Ausgabe 
7.5.1853
 
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Ein leiſes Kichern von unten herauf ließ ſich während dieſer Unterbrechung vernehmen. Hinter der Maulbeer hecke, die zu äußerſt auf der Terraſſe das Gärtchen ein friedigte, raſchelte es nun plötzlich in den Blättern, die Zweige bewegten ſich, bogen ſich aus einander und zwi ſchen ihnen durch funkelten plötzlich ein Paar lebhafte ſchwarze Augen aus einem noch ganz jugendlichen Geſicht, das kaum die erſten Flaumſpuren eines Bartes trug. Marie, die ſtarr nach der Stelle hingeſehen, ſtieß einen leichten Schrei aus, den ihr jedoch keineswegs eigene Furcht erpreßte.Um Gotteswillen, rief ſie,was machſt Du da, Emil?,

Gib mir einen Kuß, den erſten! bat, halb lachend, halb flehend das Geſicht im Maulbeergebüſche.

Was fällt Dir auch ein, fort, fort! an die Leute, die unten vorbeigehn!

Die ſind mir gleich, wenn ich nur einen Kuß be komme.

Unverſchämter, nimmermehr ſollſt Du mir ſo was abtrutzen können!

Mach ſchnell, Kind, ich werde ſonſt muͤde und falle hinunter, erwiederte der Jüngling, ohne auf den Unwillen des Mädchens beſonders Gewicht zu legen;es iſt eine verdammt unbequeme Lage, ſo zwiſchen Erde und Himmel zu hängen, die morſche Mauer bröckelt mir unter den Füßen weg, hoͤrſt Du?, Es war deutlich herabfallendes Ge rölle zu vernehmen.

Um Gotteswillen! rief jetzt Marie, ängſtlicher und näher an die Hecke tretend,geh' hinunter, Du brichſt ja den Hals!

Wohl möglich, Marie, aber dann biſt Du Schuld daran; ich weiche nicht ohne einen Kuß von Dir.

Aber, Emil, noch am hellen Tage!

Hier ſieht's Niemand.

Nein, nein, geh! thu' mir den Gefallen. Jeſus Marie! der Vater tritt in's Haus, wenn er Dich ſähe! weg! weg!

Nimmermehr, ich bleibe bis...

Aber was wird er ſagen? Wenn Du mich nur ein wenig lieb haſt, ſo geh! wenn Du mich nur ein wenig

Denke nur

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lieb haſt, ſo gibſt Du mir einen Kuß. Mag's am Ende Dein Vater wiſſen, meinetwegen!

Marie war in ihrer Angſt allmählig ganz nahe an den Maulbeerbuſch herangetreten und hatte immer leiſer und leiſer geſprochen, um nicht gehört zu werden. Der Vater drückte bereits die Klinke der Gartenthür, das Mäd chen hörte ihn räuſpern, da bückte ſie ſich ſchnell und gab dem Zudringlichen einen Kuß, wobei ſie heilig verſicherte, dem Verwegenen nimmermehr gut zu ſein. Dieſer lachte, aber wie der alte Soldat in den Garten trat, verſchwand das Geſicht, die Maulbeerzweige ſchlugen zuſammen und eine Secunde nachher hörte man den Fall eines ſchweren Körpers unten auf der Straße. Marie ſchrie leicht auf und drückte, vor Furcht und Verlegenheit glühend, ihr

Geſicht in's Gebüſch, ſie konnte dem Blicke des Vaters

unmöglich ſogleich begegnen. Erſt als der Alte ſie rief, kehrte ſie ſich um und eilte auf ihn zu. Dem Vater fiel allerdings ihr rothes Antlitz auf; es ſei doch heute nicht ſo heiß, ſchien ihm, Marie aber gab dem Feuer Schuld, von dem ſie eben komme; welches Feuer ſagte ſie freilich nicht, und Frangois fragte auch nicht, er war überhaupt

noch zu ſehr mit dem Kaiſer beſchäftigt, für deſſen Ehre

er in der Schenke ſeine Lanze ritterlich eingelegt.

