Ausgabe 
12.3.1853
 
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Der verlorengegangene Prief. Ein Lebensbild in Novellenform von C. Baldamus. (Fortſetzung.)

Kommen wir nun aber endlich wieder auf Guſtav Wartmann zurück, auf deſſen Ehre und Treue wir allzu⸗ lang einen Makel haben ſitzen laſſen. Er war in der That nicht der herzloſe, leichtſinnige Menſch, für welchen ihn manche unſerer ſchönen Leſerinnen vielleicht zu halten verſucht war. Stolz, und nicht Falſchheit oder Leichtſinn, war der Makel an ſeinem ſonſt ſchönen und trefflichen Charakter. Es war bei ihm ein wahrer Peſtfleck, der ſein ganzes moraliſches Ich entſtellte, und häufig die Wirkung ſeiner beſten Eigenſchaften neutraliſirte. Guſtav war über Emiliens Geſchenk und ihren Brief eben ſo ſehr ent⸗ zückt geweſen, als ſie je zu hoffen gewagt hatte; er hatte daher auch keinen Augenblick verſäumt, ihr mit einem langen Briefe voll der glühenden Liebe und Dankbarkeit zu antworten, von denen ſein Herz überſtrömte. Er hatte darin auch mehrere dringende Angelegenheiten von gemein ſamem Intereſſe und dringender Art erörtert, deren Ent⸗ ſcheidung er jedoch nicht ohne die Mitwirkung ſeiner ſüßen theuren Emilie übernehmen wollte. Er hatte ſie daher gebeten, ihm ſogleich zu antworten, ihm mit um⸗ gehender Poſt zu ſchreiben, wenn ſie ihn liebe. Allein ſein Brief war ihr niemals zugekommen er war ver⸗ loren gegangen, zwar allerdings ein ſeltenes Ereigniß, doch kein unmoͤgliches, wie jeder von uns aus ſeiner eigenen Erfahrung weiß. Und nun wühlte in Guſtav Wartmann derſelbe wilde Schmerz, derſelbe bange Zweifel, unter welchen Emilie litt, jedoch nur noch in weit höherem Grade, denn es war bei ihm nicht allein dieſelbe getäuſchte Neigung, daſſelbe Herzweh, dieſelbe bange Er⸗ wartung, ſondern es war noch all das ſtärkere Leiden, der bittrere Schmerz eines weit leidenſchaftlicheren und minder beherrſchten Gemüths, und vor Allem, jener ſtete, fürchterliche Kampf zwiſchen Stolz und Liebe, derſelbe Kampf, der, wie die Sage will, einſt ſogar im Himmel getobt haben ſoll.

Zuweilen hielt er Emilien fur krank, allein das ſchien kaum wahrſcheinlich, weil ſie im Allgemeinen geſund und noch um die Zeit, da ſie ihren letzten Brief geſchrie ben, vollkommen wohl und anſcheinend in beſter Laune war. Sollte er noch einen Brief an ſie ſchreiben? Sein Stolz verneinte es entſchieden; war ſie ihm ja doch einen Brief ſchuldig, und würde ihn ohne Zweifel beantworten, ſobald die Umſtände es erlaubten! Zudem wollte er ihren hochmüthigen adelsſtolzen Vater fühlen laſſen, daß der bürgerliche Kaufmann Guſtav Wartmann zu viel männ liches Selbſtgefühl im Buſen trage, als daß er ſich auch vor dem ſtolzeſten Blute in ganz Deutſchland beugte. Und Emilie war ja ſeine verlobte Braut, faſt ſo viel als ſeine Frau; wenn er ihr daher nicht mehr war als Vater und Mutter, ſo war ſie der Liebe unwürdig, die er zu ihr hegte. War ſie ihm dagegen treu, ſo war er erbötig, ihr ſein ganzes Leben zu weihen, ja für ſie zu ſterben. Wie nun Tag um Tag, Woche um Woche verging, ſteigerte ſich ſein Unmuth, ſeine fieberiſche Schwäche. Manchmal war es ihm, als könnte er dieſe Qual nicht länger er tragen und das Leben ſelbſt ſeie ihm eine unerträgliche Laſt. Hier kam dann ſein Stolz ſeinem beſſeren Prinzip zu Hülfe; ſeine Wange erglühte bei dem Gedanken, daß man ihn für den verſchmähten Anbeter halten würde, und ſein Blut kochte ſchon bei der bloßen Idee an des Oberſten Holz verächtliches Mitleid mit dem Plebejer, welcher ſeine Wünſche auf eine Verbindung mit ſeiner ſchönen hochge bornen Tochter zu erheben gewagt. Er wolle der Welt

