Ausgabe 
28.5.1874
 
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N 0 5

25. Mai. Heute Vormittag traf Kaiser Wilbelm hier ein und wurde auf dem Bahnhofe von dem Kaiser Alexander empfangen. Die beiden Kaiser begaben sich durch die festlich geschmückten Straßen nach dem Hotel zu denVier Thürmen, wo die Königin von Württemberg sie erwartete.

Dresden. Der Ausschuß des Journalisten⸗ tages beschloß in Folge einer Einladung de Magistrats von Baden-Baden, den neunten Jour- nalistentag in Baden-Baden vom 25. bis 28. Juli d. J. abzuhalten.

Kiel. Ende nächsten Monats wird die Dampf- CorvetteGazelle unter dem Commando des Capitäns zur See v. Schleinitz von Kiel aus die eine der fünf deutschen Expeditionen zur Be⸗ obachtung des Vorüberganges der Venus vor der Sonnenscheibe am 8. Dezember 1874 nach ibrem Bestimmungsorte, den Kerguelen-Inseln im süd⸗ lichen indischen Ocean, bringen. Nach Beendigung der dort anzustellenden Beobachtungen und Arbeiten soll dieGazelle die Astronomen der Venus- Expedition nach Mauritius bringen und von dort eine größere wissenschaftliche Forschungsreise durch den indischen, stillen und atlantischen Ocean unternehmen.

Straßburg. Wie derNiederrh. K. hört, ist der Reichstags Abgeordnete Lauth entschlossen, über sein Verhalten während der Reichstags⸗Session ein Schreiben an seine Wähler zu versenden.

23. Mai. DasElsässer Journal ver- öffentlicht eine don 80 der angesebendsten Alt- straßburger Bürgern und Handelsfirmen unterzeich nete Petition an den Reichskanzler um beschleunigte Erweiterung der Stadt. Der Eingang der Adresse weist auf die Haltung Lauth's hin, wodurch die Stadt der Vertretung im Reichstage entbebre und darum sich vertrauensvoll an den Reichskanzler, den beredtesten und unermüdlichsten Vertreter der Wünsche und Beschwerden des Landes, wende.

Die kleine Festung Marsal, welche als solche eingeht, wird, derK. Zeitung zufolge, in diesem Jahre der Schauplatz einer größeren Mineur- Uebung sein, zu welcher die Mineur. Compagnien des hessischen, des badischen und des 15. preußischen Pionnier⸗Bataillons herangezogen werden sollen. Bei dieser Uebung sollen die ein zelnen Fronten der alten Befestigung mit Pulver auf verschiedene Weise gesprengt werden, während man die kleineren detachirten Forts Harraucourt

und Orleans mit Dynamit- und Nitroglycerin Präparaten zerstören will.

Ausland.

Oesterreich⸗Ungarn. Wien, 24. Mai. DasCorrespondenz- Bureau meldet, in Kon- stantinopel habe ein Mordanfall auf den Director des öslerreichischen Lloyd, Nikolitsch, stattgefunden, wobei derselbe durch einen Pistolenschuß schwer verwundet wurde.

Pest, 22. Mai. Nachdem zwischen den Be schlüssen beider Delegationen vollkommene Ver- ständigung erzielt worden ist, erfolgte heute Abend die Schluß ⸗Session, wobei Graf Andrassy den Dank und die Anerkennung des Kaisers aus sprach. Der Präsident v. Rechbauer betonte in seiner Schlußrede den Wunsch, es möge der Fieberparoxismus, welcher ganz Europa in die Rüstung stürzt, aufhören und die Völker dem friedlichen Culturkampf wiedergeben. Schweiz. Bern, 23. Mai. Zur Auf⸗ nahme in das neue katholische Ministerium des Cantons Bern haben sich bis jetzt 16 Priester gemeldet.

Bern, 25. Mai. Der in Winterthur tagende Congreß schweizer Arbeiter beschloß die Ausschließung des deutschen Arbeitervereins in Zürich und die Annahme der täglichen Zehn- stunden⸗Arbeit.

Frankreich. Paris. Der Oberst Stoffel hat gestern die dreimonatliche Gefängnißstrafe an gelreten, welche ihm wegen Beleidigung des An- klägers im Processe Bazaine, General Pourcet, zuerkannt worden ist.

Stande sei, irgend einem Ministertium eine feste Majorität zu geben, könne sie nicht weiter regieren; er hoffe, sie werde die Nothwendigkeit begreifen, das Land als souveränen Schiedsrichter über die Meinungsverschiedenheiten in der Versammlung aufzurufen.

Versailles, 22. Mai. Das Ministerium ist folgendermaßen konstituirt: Cissey, Krieg und Bite Präsidentschaft des Ministerraths, Decaz's, Auswärtiges, Fourtou, Inneres, Magne, Finan- zen, Caillaux, öffentliche Arbeiten, Grivart, Han⸗ del, Cumont, Unterricht, Tailhaud, Justiz, Montaignac, Marine.

