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richtig,“ ſagte einer derſelben,„ich kenne dieſe; es iſt Jeannette.“—„Die Blonde iſt ihre jüngere Schweſter,“ erwiderte ein anderer;—„der Straßenräuber iſt nicht da.“ Endlich machten ſie die Thüre wieder hinter ſich zu; es war auch die höchſte Zeit für meine Genoſſin, deren Zaͤhne klapperten.
Nun war kein Augenblick zu verlieren, denn ihre Wiederkehr war zu befürchten; ich war bereits hinter den Vorhang getreten, welcher die Fußſeite von Jeannettens Bette von dem innern Theile des Zimmers trennte. Einige raſch gewechſelte Worte hatten hingereicht, um meine Be— ſchützerin zu beſtimmen, mir den einen ihrer zwei Anzüge zu opfern, und ſo ungewohnt mir die Verkleidung war, ſo koſtete ſie mich doch nur einige Minuten. Meine Klei— dung war einfach, aber reinlich, meine Haare wurden ohne viele Kunſt unter einem Häubchen aufgeſchlagen, welches Jeannette beſſer aufzuſetzen verſtanden hätte; allein jeder Anzug jenes Tages ließ ſich durch die Unordnung und die Schrecken des vorhergehenden Abends entſchuldigen; auch ſtach mein verbranntes Geſicht nicht zu ſehr gegen meinen Putz ab, und überdieß kann die Sonne ebenſo gut ein Geſicht ſchwärzen wie der Pulverdampf ſeachdem ich mich durch einen einzigen Blick in ein Spiegelbruchſtück, welches an der Mauer hing, überzeugt hatte, daß es mir nicht unmöglich ſein dürfte, ſelbſt die Soldaten, welche mich in der Nähe im Handgemenge geſehen hatten, zu täuſchen, beeilte ich mich, meinen eiſengrauen Rock, mit dem Herzen und der Epaulette darauf, meine Piſtolen, meinen Dolch und den übrigen Theil meiner Equipirungs- Gegenſtände in mein rothes Tuch zu wickeln, welches mir zuvor als Schärpe gedient hatte, und ſteckte Alles unter den Arm. Hierauf trat ich an Jeannettens Bette und nöthigte ihr einige Goldſtücke auf, welche gerade die Hälfte meines ganzen Vermögens ausmachten, obgleich ſie ſie mit der Hand zurückſtieß; drückte dann einen Kuß auf ihre Wan⸗ gen und Stirne, der meine Erkenntlichkeit mehr ausſprach, als alle Worte. Ich kam gerade unten an der Treppe an, als die Soldaten von ihrem fruchtloſen Nachſuchen zurückkehrten. Sie bemerkten mich nicht.
(Fortſetzung folgt.)
Kirchenbuchsauszug von Butzbach. Monat Juli. e e e e ee Keine. Gerau fte 3. Dem hieſigen Burger nud Schneidermeiſter Johann Georg Imbeſcheidt ein Sohn, Heinrich, geb. den 16. Juni. 7. Dem hieſigen Bürger und Leinwebermeiſter Michael Scheuer ein Sohn, Wilhelm, geb. den 5. Juni. 24. Dem Bürger und Buchbindermeiſter Gernand Sauer—⸗ bier, genannt Weickhardt, eine Tochter, Marie Eliſa⸗ bethe, geb. den 2. Juli.
24. Dem hieſigen Bürger und Metzgermeiſter Heinrich Klingel ein Sohn, Johann Ernſt, geb. den 9. Juli.
28. Dem Ortsbürger zu Pfungſtadt Ludwig Bonhajo, Bahnwärter dahier, eine Tochter, Marie, geb. den 17. Juli.
Bernd
2. Valentin Bonhajo, des hieſigen Bahnwärtes Ludwig Bonhajo fünftes Kind, dritter Sohn, alt 3 Jahre.
6. Friedrich Weigand, des Bürgers und Schneidermeiſters Georg Heinrich Weigand drittes Kind, dritter ehe— lich lediger Sohn, alt 5 Wochen.
11. Eliſabethe Rauzenberg, des verſtorbenen Bürgers und Drehermeiſters Daniel Rauzenberg hinterlaſſene Wittwe, geb. Geſcheid, alt 71 Jahre, 4 Monate und 7 Tage.
18. Louiſe Friedericke Wilhelm, des Bürgers und Nagel—⸗ ſchmieds Georg Wilhelm Ehefrau, geb. Booſe, alt 54 Jahre.
19. Maria Katharine Alles, des verſtorbenen Bürgers und Schuhmachers Samuel Alles Wittwe, geb. Schwarz, alt 78 Jahre, 4 Monate und 18 Tage.
