Mittags Doch
der Kaiser wieder Uniform angelegt. finden in der Regel Spaziersahrten statt. werden, zumal bei dem ungünstigen Wetter, noch sortdauernd Schonungsrücksichten empfohlen.
— Die„Nordd. Allgem. Ztg.“ tritt den irrigen Aufsassungen der Presse entgegen, als habe die französische Regierung bei den letzten Maß⸗
nahmen einen Druck von Außen nachgegeben. Keine dieser Maßregeln, so sagt das Blatt weiter, sei Gegenstand eines Verlangens Seitens Deutsch⸗ lands gewesen; das französische Ministerium habe sich lediglich von dem Gefühl seiner Würde leiten lassen und in Erwägung der französischen In- teressen vollkommen freiwillig gehandelt. Die deutsche Regierung hatte sich vorbehalten, nach Maßgabe der französischen Gesetze gegen die fran ⸗ zösischen Bischöfe wegen Majestäts⸗ Beleidigung einzuschreiten. Abzuwarten bleibe, ob die Genug thuung ausreichend sein werde, um solcher Schritte nicht zu benöthigen.
Elberfeld, 22. Januar. Bei der heutigen Stichwahl zwischen Hasselmann(Social⸗Demokrat) und Justizrath Stader(nat.- lib.) erhielt Hassel⸗ mann 12,947, Stader 12,566 Stimmen. 97 Stimmen waren ungültig. Hasselmann ist somit gewählt.
Landsberg a. W., 19. Jan. Gestern ist der hiesige katholische Pfarrer Klein(ungesetzlich angestellt vom Breslauer Fürst⸗Bischof), nachdem die im Dezember v. J. wegen widerrechtlich aus- geführter Amtshandlungen über ihn verhängte Geldstrafe per Execution nicht einzutreiben ge⸗ wesen, er selbst aber während der offen gelassenen Frist sich nicht gestellt hatte, verhaftet und auf eine Woche in das Gefängniß gesteckt worden.
Hannover, 24. Jan. Bei der heutigen Stichwahl wurde der frühere Reichstags⸗Abgeord⸗ nete Ewald(nat.-lib.) gewählt. Die Arbeiter- partei stimmte für denselben. Die amtliche Fest⸗ stellung des Stimmverhältnisses ist noch nicht erfolgt.
München. Die Stimmenzahl, welche die gesammten ultramontanen Candidaten in Bayern, die siegenden sowohl als die besiegten, auf fich vereinigten, beträgt in runder Summe 476,000, die der national- liberalen Candidaten 288,000, so daß die ultramontane Partei im Ganzen ein Mehr von 100,000 Stimmen gegen ihre liberalen Gegner aufzuweisen vermag.
Straßburg. Advokat⸗Anwalt Schneegans, die don der elsässischen Partei ihm angebotene Reichstags ⸗Candidatur annchmend, erklärt, Berg- mann's Programm sei das seinige. In weiterer Ausführung tritt derselbe„der zum Untergange führenden Politik des reinen Grolles und jener rückwärts schreitenden Partei“ entgegen,„die eine ewige Feindin des Fortschritts, unsere Sehnsucht und unser Bedauern für ihre eigenen Interessen ausbeuten will.“
Metz, 22. Jan. Heute leisteten weitere vier
stands ⸗Register 16. in Uebereinstimmung mit dem Ständerath, ebenso mit einigen unwesentlichen Abänderungen die noch übrigen Artikel des ersten Abschnitts der Bundes-⸗Verfassung.
Pruntrut, 23. Jan. Der Decan Horn⸗ stein ist beute festgenommen worden. Holland Haag, 22. Januar. Offitiell wird aus Penang gemeldet: Die Atschinesen griffen die holländische Hauptposition an, wurden indeß zurückgeschlagen. Die Atschinesen hatten 44 Todte, die Holländer 6. Die Holländer verstärkten ihre Hauptposition und ließen während dieser Arbeit dem Feinde Ruhe. Zur Wegnahme des Kraton ist eine vollständige Einschließung nothwendig, deß⸗ halb wird die zweite Reserve⸗Hälste von Padang berbeibeordert. Die Atschinesen bestehen auf der Fortsetzung des Kampfes. Der Sultan ist machtlos.
Großbritannien. London. Die Hungers⸗
noth in Bengalen steigt; die Regierung beginnt die Bevölkerung eifrig zu unterstützen.— Aus Cape Coast Castle, 3. Jan,, wird gemeldet: Die eben gelandeten Truppen rücken vor und werden den Prah am 15. überschreiten. Die bereits vor- marschirten Truppen erfreuen sich guten Gesund⸗ heitszustandes. Capitän Glover rückt nach den Weisungen des Generals Wolseley vor. — 24. Jan. Die Königin beschloß auf den Rath Gladstone's die Auflösung des Parlaments, die sofertige Anberaumung von Neuwahlen und die Einberufung eines neuen Parlaments auf den 5. März. In einem Schreiben an die Wähler don Greenwich motivirt Gladstone die Auflösung durch die unausreichende Unterstützung der Regie- rung im Unterbause, sowie durch die letzten Wahl- Erfolge durch die Conservativen. Das Schreiben verheißt ferner die sofortige Vorlegung des Bud⸗ gets, welches einen Ueberschuß von 5 Millionen nachweise, wodurch eine Herabsetzung der Local- steuern, die Abschaffung der Einkommensteuer und der Steuern auf mehrere Verbrauchsartikel er möglicht sei. — Von Seiten des biesigen dominikanischen Consuls wird die Nachricht von der Vertreibung des Präsidenten Baez für unbegründet erklärt. Spanien. Madrid. Der Hafen von Cartagena ist für die Schifffahrt wieder geöffnet; die Douane und das Quarantäne Bureau sind von Porman wieder nach Cartagena übergesiedelt.
