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Intelligenz-Blatt
fuͤr die
Provinz Oberheſſen im Allgemeinen, den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke
im Beſonderen.
M 61.
Sonnabend den 6. Auguſt
1853.
Amtlicher Theil.
Das Großhekzoglich Heſſiſche Kreisamt Friedberg an die Großh, Buͤrgermeiſter des Kreiſes.
Betreffend: Die Unterhaltung der Straßen, insbeſondere die Kreis⸗ und Ortstafeln.
Die Verfügung vom 10. Mai d. J. in obigem Be⸗ treffe iſt von den meiſten Bürgermeiſtern noch nicht befolgt und die deßfalls geforderten Berichte erſtattet worden.
Ich ſehe mich veranlaßt Sie hieran binnen 8 Tagen zu erinnern.
Friedberg den 29. Juli 1853.
de Beauclair, Kreisaſſeſſor.
SaSe
an die Großh. Bürgermeiſter des Kreiſes und die Gensdarmen.
In der Nacht vom 24. auf den 25. d. M. gegen 1 Uhr iſt am Ufer des Mains zu Hanau, im Waſſer, das nachſtehend beſchriebene Kind, weiblichen Geſchlechts, lebend gefunden und aus dem Waſſer herausgezogen worden.
Sie werden Nachforſchungen nach der Mutter oder den Eltern anſtellen laſſen und ein etwaiges Reſultat als⸗ bald einberichten.
Friedberg am 3. Auguſt 1853.
de Beauclair, Kͤreisaſſeſſor.
Beſchreibung des Kindes:
Das Kind iſt wohl genährt und ſehr reinlich gehal— ten, ungefähr 2 Jahre alt, hat weißlich blonde Haare, blaue Augen, rundes Geſicht und als beſonderes Kenn— zeichen unterm rechten Backen eine einen Zoll lange Narbe, die an der Seite des unteren Kiefers herläuft, und von einem Fall auf einen kantigen Gegenſtand herzurühren ſcheint, und nach auswärts gebogene Beine.
Kleidungsſtücke:
10 ein weißes Piqueröckchen, deſſen ſog. Leibchen von weißem Barchent iſt,
20 ein baumwollenes Hemdchen mit Tillkrägelchen, roth gez. W.(unten);
3) ein Paar baumwollene Strümpfe, unten blau und weiß, oberhalb der Wade roth und blau;
4) ein Paar kalblederne Schnürſchuhe.
Bekanntmachung.
Am Donnerſtag den 25. Auguſt und Dienſtag den 30. Auguſt finden keine Amtstage ſtatt, was zur oͤffent⸗ lichen Kenntniß gebracht wird. Friedberg den 27. Juli 1853. Großherzogl. Landgericht Hofmann.
Thereſe Aubert.
Wahrheit und Dichtung in Form einer Memoiren-Novelle. Von Charles Nodier.
Das Manuſcript zu dieſer Erzählung wurde in einem Hauſe gefunden, welches in der Schreckenszeit der erſten franzöſiſchen Re⸗ volution zum Gefängniſſe gedient, ſeitdem aber ſeiner früheren Be⸗ ſtimmung wieder zurückgegeben worden iſt. Die Handſchrift lag ohne weitere Vorſichtsmaßregeln unter einer ſteinernen Bodenplatte ver- borgen, ſo daß, weil Zeit und Feuchtigkeit an mehreren Blättern ihren verderblichen Einfluß geübt hatten, einige Lücken entſtanden waren, welche der Herausgeber auszufüllen ſich genöthigt ſah. Dieß iſt der einzige Antheil, den er an dem Werke hat, denn er hat nichts am Style geändert, ſelbſt an Stellen, wo nur wenige Striche nöthig geweſen wären, um denſelben beſſer zu machen. Er glaubte nämlich, daß die Empfindungen eines gefühlvollen, unglücklichen jungen Mannes einen Charakter an ſich tragen, den man unter dem Vorwande, daß die Ausdrücke, mit denen er ſie kund gab, nicht immer gut gewählt ſeien, nicht zu verändern berechtigt iſt. Er hat ſogar einige leichte Incorreetheiten, aus Rückſicht für die Gefühle, ſtehen laſſen, obgleich die Gefühle, welche der Verfaſſer zu beſchreiben verſuchte, nicht gerade von allgemeinem Intereſſe ſind. Dieſer Unglückliche hatte nur eine Art von Gemüthsdewegung kennen zu lernen Gelegenheit, welche in⸗ deſſen wenige Menſchen tief empfinden, und deren Erinnerung von dem gereiften Menſchen zurückgewieſen wird, den Kalten beläſtigt, den Verderben aufbringt, und ſich höchſtens in gewiſſen leidenſchaft⸗ lich zärtlichen Gemüthern erhält, die das Unrecht oder das Unglück hatten, nichts Beſſeres zu finden. Wenn man ſicher wäre, mit allen denjenigen einen Gedanken gehabt zu haben, die uns verſtehen, ſo würde man ohne Zweifel nichts ſchreibenz aber wofür ſchreibt man denn überhaupt, als um dieſe aufzuſuchen?
Der Herausgeber einer Erzählung, wie die nachſtehende, weiß zum Voraus, daß er einem verdammenden Vorwurfe nicht entgehen wird, nämlich dem: dem Leſer zu düſtere Bilder vorzuführen und dadurch in ſeinem Herzen gar zu peinliche Gefühle zu erregen. Es iſt nicht zu läugnen, daß dieſe traurige Zerſtreuung glücklicherweiſe nur einer kleinen Zahl ſchmerzerfüllter Seelen zuſagt, welche ein


