Ausgabe 
7.9.1853
 
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ſtellen konnte, ſo hing meine Handlungsweiſe nicht von mir ab. Ueber mein Leben konnte ich verfügen, aber ich durfte kein anderes in Gefahr bringen; und darum be ſchloß ich, die Nacht abzuwarten, ehe ich in die Stadt ginge. Wenige Schritte vor derſelben hatte ich einen kleinen Raſenplatz bemerkt, auf welchem einige zerſtreut herumgepflanzte Bäume, ſtanden, und auf dem die Mäd⸗ chen aus der Umgegend an ſchönen Sommerabenden zu tanzen pflegten. Ich ſetzte mich auf eine Bank, welche rund um den Stamm einer alten Ulme angebracht war, nach der Himmelsgegend gewendet, in welcher die Meierei von Sancy liegen mußte. Die Abenddünſte, welche ſich beim Untergange der Sonne ſammelten, fingen an gegen die Seite hin, wo ich ſaß, ſich auszubreiten, und es un⸗ terhielt mich, zu ſehen, wie dieſe von den letzten Strahlen vergoldeten Wolken, in Flocken, in weiten Flächen, in Netzen ſich entfalteten und ebneten; zuerſt in roſenfarbenem Faltenwurfe am goldenen Gewölbe des Weſten ausge breitet hingen, dann langſam in kupferne, violette oder ſchwärzliche Schattirung uͤbergingen und endlich im Dunkel

der Nacht verſchwanden. Ihr raſches Vorüberſchweben

und ihre verſchiedenartigen Formen ſchienen mir in ihrem fortwährenden Wechſel ebenſo viele letzte Lebewohle von Thereſen. Jede dieſer Wolken war über ihrem Haupte hingezogen, ſie hatte ſie geſehen, betrachtete ſie vielleicht noch; derſelbe Gedanke beſchäftigte auch ſie vielleicht, und meine Augen konnten auf denſelben Fleck gerichtet ſein, wie die ihrigen, auf jene unbeſtimmten Umriſſe, welche ſich zwiſchen uns Beiden zertheilten, und unſere letzten Blicke mit ſich fortnahmen. Durfte ich hoffen, wohl je wieder eine Wolke zu erblicken, die ſie geſehen hatte?

Weil das Wetter ſehr ſchön war, ſo verfehlten auch die Mädchen nicht bei ihrem abendlichen Stelldichein ſich einzufinden, und um die alte Ulme, unter der ich zufälliger Weiſe ſaß, ihre gewohnten Tänze aufzuführen, wobei ſie im Chor die Rundgeſänge erſchallen ließen, deren Einfach⸗ heit und Anmuth mich überraſchten; denn Verbannung und Krieg hatten mich frühzeitig um die unſchuldigen Freuden der Kindheit gebracht. Nichtsdeſtoweniger ver ſtand ich aber deren Reize, und ich bedauerte, mit Thränen in den Augen, nicht in einer Zeit und in einem Stande gelebt zu haben, in denen es erlaubt war, ſo leicht glück⸗ lich zu ſein. Auch die Liebe miſchte ſich in dieſe Luſt, denn in jeder Gruppe befanden ſich einige junge Leute von meinem Alter, die bei jedem Refrain ſich um die un⸗ ſchätzbare Gunſt des Vorrechtes zu einem Kuſſe ihrer Begleiterinnen ſtritten. Ich erinnere mich weder der Me⸗ lodieen noch der Worte jener Geſänge mehr genau, aber

noch immer klingen ſie in meinen Ohren und machen mein

Herz erbeben, ſo viel Lieblichkeit lag darin. An und für ſich wollten ſie nicht viel bedeuten, oder vielmehr, es wäre unmöglich, ihren Sinn denen begreiflich zu machen, welche denſelben nicht gefühlt haben. Wenn ich nicht irre, handelte es ſich um eine Schöne, welche am Rande eines Brunnens eingeſchlafen war, und welche ihr Vater und ihr Bräutigam vergeblich ſuchten; um Königstöchter, welche aus ihren Schlöſſern vertrieben, an einem Tage der Schlacht mehr für ihren Geliebten, als für ihre Krone Wünſche zum Himmel ſandten; um Klagen von Schäferinnen, die trauern, nicht mehr in's Gehölz gehen zu können, weil die Blätter gefallen ſind, und die nach der Jahreszeit ſchmachten, welche ihre Tänze und die Seligkeiten ihrer Liebe zurückbringen wird.

