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wäre er aber nicht krank, ſo ſeie ſein Betragen unver— zeihlich und mache jedes Entgegenkommen von Emiliens Seite unmöglich.— Emilie erſchrack ob dieſer Auskunft, bebte aber auch vor dem Gedanken zurück, die Gränze des Schicklichen und Wohlanſtändigen und derjenigen Würde zu überſchreiten, welche ſie ſich und ihrer Familie ſchuldig zu ſein glaubte; ſie wäre lieber geſtorben, als daß ſie in Guſtav's Augen ſich einer Unſchicklichkeit ſchul— dig gemacht oder unweiblich gezeigt hätte. Andererſeits freilich flüſterte ihr eine unbeſtimmte Ahnung zu: der geradeſte und kuͤrzeſte Weg wäre, einfach an Guſtav zu ſchreiben und ſich von ihm eine Erklärung auszubitten. Sie ſelbſt vermochte darin keinerlei Unrecht zu ſehen, allein ſie traute hierin ihren Eltern mehr Urtheilsfähigkeit zu und begab ſich ihrer eigenen Anſicht. Emilie war etwa neunzehn Jahre alt, und ſtand gerade auf demjenigen Punkte der Charakter-Entwickelung, wo ein ſinnendes forſchendes Gemuͤth nicht länger mit dem argloſen Glau— ben der Jugend ſich auf die nur durch Autorität ſanktio— nirten Verſicherungen verlaſſen kann, und wo ein miß— trauiſches zu ſchüchtern iſt, um ſeinen eigenen Ahnungen und Einfällen zu vertrauen. Nur in Folge langer Er— fahrung oder eines jener bittern Mißgriffe, welche die großen Lehren des Lebens bilden, lernt ein ſolcher Cha— rakter, daß Selbſtvertrauen mit Ueberlegung und Demuth ausgeübt, die einzige Sicherung gegen bevormundete Vor—
urtheile und die einzige Richtſchnur für die Rechtſchaffen— heit des Einzelnen iſt.
Emilie ſchrieb alſo nicht an Guſtav, ſondern lebte im ſtummen, aufreibenden Schmerz und Kampf zwiſchen ſteter Hoffnung und dauernder Enttäuſchung hin. Um ſie einigermaßen zu beruhigen, erkundigte ſich ihre Mutter ſchriftlich bei ihren Verwandten in Berlin, ob dieſe Herrn Guſtav Wartmann in der letzten Zeit nicht geſehen habe. Die Antwort auf dieſen Brief war ein herber Schlag für die arme Emilie. Die Freundin ihrer Mutter ſchrieb nämlich: Guſtav habe ſchon ſeit geraumer Zeit ihr Haus gemieden; ſie ſeye ihm vor wenigen Tagen auf der Straße am Arme einer Dame begegnet, wo er mit einer ſehr kalten und förmlichen Verbeugung an ihr voruͤbergegangen ſei und ihr ſcheinbar auszuweichen verſucht habe; ſein Benehmen ſei ihr unbegreiflich.— Oberſt v. Holz, von Natur aus heftig, konnte ſeine Entrüſtung nun nicht länger zurückhalten. Er verbot es, den Namen Guſtav's je wieder zu nennen, und erklärte, ſeine Emilie ſeie zu ſchön und zu gut, um die Frau eines gemeinen Kauf— manns zu werden, und er ſelber verdiene die Demüthigung und den Schimpf, der hierdurch ſeiner Familie angethan worden ſei, weil er ſich ſoweit vergeſſen, die Würde des Hauſes durch die Einwilligung zu dieſer Mißheirath zu beeinträchtigen.„Emilie,“ ſchloß er,„ich glaube, daß es Dich namenlos ſchmerzt; aber Du wirſt hoffentlich Deiner Familie und Herkunft würdig ſein und keiner falſchen trügeriſchen Nachſicht gegen den Nichtswürdigen in Deinem Herzen Raum geben!“
(Fortſetzung folgt.)
Bekanntmachungen von Be— hoͤrden.
NIN Bekanntmachung. (13 Auf freiwilliges Anſtehen wird Mittwoch den 16. März d. J., Nachmittags 3 Uhr, die in Gonzenheim(bei Homburg v. d. H.) gelegene Erbleihmühle des H. J. F. Minoprio von Frankfurt a. M. in der Mühle ſelbſt öffent⸗ lich an den Meiſtbietenden verſteigert.
Die Mühle beſteht aus einem Wohnhaus, Scheune, Stallung, Mühlenwerk mit 2 Gängen, Garten und Ackerland von circa 3 Morgen. Die Gebäulichkeiten können an 3 Tagen in der Woche, Dienſtags, Mittwochs und Donnerſtags in Augenſchein genommen werden. i
Die Verſteigerungsbedingungen werden im Termin ſelbſt bekannt gemacht, jedoch ertheilt Eigenthümer auch vorher darüber nähere Aus- kunft.
Homburg den 21. Januar 1853.
Landgräflich Heſſiſches Juſtizamt Dr. Haupt.
Obligations⸗Verlooſung.
