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Als Marie in ihrem vernichteten Zuſtande ſtumm und langſam nach der Thüre zuſchritt, rief ihr der Vater mit ungewöhnlicher Milde, ja Weichheit nach, noch zu verweilen, er habe mit ihr zu ſprechen.„Setze Dich, mein Kind,“ begann er:„Du dauerſt mich, arme Marie, aber um Deinetwillen mußte ich ſo handeln, wie ich ge— handelt; Donner und Wetter! weiß ich doch ſelber am beſten, wie Einem da zu Muthe iſt. Höre: Als wir durch Sachſen zogen, eh's nach dem unglückſeligen ruſſi⸗ ſchen Barbarenlande ging, hatte der Soldat ein luſtig Leben, es gab gute Quartiere und muntere Geſellſchaft. Da war es an einem Abend, daß ich aus einer Schenke nach meiner Kaſerne heimkehrte; der Weg führte mich über die ſchöne große Brücke. Mitten auf derſelben fand ein Zuſammenlauf von Menſchen ſtatt, Soldaten, Bürgern, Weibern, Bauern und die lachten und ſchrieen, nur zwi⸗ ſchendurch ließ ſich eine ſchwache geängſtigte Weiberſtimme vernehmen. Ich trat hinzu und merkte bald, daß ein trunkner Soldat ein hübſches junges Mädchen mit ſeinen Zudringlichkeiten beläſtigte. Sie wußte ſich vor Verlegen⸗ heit und Furcht nicht zu helfen und ſuchte vergeblich zu entfliehen. Zu den plumpen Zärtlichkeiten und Späſſen des Betrunkenen wieherte die Zuſchauermaſſe jedesmal, aus eigner Rohheit oder weil die Kerle zu feig waren, dem Soldaten entgegen zu treten. Bis ich wußte, wie's ſtand, ſah ich eine Weile zu, dann aber ging ich auf den Unverſchämten los und hieß ihn die Perſon ungeſchoren laſſen. Anfangs wollte er ſpaſſen und fragte, ob ich etwa Luſt hätte, ihm ſeinen guten Fang wegzuſchnappen? und als ich darauf noch beſtimmter und ernſter in ihn drang, ward er grob, meinte, es gehe mich nichts an, ich ſollte zum Teufel gehen mit meiner Schulmeiſterei, er ſei ein ſo guter Franzoſe als ich. Ein niederträchtiger Schuft biſt Du, rief ich zornig, kein Franzoſe! Du biſt nicht werth, als Troßbube in des Kaiſers Heer zu dienen, denn ein ächter Franzoſe und braver Soldat wäre nimmer ſo feig, ein hülfloſes Mädchen zu ängſtigen; ſpare Deine Courage und Deine Hitze bis nach Rußland hinein. Da— mit war ich hart an ihn herangetreten, und ich merkte, er kriegte Reſpekt, wie nur ſein Rauſch an ſeinem Zorne zu verfliegen begann. Er war noch ein junger Burſche und ſah ſo übel juſt nicht aus.— Er leide dieſe Be— ſchimpfung nimmer und ob ich gleich älterer Soldat ſei und Unteroffizier bei der Garde, ſo dürfe ich ihn doch nicht ungeſtraft beleidigen.— Ich erwiderte, daß er ſich am meiſten ſelber beſchimpft habe, übrigens heiße ich Francois Lembert, ſeie Sergeant der und der Compagnie bei dem und dem Negiment der kaiſerlichen Garde. Da— mit bot ich ohne Weiteres dem Mädchen den Arm, ſie ſicher nach ihrer Wohnung zu geleiten durch die Menge Leute hindurch. Einige von den Elenden, die vorhin ge— lacht oder doch geſchwiegen, riefen mir nun bravo, bravo! zu, und das arme Kind dankte mir vielmal, als ob ich was Beſonderes gethan hätte. Wir blieben noch einige Tage in Dresden, ich weiß ſelber nicht wie es kam, aber ich ſah meinen Schützling, die arme Louiſe, öfter, und als ich ihr unſre Ordre zum Abmarſche mittheilte, da weinte ſie und zeigte ſich entſchloſſen, mich auf dem Feldzuge zu begleiten, denn ſie könne nicht mehr ohne mich leben und hier habe ſie keine Seele, die ſich um ſie kümmere. Auch ich meinte ohne ſie nicht mehr glücklich ſein zu konnen: ich wußte damals nicht, was ich that und was Alles ich mir aufbürdete, als ich in ihren Entſchluß einwilligte. Es war ein unglückſeliger Gedanke von mir, denn nichts wäre für uns Beide eine kurze ſchmerzliche Trennung geweſen gegen dieſe fortwährende Pein und Unruhe, die Todes⸗ angſt, die Beſorgniſſe aller Art, die ich um Louiſen und