Hm, er hat doch auch mit den Egyptern bald ein Ende gemacht und wären da nur die verdammten rothen Waſſerratten nicht gekommen!... So brummte der Sergeant der alten Garde noch immer in Gedanken vor ſich hin, Marie aber athmete tief auf; ſie meinte, alle Welt und des Vaters helles Auge zuerſt, müßten von ihrem Munde den erſten Kuß eines Mannes ableſen können, ob er zehn Mal ein erzwungener und abgetrotzter war. Das einfache Mahl ging ruhig und ziemlich ſtille vorüber: der alte Sergeant ſchnitt zwiſchenein Quarrées aus Brodrinde und Artillerie bildete er aus gekneteter Krumme; Marie dagegen dankte Gott für den militäri ſchen Rappel, wie ſie, bei aller ſonſtigen Achtung, ſolche nicht ſeltene Anwandlungen des Vaters zu benennen pflegte, denn vor Bewegung und Aufregung, ob ihrer ausgeſtan denen Angſt brachte ſie beinahe keinen Biſſen hinunter.

(Fortſetzung folgt.)

Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden. Edietalla dung.

(677) Nachdem ſich durch die Aufſtellung des Inventars über das Vermögen des wegen Verſchwendung unter Curatel geſtellten Friedrich Roth, Ortsbürgers zu Gronau, eine Ueber ſchuldung herausgeſtellt hat und die für ſolchen be ſtellten Curatoren eine Zuſammenberufung deſſen Gläubiger beantragt haben, ſo werden ſolche hierdurch auf den 20. k. M., Vormittags von 9-11 Uhr,

mit welcher Stunde contumacirt wird, in das Lokal des unterzeichneten Gerichts vorgeladen.

In dieſem Termine haben ſie ihre Forderungen glaubhaft anzumelden und ſich über die Wahl eines Curators zu vereinbaren, auch ſoll gleichzeitig zur Abwendung des förmlichen Concurs⸗Ver⸗ fahrens eine gütliche Uebereinkunft unter ihnen verſucht werden.

Die im vorgedachten Termine nicht erſchei nenden unbekannten Gläubiger werden von die ſem Verfahren ausgeſchloſſen, die bekannten, im Termine nicht anweſenden chirographariſcher Gläubiger aber gleich der Minderzahl der vor⸗

getretenen als dem Beſchluſſe der Mehrheit der erſchienenen Gläubiger beitretend erachtet werden. Bergen den 20. April 1853. Kurfürſtliches Juſtiz-Amt Hille. vdt. Molter.

Bekanntmachung,

betr. Brenn- und Bau⸗, Werk⸗ und Nutzholz⸗ verſteigerung im Großh. Domanialwald Keller berg, der Oberförſterei Oberrosbach.

(679) Donnerſtag den 12. d. M. wird in dem oben genannten Diſtrikte das nachver⸗ zeichnete Holz an die Meiſtbietenden öffentlich verſteigert:

1% Stecken Buchen-Seitholz, 45 ½ Eichen⸗Scheitholz, 4% Buchen-Prügelholz, 3272 Eichen- u. Birken-Prügelholz, 22 Nadel-Prügelholz, 3% Buchen-Stockholz, 90Eichen- u. Nadel⸗Stockholz, 2593 Wellen Buchen-Reisholz, 32Eichen- u. Birken⸗Reisholz, 709 Nadel-Reisholz, 9% Wagen Schlagabraumholz, 87 Eichen⸗Stammabſchnitte von bis 21½¼ Durchmeſſer und 41 Länge, 4 Buchen⸗ und Birken⸗Werkholzſtämme,

1 Eichen⸗Werkholzſtange,

1 Buchen-

15 Nadelholz-Baumſtangen, 150 Nadelholz⸗Nutzgerten und 10 Gebund Buchen-Erbſenreiſig.

Es wird präcis 8 Uhr mit dem Bau⸗, Werk und Nutzholz der Anfang gemacht und nach Verſteigerung deſſelben das Brennholz ausgeboten.

Oberrosbach den 2. Mai 1853.

Der Großh. Oberförſter der Oberförſterei Oberrosbach Bingmann. Fruchtverſtei gerung. (680) Donnerſtag den 12. Mai l. J., von Morgens 10 Uhr an, ſollen von dem Gräflich Solms⸗Rödelheim'ſchen Speicher zu Münzen⸗ berg, in der Behauſung des Gräflichen Ver walters Wagner daſelbſt, etwa 1 166 e Cerſe 18521 Ernte, unter den bei der Verſteigerung bekannt gemacht werdenden Bedingungen öffentlich verſteigert werden.

Aſſenheim den 28. April 1853.

Gräfl. Solms⸗Rödelheim'ſche Fruchtverwaltung.

Gras verſteigerung.

(69) Donnerſtag den 12. Mai, Morgens um 8 Uhr, werden in hieſigem Rathhauſe die

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