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Intelligenz-Blatt
fuͤr die
Provinz Oberheſſen im Allgemeinen,
den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.
M 60.
Mittwoch den 3. Auguſt
Amtlicher Theil.
Das Großherzoglich Heſſiſche Kreisamt Friedberg
an die Großh. Bürgermeiſter des Kreiſes und den
Polizeicommiſſär zu Wickſtadt.
Betreffend: Die Reviſion der Maaße und Gewichte im Baubezirke Friedberg.
Den nachſtehenden, mir abſchriftlich zugekommenen Erlaß Gr. Oberbaudirection vom 18. Juli d. J., ad Nr. O. B. D. 8346, theile ich Ihnen, inſoweit er Sie na⸗ mentlich angeht, zur Kenntnißnahme und unter der Em⸗ pfehlung mit, die bei der hiernach vorzunehmenden Reviſion der Maaße und Gewichte von Ihrer Seite erforderliche Mitwirkung eintreten zu laſſen.
Friedberg den 27. Juli 1853.
de Beauclair, Kͤreisaſſeſſor.
Die Gr. Heſſ. Oberbaudirection an Großh. Kreis⸗ bauamt Friedberg.
Wir haben eine Reviſion der Fruchtmaaße, Waagen und Gewichte in Ihrem Baubezirk mit Ausnahme der Orte Friedberg, Butzbach, Büdingen und Vilbel jedoch nur be⸗ zuglich der Waagen und Gewichte, da dieſe erſt vor weni⸗ gen Jahren revidirt worden ſind, beſchloſſen und beauf— tragen Sie daher, dieſelbe nach Maßgabe der in Grimms Werk über das Maaß- und Gewichtsweſen, Abſchnitt V §. 13 enthaltenen Beſtimmungen durch den Kreisbauauf— ſeher-Candidaten Metro, welchen wir hierzu bereits aufge⸗ fordert haben, vollziehen zu laſſen.
Als Reviſionszeichen iſt der kleine deutſche Buchſtaben e beſtimmt worden.
Da bei dieſem Geſchäfte die Mitwirkung der Orts⸗ polizeibehörden erforderlich iſt, ſo haben wir die Gr. Kreis⸗ ämter Friedberg, Büdingen und Vilbel hiervon in Kenntniß geſetzt und ſie erſucht das Erforderliche hiernach zu verfügen.
Darmſtadt am 18. Juli 1853.
In Erledigung der Directorſtelle: Schleuning. Heinzerling.
Das öde Landhaus. Ein Reiſeabenteuer. (Schluß.)
„Zwei Tage lang hörten wir übrigens, zu meiner großen Verwunderung, gar Nichts; am dritten aber kam Philipp(der junge Mann, mit dem ich verlobt war), weil er gehört hatte, daß ich nicht mehr in der Cham— pagne Beaugency ſei, in die Hütte meiner Mutter und erkundigte ſich nach mir. Wir hatten uns ſeit längerer Zeit nicht mehr geſprochen, weil mir die Gräfin aus Furcht vor dem anſteckenden Fieber allen Verkehr mit ihm unterſagt hatte, ſo daß wir nur durch meine Mutter uns Grüße beſtellen konnten.„Roſine iſt hier und hat wahr⸗ ſcheinlich das Fieber bekommen,“ ſagte meine Mutter, denn obwohl wir zu Philipp das größte Vertrauen hatten, hielten wir es doch fuͤr gerathener und ſicherer für ihn, wenn er nicht um die letzten Vorfälle wiſſe. Darauf ver— langte er dringend, mich zu ſehen und die Mutter führte ihn in meine Schlafkammer. Nachdem ich ihn nach ſeinem Befinden befragt und ihm geſagt, daß mir ſehr ſchlecht zu Muthe ſei und dergleichen, ſagte er:„Das iſt für die arme Gräfin ſehr unangenehm!—„Was denn?“ fragte ich.—„Jenun, daß Du gerade in dieſem Augenblicke krank biſt, wo ſie Deiner ſo ſehr benöthigt ſein muß!/ —„Was willſt Du denn damit ſagen?“ rief ich;»die Gräfin iſt ja verreist!“—„Weißt Du denn nicht, daß ſie wieder zurückgekommen und ſehr krank iſt?“ fragte Philipp;„man hat nach dem Arzte geſchickt, und ſie ſoll ſehr übelauf ſein!“—„Barmherziger Himmel!“ rief ichz „iſt's möglich? meine arme Herrin krank und ich nicht bei ihr?“—„Robert, der Lakai erzählte mir,“ fuhr Philipp fort—„aber er drang in mich, es ja Niemand zu ſagen — als der Neiſewagen der Gräfin vor dem Wirthshauſe in Montlouis angekommen, ſei Rateau der Gaſtwirth her— ausgetreten an den Wagenſchlag, und habe die Gräfin gefragt: ob ſie auch ſchon Herrn Eugen von Beaugency wiedergeſehen? Darauf ſei die Gräfin ganz blaß gewor— den und habe gefragt:„wiſſen Sie denn nicht, Herr Rateau, daß mein Vetter im Felde geblieben iſt?/ Der Wirth aber habe ſie verſichert, dem ſei nicht ſo und Herr Eugen ſeie erſt zwei oder drei Tage vorher bei ihm ein⸗ gekehrt auf dem Wege nach ſeines Oheims Gute.— Rateau muß natürlich irgend einen andern landfremden Menſchen wegen einer zufälligen Aehnlichkeit für Herrn Engen von Beaugency gehalten haben, aber die Gräfin