ſie um mich ausſtund, und gegen den Kampf, welchen da⸗ bei meine Soldatenpflicht und meine Liebe faſt täglich kämpften. Alle Strapazen und Leiden, die ich zu ertragen hatte, achtete ich nicht, aber die ihrigen, wenn ich. ſie ſo mit Anſtrengungen und Entbehrungen ringen und ihnen faſt erliegen ſah, und ſie dabei doch nie klagte oder jam⸗ merte, rieben mich beinahe auf. Hundert Mal bereute ich unſern, oder wenigſtens meinen Leichtſinn, der ihrer Unerfahrenheit ſo leicht nachgeben gekonnt, denn ich ver— mochte dem armen Kinde wenig Erleichterung zu ver— ſchaffen, des Kaiſers Dienſt ging Allem vor, und der war hier ſtrenger als jemals. In der grimmigen Schlacht bei Borodino, als wir die Ruſſen zum zweiten Mal aus ihren Verſchanzungen getrieben, flog mir das Stück einer Gra— nate in die Schulter und riß mich zu Boden. Ich wurde nachher mit den Bleſſirten nach Moskau geführt, Louiſe war meine treue Pflegerin, aber mit Schrecken und Schmerz bemerkte ich während ihrer ſorgfältigen Bemühun⸗ gen, wie die Mühſalen an ihrem jungen Körper zehrten und ihre Geſundheit untergruben. Von dem barbariſchen Höllenbrande, der nachher Moskau verzehrte, hab' ich Dir ſchon oft erzählt, ich lag als Bleſſirter in dem vormaligen Findelhauſe, mit noch etwa 8000 andern Verwundeten und Kranken; Teufel! es war ein arges Neſt voll Elend! Mit Muͤhe war das Gebäude vor der Brunſt gerettet worden und nun unſer Hauptlazareth. Wir ſpürten da— mals darin die Gluthhitze auf unſern Lagern hinter den dicken Wänden, als müßten wir geröſtet werden. Das Heer zog wieder ab, die Garden voran; ich aber war noch nicht ganz hergeſtellt, ich mußte noch mit dem Troß der Invaliden hintennach ziehen. So ging's in traurigem Marſche bis nach Smolensk zurück. Die Armee marſchirte weiter, Marſchall Ney mit der Nachhut blieb noch zurück und ich als Verwundeter mit ihm. Da hieß es aber auf ein Mal, die Koſacken kommen! Die Vorſtadt war von den Unſeren ſchon geräumt, die Ruſſen überfüllten ſie, und ſuchten von ihr aus wiederholt in die Stadt hinüber zu dringen, die der Marſchall noch beſetzt hielt. Lieber Gott, wie's da zuging! Als ich das Schießen hörte, fluchte und tobte ich, daß ich noch nicht hergeſtellt ſei; als es aber hieß, man müſſe die Verwundeten und Entkräfteten zu⸗ rücklaſſen und der Gnade des Feindes anheim geben, da raffte ich mich auf, ergriff, halb geheilt wie ich war, die erſte beſte Muskete und machte mich zu den Truppen, geh' es mir wie es wolle. Von meiner Wunde geſchwächt, wäre ich ſchnell eine Beute des Todes geweſen, hätte Louiſe nicht Alles, was ſie thun konnte, für mich gethan: warme Bekleidung, Nahrungsmittel und Stärkungen trieb ſie für mich auf, ich weiß ſelber nicht woher, und ſicher indem ſie für ihre Perſon Mangel daran litt. Wir waren kaum eine Viertelſtunde von Smolensk entfernt, ſo flog hinter unſerm Rücken unter Donner und Blitz die Stadt in die Luft und all die Zurückgebliebenen mit. Es war gräßlich. (Fortſetzung folgt.)
Miscellen.
(Periodiſche Anzeige.) Gehorſamſter Bericht des Vorſtehers von Spargeld, Selbſtmord betreffend.
„Es wird einem kgl. Landgericht angezeigt, daß im erſten Quartal 1851/52 ein periodiſcher Selbſtmord nicht vorftel ꝛc.“
(Criminal- Anzeige.) Gehorſamſter Bericht des Vorſtehers von Erlsfeld eine rauhe Anrede betreffend, wo— bei ein Tiſcheck wegfuhr ꝛc.
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