Ausgabe 
3.8.1853
 
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hat es vermuthlich geglaubt, denn ſie kehrte ſogleich wie der nach Hauſe.Rateau hat ihr alſo Herrn Eugen's Heimkehr gemeldet? fragte ich.So ſagte mir der Lakai Robert, erwiderte Philipp;aber Didier der Maurer verſicherte mich, die Gräfin ſeie ſchon vorher krank ge weſen; die Ratten in dem kleinen Kloſett haben ſie ſo er ſchreckt!Die Ratten? rief ich, fuhr raſch vom Bette auf und ſtierte ihn wild an;was fur Ratten? in wel⸗ chem Kloſett?Jenun in dem Kloſett neben ihrem Schlafzimmer! der Graf ſandte nach Didier und ließ es ſogleich zumauern, erzählte Philipp weiter.Zu⸗ mauern? das Kloſett vermauern? ſchrie ich verzweif lungsvoll.Ja, zumauern und begypſen. Aber was iſt Dir denn, Roſine? O ich hatte Dir nicht erzählen ſollen, daß die Gräfin krank ſei! rief er, höchlich erſchrocken über meine Aufregung.Verlaß mich um Gotteswillen und ſchicke mir meine Mutter! rief ich. 0

Von Allem, was hernach ſich ereignete, eine lange lange Zeit hindurch, habe ich gar keine Erinnerung mehr. Als meine Mutter in die Kammer trat, fand ſie mich im Nachtgewand, wie ich eben die Betttücher zuſammenband, um mich aus dem Fenſter zu laſſen, obſchon die Thüre weit offen ſtand; aber ich war im wildeſten Delirium. Wochen vergingen, bevor ich wieder zur Beſinnung kam, und ehe dieß geſchah, waren meine gute Gebieterin und ihr kleiner Säugling ſchon begraben, der Graf fortge gangen, Niemand wußte wohin, die Dienerſchaft entlaſſen und das unſelige Haus verſchloſſen. Nicht lange darauf kam die Nachricht, der Graf ſei in Paris geſtorben....

Aber, liebe Roſine, fragte ich jetzt die Blinde; wiſſen Sie auch gewiß, daß Eugen v. Beaugency in dem Kloſett war? Woher wiſſen Sie denn, daß ihn der Graf nicht zuvor losließ?

Ach, Madame, verſetzte ſie und ſchüttelte den zit ternden Kopf;Sie würden dieſe Frage nicht an mich ſtellen, wenn Sie Ruy Gonzalez ſo gut gekannt hätten als ich. In dem Augenblick, wo die Worte über Philipp's Mund gingen, begriff ich Alles. Es ſah dem Grafen auf's Haar ähnlich es war ganz die Rache, die dieſer düſtre unbeugſame Geiſt nehmen mußte. Ueberdem hat mich Didier der Maurer ſpäter als Alles vorüber war und er ſprechen durfte, mehrmals verſichert, er laſſe ſich nicht ausreden, daß nicht irgend ein lebendes Weſen in dem Kloſett geſteckt habe, als er es zugemauert, obwohl er natürlich nicht ſagen oder errathen könne, wer es ge weſen.

Und glauben Sie denn, Roſine, daß die Gräfin das Geheimniß jenes fürchterlichen Kloſetts je geahnt habe?

Gewiß hat ſie es, Madame, und dieß eben war ihr Tod, gab mir die Blinde zur Antwort;denn als die Gräfin ſo unvermuthet wieder zurückkam, war ihr Gemahl droben in ſeinem Zimmer mit ſeinem Agenten eingeſchloſſen und traf alle Vorkehrungen, um den Ort für immer zu verlaſſen, und hatte Befehl gegeben, daß man ihn nicht ſtören ſolle. Er hatte die Zimmer der Gräfin verſchloſſen und trug den Schlüſſel bei ſich; aber er ſchien vergeſſen zu haben, daß fuͤr jedes Zimmer im Hauſe noch ein zweiter Schlüſſel vorhanden war, welchen die Wirthſchafterin in Verwahrung hatte. Darum ſandte die Gräfin, ohne ihren Gemahl ſtören zu laſſen, nach dieſer und ließ ſich ihr Zimmer öffnen. Nun reimte ſie ſich Manches zuſammen mein ängſtliches Weſen, des Grafen Aufregung, dann mein plötzliches unerklärliches Verſchwinden, ihre eigene Abreiſe, auf welche der Graf ſo ſehr gedrungen hatte, und die Erzählung des Gaſtwirths Rateau all das zuſammen mußte ſie argwöhniſch ma chen und etwas ahnen laſſen, wenn ſie auch noch nicht

