigen Förmerei, auch fortwährend Klötze von Haufen und Schoppen, ſowie ſog. Holzkohlen bezogen werden. Die Preiſe der Klötze ſind 11 Kreuzer für den Centner für die von Reihen und Haufen, 12 Kreuzer für die aus den Schoppen, wobei 14 Klötze
für 1 Centner gerechnet werden.
Die ſog. Holzkohlen koſten 14 Kreuzer der gemeſſene Centner.
Gegen vorſchriftsmäßige Bürgſchaft wird für die bis Ende September d. J. bezogenen Braunkohlen, jedoch nur bei Abnahme von mehr wie 25 Centner Credit zur Zahlung bis Ende
Dezember d. J. gegeben.
Denjenigen indeſſen, welche noch Zahlungen für Braunkohlen aus einer
früheren Creditperiode an die Gr. Bergkaſſe zu Friedberg zu leiſten haben, kann, bevor ſie ihre Schuldigkeit berichtigt haben, kein weiterer Credit gegeben werden.
Beſonders zu bemerken iſt noch, daß ſämmtliche Geſchirre, welche von dem Gr. Dorheimer Braunkohlenbergwerk Kohlen abholen, bei der Kurfürſtl. Chauſſeegelderhebungsſtätte Nauheim und beladen auch auf allen Gr. Heſſ. Chauſſeen von Entrichtung des Chauſſeegeldes befreit find.
Dorheimer Bergwerk den 13. Juni 1853.
Das Gr. Heſſ. Bergamt Dorheim ag 5 Gr. Bergmeiſter.
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