Ausgabe 
12.10.1853
 
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enz-Blatt

fuͤr die

Provinz Oberheſſen

im Allgemeinen, den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke

im Beſonderen.

Mittwoch den

12. Oktober 1853.

Amtlicher Theil.

Das Großherzoglich Heſſiſche Kreisamt Friedberg an die Ortsſchulvorſtände des Kreiſes.

Von dem landwirthſchaftlichen Bezirks-Verein des Krei ſes Friedberg ſind für brave fleißige, ſich für die Landwirth ſchaft intereſſirende Schüler, von denen zu erwarten ſteht, daß ſie auch nach der Entlaſſung aus der Schule ſich mit Erfolg der Landwirthſchaft widmen, Prämien, beſtehend aus Büchern über die Landwirthſchaft, ausgeſetzt worden.

Ich glaube Sie hiervon in Kenntniß ſetzen zu ſollen, damit, wenn ſich in Ihren Schulen ſolche Knaben befinden, die Sie für eine ſolche Prämie würdig erachten, Sie ſolche zur Kenntniß des Vereinsvorſtandes bringen möchten.

Friedberg den 6. Oktober 1853. f

de Beauclair, Kreisaſſeſſor.

Oeffentliche Aufforderung.

Von dem landwirthſchaftlichen Bezirks-Verein des Krei ſes Friedberg ſind mehrere Prämien für tüchtige Feldſchützen ausgeſetzt worden. Diejenigen Feldſchützen, welche ſich um dieſe Preiſe bewerben wollen, haben binnen 14 Tagen, un⸗ ter Vorlage von Zeugniſſen der Ortsvorſtände, ſich dahier anzumelden.

Friedberg am 6. Oktober 1853.

de Beauclair, Kͤreisaſſeſſor.

Die Geſchwiſterkinder. Eine Geſchichte von W. O. von Horn. (Fortſetzung.)

Des Herrn Lorenz Brief war an das Miniſterium nach Paris allerdings abgegangen. Auch kam ein Brief des Miniſteriums zurück, der voll Lobes für den Obriſten Wilken war und ganz genau nachwies, wo er mit ſeinem tapferen Regiment in Spanien ſtehe; aber der verworfene Menſch, der ſeinen Haß und ſein Beſtreben, Rickchen zur Frau zu bekommen, ſo weit trieb, daß er alle Briefe, die

von Fritz kamen, und alle, die an ihn geſandt wurden,

verbrannte, und die verworfenen Lügen an den Armen nach Spanien ſchrieb, um ſein Herz auf den Tod zu treffen; der es ſchon lange verſtand und trieb, das Heiligthum des Briefſiegels nicht mehr zu achten und da raus einen ſpitzbübiſchen Vortheil zog, ohne daß es Je mand ahnete, der löſte auch mit ſeiner erworbenen Kunſt das Siegel dieſes Schreibens, nahm das ächte heraus und ſchob, da er die Kunſt ſich angeeignet hatte, fremde Handſchriften betrügeriſch nachzumachen, ein falſches unter!

Entſetzlich! ruft Ihr aus, und habt Recht. Wenn Ihr aber ſaget: Warum riß nicht Gottes Gerechtigkeit den Schleier vom Angeſichte des Betrügers und Lügners, des Fälſchers und Schurken? ſo kann ich blos antworten: Zeit und Stunde war noch nicht da! Aber glaubet da rum nicht, daß der Arm des Herrn verkürzt ſeri!

Doch laſſet uns zu unſerer Geſchichte zurückkehren!

Mit wechſelndem Glücke wurde der Krieg in Spa nien geführt. Die Engländer, die auch hier ihren Erb feind, den Napoleon, aufſuchten, um ihn zu verderben, hatten ſich mit den Spaniern vereinigt und ſchlugen die Franzoſen uberall, bis ſie endlich in der Schlacht von Vittoria ihre Macht völlig brachen.

Napoleon's Stern war im Untergehen. Sein Ueber muth hatte ihn dahin geführt, daß der Herr der Heer ſchaagren in ſeinem heiligen Rathe ſprach: Bis hierher, und nicht weiter!

Die Ruſſen hatten ſeine Macht gebrochen. Auf ihren weiten ſchrecklichen Schneefeldern hatte ihn Gott in ihre Hand gegeben; und was dort noch übrig blieb, das vollendeten unſere deutſchen Brüder bei Leipzig.

Am 1. Januar 1814 ging der tapfere Held Blücher bei Caub über den Rhein und drang in Frankreich ein. Es war mit Napoleon Matthäus am Letzten. Auch die Engländer drängten die Franzoſen immer weiter zurück. Sie waren zu ſchwach, Widerſtand zu leiſten, und Napo leon ließ ſie ohne Hülfe. Die Soldaten waren entmuthigt; die Offiziere im höchſten Grade zornig auf Napoleon, der ſie ſtecken ließ. Kein Sold wurde ausbezahlt; für die Verpflegung wurde ſchlecht geſorgt. Die Kriegscommiſſäre ſteckten das Geld in die Säcke; für die Verwundeten wurde ſchlecht geſorgt, kurz, ein offenes Auge konnte es ohne Umſtände und Schwierigkeiten erkennen, daß Napo leons Reich in ſich uneins war, und ſeiner endlichen Auf löſung entgegen ging.

Der tapfere Obriſt Wilken gehörte auch zu denen, die längſt müde waren, dem Ehrgeize Napoleons zu

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