Spanien. Santander, 24. Mai. General Concha wird nach Eintreffen von 20,000 Mann Verstärkungen die Operationen auf der Linie Vittoria-Miranda wieder aufnehmen. Die Carlisten- Armee hat sich in kleinen Abtheilungen über die Baskischen Provinzen, Navarra und Aragonien verbreitet. Die Einwohner von Biscava und Navarra flüchten, um dem carlistischen Massen⸗ Aufgebot zu entgehen.

Barcelona, 26. Mai. Don Alphons und die Gemahlin des Don Carlos organisiren in Sochona Truppenabtheilungen. Der General- lapitän von Catalonien hat 4000 Mann Ver- stärkungen verkangt, widrigenfalls er seint De⸗ mission geben werde.

Italien. Rom, 21. Mai. In der Sitzung der Abgeordnetenkammer vertheidigte Mingbetti den Gesetzentwurf in Betreff der Ungültigkeit der un- registrirten Acte und stellte bezüglich des Ueber- gangs zur artikelweisen Berathung die Cabinets- frage. Die Abstimmung wird über den Antrag des Ausschusses, welcher auf Nichteingehen in die Specialberathung lautet, stattfinden. Die Deputirtenkammer hat den Antrag der Commission,

in die Specialdebatte des Gesetzes, betreffend die

Annullirung nichtregistrirter Acte, nicht einzugehen, mit 190 gegen 179 Stimmen verworfen.

Rom, 24. Mai. Der gestrige Empfang im Vatikan ist eingestellt worden, da der Papst in Folge einer leichten Erkältung einen Fieberanfall hatte, der jedoch, derAgenzia Stefani zufolge, durchaus unbedenklich ist. 25. Mai. Das Unwohlsein des Papstes dauert fort, doch hat derselbe gestern einige Stunden außerhalb des Bettes zugebracht. Die Zuziehung anderer Aerzte neben seinen Leibärzten dat der Papst abgelehnt.

Rom, 25. Mai. In der Deputirtenkammer machte Minghetti die Mittheilung, das Mini sterium babe in Folge des gestrigen Kammer Votums seine Demission gegeben, der König sie aber nicht angenommen, sondern das Cabinet er sucht, im Amte zu verbleiben. Das Ministerium behalte sich vor, an Stelle des abgelehnten Ge- setzentwurfs andere Finanzvorlagen einzubringen und bitte die Kammer, die Berathung über das definitive Budget pro 1874 fortzusetzen und andere nothwendige administrative Vorlagen zu verhan⸗ deln. Die Kammer beginnt mit der Berathung des Marine- Budgets.

Amerika. Washington, 21. Mai. Das Repräsentantenhaus hat ein Gesetz, betreffend die Aufnahme des Territoriums Neu Mexico als eines selbstständigen Staates in die Union, genehmigt.

Newyork. Rochefort ist in San Francisco angekommen. Gerüchtweise verlautet, daß drei englische Kriegsschiffe gescheitert seien, zwei bei Palermo(in Maine) und eins bei den Ber⸗ mudasinseln.

DemStandard wird unter dem 9. d. von hier geschrieben: Die Indianer im Dacota- Territorium haben ihre Raubzüge wieder aufge nommen. Am 23. April überraschten sie in der Nähe des Forts Lincoln eine Anfiedelung und fährten etliche 80 Maulthiere und anderes Eigen- thum mit sich fort; sie wurden verfolgt, auseinander gejagt und die Beute ihnen abgenommen. Einige

Tage später feuerten die Sivux⸗ Indianer auf die Vorposten des Forts Felterman im Wyoning: Territorium. Die Comanches feuerten in das am Red River liegende Lager Augur(Texae).

Paris, 25. Mai. Bei dem Empfang der Delegirten des Departements Gironde äußerte Thiers: Da die Nationalversammlung außer

zeichen eines nahenden Sturmes. Feindseligkeiten wird im Laufe des Sommers entgegengesehen.

Diese kleinen Neckereien sind gewöhnlich ein An⸗

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Rewyork, 25. Mai. verlautet, soll Gonzales, der seitherige Platzkom⸗ mandant von San Jose de Guatemala, der dem amerikanischen Vicekonsul Magee 200 Stockstreiche ertheilen ließ und wegen seines Verhaltens dann von dem Befehlshaber einer dorthin gesendeten Truppenabtheilung verhaftet wurde, zunächst aus- gepeitscht und dann erschossen werden.

Aus Stadt und Land.

Offenbach. Hier trug sich am Samstag ein bedauer⸗ liches Unglück zu. Ein junger Mann fuhr mit 2 Pferden einen Wagen in den Main, wie er es gewöhnlich Abends zu thun pflegte. Kaum war das Gespann aber im Fluß, als es in ein Loch gerieth, so daß der Wagen sammi dem Fuhrmann fortgerissen wurde. Ein Knecht wollte retten und büßte sein Leben ebenso wie sein junger Herr ein. Die Leiche des Ersteren ist gefunden worden, die des Letzteren wird noch vermißt.