(241) Aus dem Anleben von fl. 54,000. bei den Handlungshäuſern Samuel Lindheimer in Friedberg und H. Lißmann in Büdingen ſind folgende Obligationen durch Verlooſung rück⸗ zahlbar geworden: Lit. A. No. 8, 37, jede à fl. 500.
i. 33, jede à fl. 200.
C.„ 65, 58, 55, 45, jede à fl. 100. deren Betrag vom 1. April d. J. bei der Ge⸗ meindekaſſe dahier in Empfang genommen wer- den kann, da von dem Verfalltage an keine weiteren Zinſen mehr vergütet werden.
Bleichenbach im Januar 1853. 1 Der Großherzogl. Bürgermeiſter Deckmann.
Edictalladung.
(234) Nachdem über das Vermögen des Martin Lack zu Dorheim, nach mißlungenem Güteverſuche, der förmliche Concurs erkannt
worden iſt, werden ſämmtliche Gläubiger des⸗ ſelben hierdurch vorgeladen, in dem auf Montag den 14. k. M., Vormittags
9 Ubr, anberaumten Liquidationstermine ihre Forderun⸗ gen an den genannten Gemeinſchuldner, bei Meidung des Ausſchluſſes von der Concursmaſſe, entweder in Perſon oder durch gehörig legiti⸗ mirte Bevollmächtigte unter Angabe ihrer Be⸗ weismittel bei unterzeichnetem Gerichte anzu— melden und zu begründen.
Zugleich wird bemerkt, daß die Bekanntma⸗ chung des demnächſtigen Präcluſivbeſcheides nur durch Anſchlag im Gerichtslokale bewirkt wer⸗ den wird.
Nauheim am 12. Februar 1853.
Kurfürſtliches Juſtizamt Kroeber.
„dt. Schlarbaum.
Holzverſteigerung. (298) Freitag den 4. März d. J., Vormit⸗ tags 10 Uhr, werden im Oſſenheimer Wäldchen verſteigert: 8 3 Stecken Buchen-Scheitholz,
2„„ Aſtprügelholz, 40 1„ Durchforſtungsprügelholz, 16„„ Stockholz, 9„ Eichen⸗Stockholz, 56„ Buchen-Reisholz, 94 Eichen⸗*
Forſthaus Beinhards am 23. Februar 1853. 8 Der Gräfl. Revierförſter Hartmann
Garten ⸗ Verpachtung. (31) Montag den 7. März d. J., Vor⸗ mittags um 11 Uhr, wird in hieſigem Rath⸗ hauſe ein zum Nachlaſſe der Heinrich Schleunings Wittwe gehörendes Grundſtück, 20 Ruthen, auf dem Krämer auf 3 Jahre öffentlich meiſt⸗ bietend verpachtet. 2
Friedberg den 28. Februar 1853.
In Auftrag Gr. Heff. Landgerichts Der Großherzogl. Bürgermeiſter
Bender.
Bekanntmachung.
1315) Nach hober Verfügung der Großh. Heſſiſchen Oberſtudien- Direktion wird bis den 11. März, Vormittags von 8 bis 12 Uhr, die diesjährige öffentliche Prüfung der Taubſtummen in unſerer Anſtalt auf dem hieſigen Rathhauſe vorgenommen werden. Alle, welche fich über⸗ zeugen wollen, was der Herr auch in dem ver⸗ floſſenen Schuljahre an dieſen Unglücklichen ge— than hat, find von dem Unterzeichneten höflichſt dazu eingeladen.
Friedberg den 1. März 1853.
r Gr. Direktor der Anſtalt Holzverſteigerung.
(316) Freitag den 4. März d. J., Morgens 10 Uhr, ſoll im hieſigen Gemeindewald, Diſtrikt Waſſerdöll, nachſtehendes Holz öffentlich meiſt⸗ bietend verſteigert werden:
2½ Stecken Aspen⸗Scheitholz,
E„ Buchen⸗Prügelholz,
3%„ Eichen- u. Birken-Prügelholz, 954„ Aspen⸗Prügelholz, 225 Stück Buchen-Wellen,
200 Eichen- u. Birken⸗Wellen, 500— Aspen⸗ u. Weiden⸗ 450 Bohnen-Stangen. Die Zuſammenkunft iſt vor dem Wald an den Tannen. Niederrosbach den 24. Februar 1853. Der Großherzogl. Bürgermeiſter Groh.
een enn von Eichen-Lobrinden im Revier Oberrosbach
(317) Montag den 14. März l. J., des Vormittags um 10 Uhr, ſoll das Ergebniß der diesjährigen Eichen⸗Lohrinde im Gemeindewald der Gemeinde Oberrosbach, eirca 500 Centner, auf dem Rathhauſe daſelbſt an die Meiſtbie⸗ tenden öffentlich verſteigert werden. Der Schlag im Salzberg, worin geſchält wird, kann vor der Verſteigerung beliebig eingeſehen werden. Oberrosbach den 23. Februar 1853. Der Großherzogl. Bürgermeiſter Blecher.


