— Intelligenz-Blatt
15 wee rung. fuͤr die 185 inz Ob 19 5 rovinz Oberheſſen . im Allgemeinen, Wepupauft 2 2 2 2 * den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke Tpaften im Beſonderen. ecgermmeiffr— i 5 b A5. Sonnabend den 11. Juni 1853. 5 1 Der alte Sergeant. lautete ſtets der gleiche abſchlägige Beſcheid. Und als u weder der Jüngling, von Leidenſchaft hingeriſſen, ſein Geſchick * Von Pr. Th. Meyer. verwünſchte und den Wunſch äußerte, eine Kugel oder ein dultbeſßeri Cortſetzung.) Beduinenſäbel möchte ihn doch bald von ſeinem läſtigen 4 Daſein befreien, da machte ihm der Alte Vorwürfe: In
Emil meinte, er könne gleichwohl auch einen braven Soldaten abgeben und vielleicht bring' er's ebenfalls bis zum Sergeanten; jetzt verlange er ja Mariens Hand noch nicht. Der geringſchätzende Zug in Frangois Antlitz wurde hiebei noch viel härter und die Stirne runzelte ſich wie im Unmuth. Es folgte eine peinliche Stille; das Blut des Unwillens und des gekränkten Selbſtgefühles ſtieg auch in Emil's Wangen auf. Da öffnete ſich die Zimmer— thüre, die wie zum Kampf ſich entgegenſtehenden Männer blickten Beide dorthin und in Beider Zügen zuckte es ſicht⸗ lich, als ſie Marie in hoher Aufregung hereintreten ſahen, Marie, die, ſo weit weg ſie ſich auch verkrochen, doch von dem Geſpräche zwiſchen Vater und Geliebten das Weſentlichſte ſchien gehört zu haben und die es immer mehr und mehr in die Nähe gezogen, bis der drohende Verluſt ihrer Hoffnungen ihr den Muth gab, an dem Kampfe ſelber Theil zu nehmen. Ein leidenſchaftlicher Ausbruch erfolgte, indem Marie und Emil das Herz des alten Soldaten zu beſtürmen und zu erweichen verſuchten. Der jedoch blieb feſt. Obſchon er aber in militäriſcher Poſitur ſeiner Tochter„Subordination!“ zurief, that er's gleichwohl in keinem harten Tone, die Stimme zeigte eher eine Spur von Rührung, denn der Schmerz des Mäd⸗ chens, das er von ganzem Herzen liebte, ging ihm ſelber nahe und die gegenſeitige Anhänglichkeit der beiden jungen Leute ſchien alte Erinnerungen in ihm neu zu beleben. Er erklärte, daß er Emil die Hand ſeines Kindes viel eher gegeben hätte, wenn derſelbe Landmann geblieben wäre, aber wie er nur als Conſcribirter daran[denken könne 2 als Conſcribirter bei dem jetzigen franzöſiſchen Heere, das nur ein matter Abglanz jener alten ruhmge— krönten Kaiſerarmee ſei! Und dabei äußerte ſich dann wieder ſein Mißtrauen in das junge Frankreich und ſeine Klage um den großen Todten und ſeine ehemalige Garde. Francois blieb unerbittlich und war nicht zu erweichen. Wohl wünſchte er dem jungen Werber Glück zu ſeiner neuen Laufbahn und rieth ihm wohlmeinend, die Helden der Kaiſerzeit als unerreichbare Muſter ſtets vor Augen zu halten; von irgend einem Verſprechen, einer Ver⸗ tröſtung aber wollte er nimmermehr etwas hören, ſo reich⸗ lich auch Mariens Thränen floßen, ſo heiß und unermüd⸗ lich Emil bat und flehte und beſchwor.„Es geht nicht!“
ſolcher Geſinnung zeige ſich's eben, daß er kein ächter Soldat ſei; ihm ſelber ſei es einſt nicht beſſer ergangen, aber ein Soldat der Garde würde nimmer ſo bald capi— tulirt und das Gewehr geſtreckt haben, ſondern wäre auf ſeinem Poſten geblieben und hätte im Feuer ausgehalten; heut zu Tage aber ſei's nichts mehr, um einer Liebſchaft willen verliere man jetzt den Kopf und das Herz und würde zum Deſerteur und Feigling, die verzweifelten und das Gewehr wegwürfen.
„Haltet ein, Frangois!“ rief hier Emil voll Gluth und Begeiſterung, der bei dem Vorwurf plötzlich wieder Herr über ſeine Leidenſchaft geworden,„haltet ein! nim— mermehr ſoll man dergleichen von mir ſagen können und ihr ſelber müßt mir dereinſt geſtehen, daß ich ein braver Soldat ſei, oder„ Er endete nicht, heftig ſtuͤrzte er auf Marie zu, umarmte ſie, ohne daß der Vater es hindern konnte oder wollte und eilte mit haſtigem Gruße zur Thüre hinaus, auf lange, lange, vielleicht auf immer.
Dieſes Aufbrauſen des Selbſtgefühls und des Sol— datenmuthes hatte mehrere Falten von der Stirne des Veteranen weggeſtrichen, er ließ ſogar einige Töne hören, die als Beifalls- und Zufriedenheitsäußerungen mit dem Benehmen des jungen Conſcribirten konnten gedeutet wer⸗ den. Marie aber ſtand da wie eine geknickte Blume, blaß, ſchwankend, mit thränenloſem Auge; ihr ſchien im erſten friſchen Schmerze, Emil ſei für ſie auf ewig ver— loren, verloren nicht durch des Vaters hartes Wort, ſon⸗ dern ſeine Liebe ſei von der wilden Ruhmbegier und Kriegsluſt, die am Ende in ihm aufgeflammt, überwältigt und rettungslos verzehrt worden! Dem alten Soldaten ging der Zuſtand ſeines einzigen Kindes tief in die Seele, er ſah ſie mehrere Male an, ohne ein Wort zu ſprechen, wandte ſich ab und ſah ſie wieder an, mit einer Art von Verlegenheit, ja beinahe Reue, welche ihm auf kurze Momente eine Unſicherheit gaben, die freilich bald wieder durch Vorſtellungen ſeines Verſtandes, wie durch Erfah⸗ rungen, die in ihm ſchmerzlich aufzutauchen ſchienen, bis zu dem entſchiedenſten Ausdruck der unabweisbaren Noth— wendigkeit geſchärft wurde. Es tobte der heftigſte Kampf des Gefühls mit dem von lebendiger Erfahrung unter— ſtützten Verſtande in ſeinem Innern.


