Ausgabe 
29.6.1853
 
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Jntelligenz-Blatt

fuͤr die

Provinz Oberheſſen im Allgemeinen,

den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

M 30.

Mittwoch den 29. Juni

1853.

Amtlicher Theil.

Das Großherzoglich Heſſiſche Kreisamt Friedberg

an die Gr. Bürgermeiſter des Kreiſes. Betreffend: Die Abnahme des Verfaſſungseides.

Dienſtag den 5. Juli d. J., Vormittags 10 Uhr, findet die Abnahme des Verfaſſungseides von den jungen Ortsbürgern auf dahieſigem Rathhauſe ſtatt. für die ordnungsmäßige Vorladung der jungen Ortsbürger und Einſendung einer Vorladungsbeſcheinigung, jedoch vor dem Termin, ſorgen.

Friedberg den 23. Juni 1853.

de Beauclair, Kreisaſſeſſor.

Der alte Sergeant. Von Dr. Th. Meyer.

(Fortſetzung.)

Den erſten Tag hielt ſich Francois ſtill und theil nahmlos zu Hauſe; war ihm doch gleichgiltig, wer Herr ſei; er hatte ja doch zu Keinem Vertrauen, nur um Na⸗ men, meinte er, handle ſich's, um Namen, die alle zu⸗ ſammen nicht dem einen Namen, den er mit faſt religiöſer Verehrung nannte, von ferne vergleichbar waren. Mögen ſie ſich die Köpfe blutig ſchlagen, die Thoren, herrſchen kann ja doch Keiner von ihnen, ihre Kraft hält nicht län⸗ ger aus, als um eine Höhe zu erklimmen, dann erfaßt ſie Schwindel und ſie ſtürzen wieder in den Staub; Keiner von Allen könnte ohne zu ſchauern auf der Vendömeſäule ſtehen! Als aber der Kampf am zweiten Tage noch fortdauerte, ja heftiger ward, als die ſchauerlichen Ver⸗ kündigungen, die Drohungen, die frechen Forderungen der Aufrührer bekannt wurden, zugleich eine fürchterliche Or⸗ ganiſation unter ihren Schaaren ſich kundgab, als die blutrothen Fahnen auf den Barrikaden mit den Inſchriften Brod oder Tod!,Plünderung und Mordbrand!, in die gräßliche Hölle ſchauen ließen, die unter den Flammen des Aufruhrs kochte und Allem, was Ordnung, Geſellſchaft hieß, rückſichtsloſe Vernichtung ankündeten, da erkannte auch Frangois, daß es ſich nicht mehr um die Anſprüche,

Sie werden

den Ehrgeiz Einzelner handle, daß ein Größeres in Frage ſtehe, dem auch er, mit all ſeiner Geringſchätzung der Kämpfe der Neuzeit ſich nicht entziehen durfte. Aus ſeines Hauſes Allerheiligſtem langte er die alte treue Muskete herunter, die ſo oft zum Ruhm und Schutz des großen Kaiſers gekracht und unterſuchte ſorgfältig das Schloß daran. Durch alle Nerven ſchien's ihm zu zucken, als er den Hahn ſpannte; ein eignes Feuer blitzte tief aus ſeinen Augen, da ihm das blanke Metall des Laufes entgegen lachte, ſeine Geſtalt ſchien größer, ſtraffer, kräftiger zu werden, während er den Ladſtock herauszog und prüfend in die Röhre gleiten ließ. Er gab mit wenig Worten Marie ſeinen Entſchluß kund und hieß ſie ruhig zu Hauſe bleiben. Das Mädchen ſah zwar mit bangen Blicken den greiſen Vater von hinnen ziehen, doch war ſie, wie der Alte es nannte, zu wohl an Subordination gewöhnt und kannte des Vaters unbeugſame Entſchlüſſe zu genau, als daß ſie durch Bitten oder Klagen den Abſchied ſich und ihm unnöthig verkümmert hätte. Der Veteran, mit ſeinem Ehrenkreuz vorn auf der breiten Bruſt, eilte durch die Straßen, dem Orte der Gefahr zu; er hatte nicht darnach zu ſuchen. Er war nicht allein, jeder gute Bürger eilte, wie er, dem Verderben, gleichgiltig für das eigene Leben, entgegen, gewaltſam hingeriſſen von der Gefahr, die dem Ganzen, ja einer geheiligten Weltanſchauung und Welt einrichtung drohte. Männer, Greiſe, Weiber und Kinder, ohne alles Anſehen der Perſon des Standes, drängten ſich mit begeiſterter Todesverachtung, mit dem Siegesmuth der Märtyrer, die mörderiſchen Barrikaden zu erſtürmen. Mißtrauiſch in die getroffenen Vertheidigungsanſtalten, wie der alte Napoleoniſt von vornherein war, ſobald er nur einigermaßen den Umfang des Aufruhrs inne geworden, mußte er doch bald geſtehen, daß er ſich geirrt: eine raſche kräftige Hand ließ ſich in allen Anordnungen er kennen, ein eiſerner Wille, den gefaßten Entſchluß in vollſtem Umfange durchzuführen, ſowie ein ſeltener Feld herrnblick, der gleich die Abſicht, die Pläne der Feinde durchſchaute, erzwang dem Veteranen eine Achtung und ein Vertrauen, das er ſchon lange keinem Lebenden mehr zu zollen gewohnt war. Sein Weg hatte ihn nach der Vor⸗ ſtadt St. Antoine geführt, einem der Hauptherde des Auf ruhrs: der laute Kanonendonner, die häufigen, ununter⸗ brochenen Gewehrſalven hatten ihn hierher gelockt. Schon von ferne drang ihm aus der langen Straße, hinter den düſtern wüſten Barrikaden hervor, die ſich halbe Häuſer hoch thürmten, ein dumpfes Getöſe entgegen, nur theil weiſe durch die Schüſſe, durch das Geſchrei der Kämpfen