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wußte, was eigentlich geſchehen war. Als aber ihr Blick auf die friſch zugemauerte Thüre des Kloſetts fiel, da fiel es ihr wie Schuppen von den Augen und nun begriff ſie Alles! Das Uebrige können Sie ſich denken, Madame, denn Worte könnten es nicht beſchreiben! Als ihre Leute in das Schlafzimmer der Gräfin kamen, ſchlug ſie wie wahnſinnig mit dem Schüreiſen gegen die Wand, aber einige Stunden ſpäter endete ihr Leiden, denn ihre Lebens kraft zehrte ſich ſelber auf und ſie war bereits geſtorben, als Philipp mich mit ihrer Rückkehr und Erkrankung be kannt gemacht hatte!

Da haben Sie ja ein entſetzliches Trauerſpiel mit erlebt! ſagte ich.Und was iſt aus Philipp geworden?

Er ſtarb wie die Anderen ungefähr ein halbes Jahr nach jenem erſchütternden Ereigniß. Als ich wieder von meiner Krankheit hergeſtellt war, ging ich in fremde Dienſte, und bin in den letzten vierzig Jahren Wirthſchaf terin bei dem Herrn Pfarrer hier geweſen, bei welchem ich noch das Gnadenbrod genieße!

Und iſt der Herr Pfarrer die einzige Perſon, die das verlaſſene Haus betritt? fragte ich.

Allerdings, war die Antwort;es ſteht im Verruf und Niemand wagt ſich hinein. Ich war auch einmal dort nur ein einziges Mal um jene verhängniß volle Stube zu ſehen und das Bett, worauf meine arme Gebieterin ſtarb. Als das Haus vermiethet wurde, hatte man zwar dieſe Zimmer abgeſperrt, aber die Miethsleute, ſetzte ſie mit wehmüthigem Kopfſchütteln hinzu,waren immer froh, wenn ſie nur wieder aus dem Hauſe hinaus waren.

Und zu welchem Zweck geht der Herr Pfarrer ſo oft dorthin? fragte ich weiter.

Um für das Seelenheil der Unglücklichen zu beten! entgegnete die Blinde und bekreuzte ſich andächtig.

Tief erſchüttert von ihrer Erzählung, verabſchiedete ich mich von dem einzigen überlebenden Zeugen dieſer längſtvergeſſenen Gräuel, und beſuchte noch einmal in Begleitung des Geiſtlichen das entſetzliche Gemach.Ach,

Madame, verſetzte er,welch ein armſelig Ding iſt es

doch um die menſchliche Natur mit ihren Leidenſchaften, Thorheiten und ihrem aberwitzigen Drang nach Rache! Iſt es nicht ein ſchmerzlicher Gedanke, daß ſo innige Lieb der Grund zu ſo vielem bittern Weh werden ſollte?

Altes Gold.

Man hört heutzutage ſo viele Klagen über herunter gekommenen Wohlſtand und große Lumperei, daß man verſucht wird, einmal nach den Quellen zu fragen. Seit der ſogenannten Freiheit hat das Uebel ſo überhand ge nommen, daß es Einem einen Schauder austreibt und man das Herz bluten fühlt, wenn man die armen Kinder ſieht. Aber es iſt nicht immer und überall die wenige Arbeit! Bei der Bürgerwehrnarrheit iſt Mancher zum Lumpen geworden. Ging's aus zum Exerciren, das ohne hin ein Soldatchesſpielen alter Narren war, ſo wurde Eins getrunken; war man ein Bißchen mit dem Kühfuße ſpaziert, ſo wurde Eins getrunken; ging man endlich heim ditto. Das gab dann pfeilſchnell eine edle Gewohn heit. Das erinnert auch an ein Sprüchlein, das man hätte in die Bürgerwehrfahnen recht groß hinein ſchreiben ſollen. Es heißt:

Viel Zechen und Gaſten Leert Beutel und Kaſten Und führet zum Faften!

Hinter der ſogenannten Bürgerwehr iſt ein allge

meiner Faſttag in viele Familien gekommen. Geb's Gott,

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