25. Katharine Eliſabethe Low, des Bürgers und Schuh— machermeiſters Gerhard Löw Ehefrau, geb. Wagner, alt 66 Jahre, 1 Monat und 15 Tage.
Huͤlferuf an Menſchenfreunde!
Am 26. Juli l. J. wurde durch ein Hagelſchlag die Erndte für dieſes Jahr in dem Orte Froſchhauſen total und in Seligenſtadt, Kreis Offenbach, größtentheils zerſtört. Die beiden Orte, welche ohnehin unbemittelt ſind, haben ihre geſegnete Erndte, beſtehend aus Korn, Gerſte, Hafer, Magſamen und Tabak in wenigen Stunden gänz⸗ lich verloren und Niemand vermag das Elend beider Ge— meinden zu ſchildern. Es thut darum ſchleunige Hülfe, hier mehr als irgendwo noth. Man richtet deßhalb an die Bewohner der geſegneten Weterau, deren Wohlthätigkeits— ſinn ſich in derartigen Angelegenheiten ſchon ſo oft bethä⸗ tigte, die dringende Bitte, auch hier ihr Schärflein beizu— ſteuern, um das über genannte Orte hereingebrochene Un— glück möglichſt zu mildern.—
In Bezug auf vorſtehenden Aufruf erklärt ſich die Expedition dieſes Blattes gerne bereit etwaige Geldbeiträge entgegen zu nehmen und an den Ort ihrer Beſtimmung zu vermitteln, und wird ſeiner Zeit das erzielte Reſultat durch oͤffentliche Rechnungsablage bekannt gemacht werden.
Friedberg im Auguſt 1853.
Für die Gemeinde Vonhauſen bei Büdingen, welche durch Hagelſchlag hart heimgeſucht wurde, iſt bei mir eingegangen und wird hiermit dankbar beſcheinigt: Von Hrn. Ph. W. 1 fl.; von Mr H- ſch 1 fl. 30 kr.; in Folge eines Vergleichs bei Gericht 2 fl. 42 kr.; durch die betreffenden verehrlichen Kirchenvorſtände geſammelt und eingeſendet: a) in der Ge⸗ meinde Oſſenheim 6 fl. 18 kr.; b) in der Gemeinde Bauernheim 10 fl. 15 kr.— Zuſammen 21 fl. 45 kr.— Um weitere Gaben bittet Bernges.
Bekanntmachungen von Be— hoͤrden.
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Edictalla dung.
ſtellung eines Curators, über Veräußerung des Vermögens u. ſ. w. gefaßt werden. Grünberg den 23. Juli 1853. Großherzogl. Landgericht Welcker.
uach bezüglich des Verkaufs der Immobilien, der Regulirung und Vertheilung der Maſſe, ohne weitere Mitwirkung des Karl Schleuning verfahren werden wird.
Midtler. Gleichzeitig werden etwaige, bisher nicht auf—
Betreffend: Die Vermögensunterſuchung gegen den Pachter Anton Södler zu Ober⸗ ohmen, früher in Steinfurth.
(1191) Behufs Feſtſtellung der Activ und
Paſſiomaſſe werden alle diejenigen, welche For⸗
derungen an den Rubrikaten bilden, aufgefor⸗
dert, dieſelben bei Vermeidung der Nichtberück⸗ ſichtigung im Termin Freitag den 26. Auguſt d. J., Vormittags 9 Uhr, dahier anzuzeigen und ſollen, im Falle ſich eine Ueberſchuldung herausſtellt, Beſchluͤſſe über Be⸗
Oeffentliche Aufforderung.
(1192) Schneidermeiſter Karl Schleuning von hier, welcher heimlich entwichen und deſſen gegenwärtiger Aufenthaltsort unbekannt iſt, wird hierdurch aufgefordert, binnen drei Monaten, von heute an, die geeigneten Anträge wegen Verwaltung ſeines zurückgelaſſenen Vermögens und Befriedigung ſeiner Gläubiger zu ſtellen, widrigenfalls dem eingeleiteten Debitverfahren der Lauf gelaſſen, der von den Gläubigern zur
Maſſeverwaltung erwählte Ausſchuß als ſolcher beſtätigt und nach deſſen Anträgen, insbeſondere
getretene Gläubiger, oder ſolche, welche an die verkauften Immobilien: 73/9 91 Ruthen im Ried und 42/247 Wohnbaus dahier, Eigen- thumsanſprüche machen wollen, aufgefordert, ihre Forderungen resp. ſonſtigen Rechte binnen obiger Friſt, bei Meidung der Nichtberückſichti⸗ gung, geltend zu machen. Friedberg den 15 Juli 1853. Großb. Heſſ. Landgericht Hofmann. v. Preuſchen.
Mobiliar-Verſteigerung. (1206) Mittwoch den 10. Auguſt d. J.,