zeigen, daß er kein liebesſiecher, verzweifelnder Schwäch⸗ ling ſei, und es ſollte der Eitelkeit des Fräuleins v. Holz niemals der Anblick der Wunden ſchmeicheln, welche ihre Falſchheit geſchlagen. Er war überzeugt, daß er bald die ſchöne Kokette vergeſſen würde, welche ſeine heiligſten Gefühle auf ſolche Weiſe mit Füßen getreten. Auf dieſe Weiſe ſuchte er ſich zu überreden, aber ſein Herz war nicht zu bethören. Nein, er konnte ſie nicht vergeſſen, wie oft er es auch verſuchte; je mehr ſein Gemüth die alte Macht der Liebe anerkannte, je öfter auch der ſchwer gekränkte Stolz ſich in grimmiger Anklage gegen ſie er⸗ hob, deſto weniger konnte er ſie ſchuldig finden, und da⸗ rum wüthete er gegen ſich ſelbſt und ſeine eigene Schwäche. In ſolchen Augenblicken war ihm, als ſtehe er am Rande des Wahnſinns; aber er hatte auch ruhigere Stunden, wo ſeine beſſere Natur triumphirte und der harte Stolz auf eine Weile der ſchmerzlich ſüßen Leidenſchaft die Ober gewalt ließ.

Mitten in den ſchrecklichen Orkanen, welche in Weſt indien und den Tropenländern über ſo unabſehbare Strecken hin Zerſtörung, Schrecken und Verheerung tragen, bemerkt der Menſch ſtets eine Pauſe, oft von beträchtlicher Dauer, die, wie die Gelehrten uns beweiſen, herrühren ſoll von dem ruhigeren Luftraum oder der Windſtille in dem Wir⸗ bel der Atmoſphäre, aus welchem ſie entſtehen. Solch eine Windſtille machte ſich zuweilen auch in Guſtav's Ge⸗ müthe geltend, über welches der Sturm der Leidenſchaften neuerdings in Länge und Breite hingefegt hatte. In einer Nacht, in einer jener heimlichen Entzückungen, welche der ſtolze Mann um keinen Preis einem menſchlichen Auge hätte zeigen mögen, warf er ſich auf ſein Bett(denn er ging neuerdings ſelten mehr zu Bette, weil ihm die innere Unruhe den Schlaf raubte), und zwar in einem Zuſtande, der beinahe an körperliche und geiſtige Erſchöpfung gränzte. Allmählig ſenkte ſich eine traumähnliche friedliche Ruhe in ſein Gemüth; die Gegenwart verſchwand, und die Vergangenheit trat ſo zu ſagen wieder in lebendige Wirk⸗ lichkeit. Er gedachte an Emilie, wie er ſie zuerſt geſehen ein Bild der Anmuth und Engelsſanftmuth. Er rief ſie ſich in's Gedächtniß, wie er ſie damals zum Letzten mal geſehen an jenem ſtillen klaren Sommermorgen, und wie erquickender Thau in ſein ödes vertrocknetes Herz fiel die Erinnerung an ihren Blick voll Liebe, an ihre zärtlichen Worte. Sollten dieſe ihn getäuſcht haben? Gewiß nicht! Seine ganze Natur ſchien plötzlich davon weicher gemacht; ihm war, als ſehe er ſie vor ſich mit ihren engelſanften Zügen und den weißen fließenden Ge wändern; ihm war, als blicke er wieder in dieſe ſanften klaren Augen und leſe darin wieder, wie er ehemals ge than, unausſprechliche Liebe, unwandelbare Wahrheit. Sein Herz bebte vor zärtlicher Sehnſucht, vor inniger Liebe und Verehrung, und er breitete die Arme aus, als wollte er dieſes weißgekleidete Ideal von Treue und An muth umarmen: allein ſie war nicht da, es war nur ihr Geiſt, der gekommen war um ſeine wilde zürnende Leiden ſchaft zu ſänftigen mit der Ruhe des Vertrauens und der Liebe. In dem ſüßen Wahn, in der abergläubiſchen Ueberzeugung hievon ſprang er von ſeinem Lager auf, ergriff die Feder und ſchrieb ihr einen leidenſchaftlichen unzuſammenhängenden Brief, worin er ihr geſtand, ſie habe ihn faſt über ſeine Kraft verſucht, aber er liebe ſie noch und vertraue ihr, und wolle ihr gern all den Schmerz vergeben, den ſie ihm bereitet habe, wenn ſie ihm unver weilt antworte. Als er dieſen Brief beendigt, warf er ſich wieder auf das Bett, ſchlummerte nach einer Weile ein und ſchlief geſünder, als er ſchon ſeit langer Zeit ge than. Beim Erwachen am andern Morgen überlas er

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