Ausgabe 
10.8.1853
 
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häupter der Partei im Innern verſprochen waren. Dieſe Papiere kamen wenige Tage nachher an; unterdeſſen hatten ſich die Bande unſerer Freundſchaft in der Einſamkeit immer feſter geſchlungen. Wir ſchworen einander zu, daß nur der Tod uns von einander trennen ſolle. Die gute Frau T... verſchaffte uns Uniformen der Freiwilligen, verſorgte uns mit dem Nothwendigſten für unſere Reiſe, und nahm uns das Verſprechen ab, ſie eines Tages wie der zu beſuchen, wenn wir den Gefahren entgehen ſollten, die uns faſt unvermeidlich bedrohten. Ich zweifelte durch aus nicht, denn die erſten Wechſelfälle des Lebens ſchüch tern die Seele nicht ein, ſondern kräftigen ſie. Alles iſt weit, unbegrenzt wie die Zukunft und die Hoffnung, für einen Menſchen, deſſen Hoffnungen noch nie getäuſcht worden ſind, der noch nie dieſe bezaubernde Zukunft in der Nähe geſehen hat, und der ſie noch nie all' ihres Blendwerks beraubt, in ihrem Elende arm und leer wie das Nichts erblickt hat. Alles gelang uns nach Wunſch; wir erreichten, nicht ohne Hinderniſſe, aber ohne daß uns etwas zugeſtoßen wäre, die weiße Fahne; und wir durften uns Glück dazu wünſchen, wenn es überhaupt ein Glück genannt werden kann, einem augenblicklichen Unglücke zu entgehen, das unſere Herzen mitten unter den ſüßeſten Gefühlen und den angenehmſten Täuſchungen getroffen hätte, um am Ende mit einem gebrochenen und durch den Schmerz ausgetrockneten Herzen in die Gewalt der Un ordnung und des Todes zu fallen.

Ich gehe ſchnell über dieſe Ereigniſſe weg. Obgleich ſie mir theuere Namen in's Gedächtniß zurückrufen, fühle ich doch, daß die Erzählung derſelben mich ermüdet. Ich kann mir das Intereſſe nicht erklären, welches man auf die nutzloſe Erhaltung eines mühſeligen Lebens legt, die Anſtrengungen, welche man macht, um es zu erhalten, die leeren Zerſtreuungen des Geiſtes, in welchen man ſich ge fällt, die Zeit zu verſchwenden. Ich fühle, daß das Da ſein eigentlich nur einige Stunden, einige flüchtige Augen blicke enthält, und daß, wenn dieſe dahin, unwiderbringlich dahin ſind, alle Bilder jener Zeit, die nicht wiederkehrt, Schmerzen erregen. Es liegt nicht nur etwas Bitteres, ſondern ſogar Eckel-Erregendes darin, es iſt ein Etwas, das das Gedächtniß belaſtet und das den Wunſch nach der ſtumpfen Gefühlloſigkeit des Thieres erregt, das wenig oder gar nicht fühlt, oder wenigſtens ſchnell vergißt. Eben dieſer Grund würde mir eine ausführliche Erzählung der Waffenthaten, von denen ich Zeuge war, unmöglich machen. Ich begreife, daß dieſe Rückerinnerungen, ſo unbedeutend ſie an und für ſich in der Maſſe der Nichtigkeiten ſind, welche unſere Jahre abnützen, einen gewiſſen Reiz für eine Seele haben, die ihrer Organiſation und Beſtimmung gemäß zu ihrem eigenen Heile nie etwas Lebhafteres em pfunden hat; aber ich ſchreibe keine Geſchichte. Es drückt mich, dieſe unfruchtbaren Einzelheiten zu verlaſſen, die mein Herz belaſten. Ich bedarf einer andern Luft, eines andern Geſichtskreiſes, in welchen meine Gedanken ſich frei zu entfalten und die Unermeßlichkeit, die ſich vor mir aus dehnt, zu theilen vermögen. Es möge genügen, wenn ich ſage, daß fünf bis ſechs auffallende Thaten mir die Ach tung der königlichen Armee, das Vertrauen meiner Vor geſetzten und das Commando einer Compagnie, wenige Wochen vor der Niederlage bei Mans, verſchafften.