Allerlei.

Frankfurt. Am 14. Mai Morgens wurde ganz nahe bei Eschersheim ein gut gekleidetes Mädchen, welches sich auf die Eisenbahnschienen gelegt hatte, mit zer⸗ schmeitertem Kopfe im Graben todt aufgefunden. Dem Vernehmen nach soll dasselbe von Bockenheim sein, an seinem Hemde befinden sich die Buchstaben K. W. ge⸗ zeichnet. Eine Flasche Branntwein, welche man eben⸗ salls vorgefunden, läßt annehmen, daß sich die Unglückliche vor ihrem verzweifelten Entschlusse betäuben woll te. Fulda. Ein Bahnwärter im Dorse Kerzell, welchen der Himmel vor einigen Tagen mit dem achten Knaben beschenkle, hatte sich mit der Bitle an den Kaiser gewand, die Pathenstelle bei demselben zu übernehmen. Der gütige Monarch bat nun bereitwillig zugesagt und ihn auch mit einem beträchtlichen Geldgeschenke überrascht. Würzburg, 2. Mal. In Folge einer Ministerial⸗ Enischließung wurden zwei Studenten⸗Verbindungen der hiesigen Hochschule, das CorpsNassovia und die Lands⸗ mannschaftMacaria, wegen eines im vergangenen Jahre in einer hiesigen Gartenwirthschaft veranlaßten argen Rauf⸗ Excesses auf ein Jahr suspendirt.

München. Die letzte gropartige Zeichnung Kaulbach's: Der deulsche heilige Michel, gewidmet dem tapferen deutschen Volke wie es die eigenhändige Unterschrift des Künstlers besagt ist soeben in der Kunsthandlung von Fr. Hansstängel in München in einer vortrefflichen photographischen Nachbildung, in verschiedenen Formaten, erschienen. Das Bild ist die künstlerische Vecherrlichung der Kämpfe, die wir in der Gegenwart bestanden, der Siege, die wir errungen haben. Der deulsche Michel, zum gewaltigen Erzengel Michael geworden, bricht sich mit flammendem Schwert durch Nebel, Dunst und Wolken siegreich Bahn. Darnieder geworfen zu seinen Füßen liegen die Erbfeinde des deulschen Volkes, französischer Uebermuth und römischer Jesuitismus. Mit seinem Syllabus flieht der Papst; dem gallischen Imperator, dem die Krone enlfallen ist, stemmt der Sieger den Fuß auf den Nacken: kaum, daß der Besiegte mit dem Arme sein Kind zu schützen vermag.

Paris, 22. Mai. Das Duell zwischen dem Wrafen von Montebello und dem Fürsten Metternich fand gestern auf Degen bei Saint-Cloud statt. Graf von Monlebello wurde leicht am Arm verwundet.

London. Die außerordentliche Leiftungs fähigkeit und Schnelligkeit der Londoner Post wird oft gerühmt; mit welchem Recht, das beweist einEingesandt derTimes. Ein Herr verössentlicht nämlich die Thatsache, er habe, um sich von der Tüchligkeit der Postbeamten zu überzeugen, eine Postkarte und einen Brief mit stenographischen Adressen in einen Brieskasten geworfen, und deide seien mit der nächsten Post, innerhalb drei Stunden, an die richtige Adresse gelangt, in dem einen Falle sei die Adresse mit rother Tinte in die gewöhnliche Schrift übertragen gewesen, in dem anderen Falle wäre auch diese Uebersetzung nicht einmal nöthig gewesen, ein Beweis, daß sowohl Sortirer wie Briefträger in hohem Grade der Erfüllung ihrer Pflichten gewachsen seien.

Die Niederlassungsgesetzgebung und ein Aufenthaltsnahme⸗Formülar. (Fortsetzung.)

Ferner steht der Aufnahme- oder Naturali sations⸗Urkunde eine amtliche Bestallung gleich (9 des Gesetzes vom 1. Juni 1870), wohin⸗ gegen diese Urkunde überhaupt nach Ablauf von 10 Jahren werthlos sein kann, da durch zehnjährigen ununterbrochenen Aufenthalt im Auslande die Bundesangehörigkeit Jemandes ohne Weiteres verloren geht und folglich eine über zehn Jahre zurückreichende Urkunde ihre Beweisfähigkeit bereits eingebüßt haben kann.

Weil nun der Regel nach der Besitz des Heimathsrechts oder des Unterstützungswohn sitzes in einem bestimmten Orte die Staats- oder Bundesaugehörigkeit desselben ohne Weiteres ver aussetzt, in jedem Falle aber es jeder An zugsgemeinde gleichgültig sein kann, uber die

Staats-Angehörigkeit eines Neuanziehenden

Wie gerüchtweise

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