Ich fand mich unwillkürlich in dieſen heitern Kreis eingeſchloſſen, und war Anfangs durch die Neugierde, welche eine ganz neue Empfindung in mir rege machte, ſpäter durch die Befriedigung zurückgehalten worden,

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welche eine ermudete Seele darin findet, ſich in ſo viel⸗ fachen ſüßen Empfindungen zu erholen, endlich aber durch ein Intereſſe eigenthuͤmlicher Art, welches alle meine Ge fühle in Anſpruch genommen, wenn ich Sancy nicht kennen gelernt hätte. Mehrmals hatte der Name Jean nette, welcher einem jungen Mädchen von ſanften Ge ſichtszügen, ungezwungene Heiterkeit, bluhendem und zu friedenem Ausſehen, beigelegt wurde, mein Ohr erreicht und in der Tiefe meines Herzens Wiederklang gefunden. Ich ſuchte in ihre Nähe zu kommen, betrachtete ſie, ver glich unſern Wuchs und unſere Kleidung, fragte mich, ob dieß wohl jene Jeannette ſei; aber in dem Augenblicke, in welchem ich meiner Sache gewiß zu ſein glaubte, ver lor ſie ſich, wie abſichtlich, in der Menge. Endlich brachten die Verwickelungen eines neuen Spiels mich wieder in ihre Nähe, und ich war genöthigt, ihr, wie es daſſelbe vorſchrieb, ein Geheimniß zu ſagen. Ich ergriff ihre Hand, legte ſie auf mein Herz, ſah ihr feſt in die Augen, ſo daß ſie genöthigt war, einen Augenblick meinen Blick auszuhalten, ließ eine Locke meiner Haare herabfallen, gerade wie ſie bei meiner Flucht in Unordnung waren, neigte mich auf ihre Schulter herab, um nicht gehört zu werden und ſagte:Jeannette, Gott wird Dich belohnen, weil Du Dich eines armen Straßenräubers erbarmt haſt! Sie ſtieß einen Schrei aus, und zitternd uͤber meine und ihre Unklugheit, verbarg ſie ihren Schrecken unter einem Vorwande, den ich nicht mehr weiß, und mengte ſich wieder unter ihre Gefährtinnen. (Fortſetzung folgt.)

Die deutſche Bibliothek.

Mit Freuden heißen wir hier ein Unternehmen will⸗ kommen, das wie lange kein ähnliches auf dem Gebiete der ſchönen Literatur, einen ebenſo heilſamen als erfolg reichen Wendepunkt herbeizuführen verſpricht, indem es eine Idee verwirklicht, die nicht anders als belebend und för dernd auf unſere ſchöngeiſtigen Zuſtände einwirken muß. Obwohl dieſe Idee nicht neu iſt und ſchon manchen den⸗ kenden Kopf lebhaft beſchäftigt hat, tritt ſie uns doch hier zum Erſtenmal in ihrer praktiſchen Verwirklichung ent⸗ gegen, wir meinen nämlich einen Verein von Schriftſtellern, die unter den Auſpicien einer wohlgegründeten und geach teten Verlagsfirma(der von Meidinger Sohn und Comp. zu Frankfurt am Main) auf dem Wege der Aſſo⸗ ciation dahin ſtreben wollen, in Deutſchland eine populäre belletriſtiſche Literatur zu gründen, damit endlich auch bei uns einmal in ſchöngeiſtiger Hinſicht ein Zuſtand eintreten möge, um den wir Engländer und Franzoſen ſchon ſo lange beneiden; damit endlich auch bei uns die Werke talentvoller vaterländiſcher Dichter Das ſein und gelten mögen, was ſie ihrem inneren Werth und Gehalt nach verdienen.

Es iſt der deutſche Roman, der ſich endlich den Feſſeln einer bisher unerträglichen materiellen Hemmung zu entringen ſtrebt, indem er die hohen Bücherpreiſe von ſich abſchüttelt und ohne ſich darum ſeiner eleganten Ausſtattung zu entäußern, verſuchen will, ſich durch mög⸗ lichſt niedere Preiſe ſein Heimathsrecht auf deutſchem Grund und Boden wieder zu erobern, das ihm diebei ſpiellos wohlfeilen Bücherpreiſe der Ueberſetzungsfabriken ſo lange ſtreitig gemacht haben.

Dieſes Projekt in's Leben zu rufen, iſt dieDeutſche Bibliothek gegründet worden und zwar ſind es die geach teſten Schriftſtellernamen unſerer Romanenliteratur, die ſich zu dieſem ſchönen Unternehmen vereinigt haben, darunter L. Bechſtein, H. König, H. Kurz, Th. Mügge, O. Müller, R. Prutz, L. Schefer, G. Schir⸗

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