In den vorangegangenen Gefechten hatte ich mehrere Wunden erhalten; einige davon waren noch nicht völlig geheilt; die Anſtrengungen der vorhergehenden Tage laſte ten ſchwer auf mir. Zu allem Unglücke wurde auch noch mein Pferd durch einen Schuß getödtet, und mein Degen brach, gleich bei'm Anfange des Gefechtes, hart am Stich blatte ab. Man muß die Unordnung im Heere, den Lär⸗

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men, die Verwirrung des Volkes geſehen haben; man muß Zeuge jenes Unglückstages geweſen ſein, um ſich eine Idee davon machen zu können. Unſere tapferſten Sol daten irrten auf's Geradewohl in den Straßen umher, verſuchten vergebens ſich wieder zu ſammeln, und ver mehrten dabei durch ihre unſicheren Bewegungen, ihr Schreckens- und Wuthgeſchrei, ihre vergeblichen Anſtren gungen, noch das Gräßliche unſerer Lage. Endlich gelang es mir, einige um mich zu ſammeln, am Fuße einer ab⸗ hängigen Straße, deren Höhe von einem Poſten Repu blikaner beſetzt war, welche ſie augenblicklich mit allen möglichen Trümmerſtücken, die ihnen in die Hände ſieleu, anfüllten. Ich warf mich muthig ihnen entgegen und ſuchte meine kleine Truppe durch Geberden und Stimme zu ermuthigen; der Feind wankte und ſchien geneigt, uns den Platz zu überlaſſen; aber im Zurückziehen ließ er noch einige unſerer Munitionswagen, welche den Durchgang verſperrten, mit aller Gewalt, welche durch das Abſchüſſige der Stelle noch vermehrt wurde, gegen uns herabrollen. Eine Deichſel derſelben fuhr mir gegen den Magen, und warf mich halb todt auf einen Haufen Gefallener, auf welchem ich eine Nacht faſt beſinnungslos und mit dumpfem ſchmerzlichem Gefühle ringend zubrachte. Die Friſche des Morgens vermehrte dieſen Eindruck und machte ihn mir deutlicher; meine Gedanken wurden wieder geordneter und beſtimmter; als es tagte, kam ich völlig zu mir ſelbſt. Ich hörte einen verworrenen Lärmen, der bald ſich ent fernte, bald ſich näherte, und der mich von Zeit zu Zeit Laute erkennen, einige Worte unterſcheiden ließ. Sie waren von einem Klirren mit Bajonetten begleitet, welche während des Marſches zuſammengeſtoßen wurden. Ohne allen Zweifel waren es Republikaner; mir ahnte, daß ſie in allen Häuſern nachſuchen würden, um diejenigen der Unſrigen, welche ſich verborgen hatten, aufzuſtöbern oder um die Todten zu zählen. Die Häuſer waren alle auf's Sorgfältigſte verſchloſſen; aber unter den Gegenſtän den, welche zum Verrammeln der Straße gedient hatten, bemerkte ich eine Leiter, die ich an eine Mauer ſtellte und auf der ich in dem Augenblicke ein Dach erreichte, in wel chem mehrere Flintenſchüſſe die letzte Sproſſe unter meinen Füßen zerſchmetterten. Ich wurde zwar nicht getroffen, war aber auch noch nicht gerettet. Ich ſtieg von dieſem Dache auf ein anderes, und ſtets den Blicken ausgeſetzt, gelangte ich früher als die Soldaten an eine Wendung der Straße, weil dieſe ihre Flinten wieder geladen hatten, und aus dieſem Grunde zurückgeblieben waren. An der Ecke befand ich mich einem Fenſter gegenüber, deſſen ſchlecht geſchloſſener Laden meinem Rütteln ſogleich nach⸗ gab, und ich fiel mit einem Sprunge mitten in ein Zim⸗ mer, deſſen Anblick ſogleich die Wohnung der Armuth er kennen ließ. Ein junges Mädchen, das im Bette lag, ſtieß einen Schrei aus.Fürchten Sie Nichts, rief ich ihr zu,retten Sie nur einen armen Straßenräuber) und Gott wird es Ihnen lohnen. Während ich dieſe Worte ſprach, hatte ich mich auf ihr Bett geworfen, und einen Theil der herabhängenden Decke über mich herge zogen. Mein Hut war bei den Todten liegen geblieben; das Heft meines Degens hatte ich in meine Schärpe ge ſteckt; meine Haare, welche ſehr lang waren, fielen in Unordnung über meine Schultern herab. Die Soldaten kamen herein, näherten ſich dem Bette, blicken unter daſſelbe, durchſtöberten das ganze Zimmer, und kamen wieder zu uns zurück. Ich hielt die Augen geſchloſſen und verbarg meine vom Feuer geſchwärzte und vom Staube des Gefechtes beſchmutzte Stirne.Hier iſt's ganz

) Mit dieſem Ausdrucke bezeichneten bekanntlich die Republikaner die inſurgirten Vendeéer. 1

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