Rußland. Petersburg, 23. Jen. Die Vermählungsfeier des Herzogs v. Edinburgh und der Großfürstin Maria von Rußland hat dem ausgegebenen Programme gemäß im Winterpalais stattgefunden. Während der Feierlichkeit wurden 101 Kanonenschüsse gelöst. Um 5 Uhr fand das Diner im Nitolai-Saale statt. Bei demselben wurden Toaste auf den Kaiser und die Kaiserin, begleitet von 51 Kanonenschüssen, auf die Königin Victoria und auf die Nruvermählten und auf die
Mitglieder des Bezirkstags den Eid. Von 34 Mit- begleitet von je 31 Kano
gliedern haben jetzt 27 den Eid geleistet.
— 24. Jan. Heute wurde von der französisch und klerikal gesinnten Partei definitiv der hiesige Bischof Dupont als Reichstagscandidat proklamirt.
Ausland.
Schweiz. Bern. Die Antwort des gewesenen päpstlichen Geschäftsträgers, Agnozzi, an den Bundes⸗ rath wird die Aufhebung der Nuntiatur nicht rück⸗ gängig machen. Geradezu falsch ist darin die Angabe, der Nationalrath habe in der Sitzung vom 27. Nov. die Aufrechterhaltung der Nuntiatur in der Eidgenossenschaft beschlossen. Dies ist nicht geschehen, sondern man hat einfach diesen Punkt aus der Verfassung weggelassen, da der Abbruch viplomatischer Beziehungen der politische Act einer souveränen Regierung ist, zu dem jeder Zeit nach Umständen gegriffen werden kann.
— 23. Jan. Der AltBundesrath Fornerod wurde in Paris in der bekannten Betrugs Affaire zu 3 Jahren Zwangs-Arbeit verurtheilt.— Der Bundesrath hat, ohne auf die Protest-Note des Nuntius einzugehen, demselben seine Pässe zugestellt.
— 23. Jan. Der Nationalrath erledigte die übrigen confessionellen Artikel, betreffend die Auf.
hohen Gäste, die Geistlichkeit und die Unterthanen, nenschüssen, ausgebracht. Abends war die Stadt glänzend illuminirt, be⸗ sonders das Hotel des englischen Botschafters. Abends fand Ball im Winterpalais slatt.
— Der„Regierungs- Anzeiger“ veröffentlicht die Ernennung des General Gouverneurs von Neurußland und General- Adjutanten v. Kotzebue zum General-Gouverneur von Warschau und zum Commandirenden des dortigen Militär Bezirks, sowie die Ernennung des General- Adjutanten Lemjaka zum Militär- Chef des Odessa Bezirkes.
— Unter den Deuischen in St. Petersburg herrscht über den Besuch des deutschen Kronprinzen die freudigste Erregung, die sich in einer ähnlichen Huldigung wie bei der Anwesenheit des deutschen Kaisers kund geben wird. Eine Generalversammlung, zu der sämmtliche in Petersburg lebende Deutsche geladen waren, hatte eine Deprtation von 30 Mit: gliedern erwählt, welche dem Kronprinzen eine höchst kostbar und kunstvoll ausgestattete Adresse überreichen wird. Es wird in derselben den patriotischen Gefühlen von der Zugehörigkeit zum allen Vaterlande, der Freude über die Genesung des Kaisers und der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß das deutsche Reich, welches die äußeren Feinde so erfolgreich bekämpft habe, auch den
hebung der geistlichen Gerichtsbarkeit, der Civil⸗
Wiverstand der inneren Gegner brechen werde.
*
1
Aus Stadt und Land.
Södel. Am verflossenen Freitag Abend wurde durch den hiesigen Polizeidiener und einige von der Arbeit heim⸗ kehrende Männer ein aus dem Zuchthaus zu Rockenberg enisprungener Sträfling auf dem Felde zwischen hier und Melbach fesigebhalten und am Samstag Morgen wieder nach Marienschloß abgeführt. In einem der Nachbarorte, vermulhlich Wohn bach, hatte er sich durch Einbruch für einige Kleidungsstücke gesorgt. Beim Durchsuchen seiner Taschen fand man ein sehr scharses Messer und hatte man es, den leichtsinnigen Aeußerungen desselben nach zu schließen, mit einem recht heruntergekommenen, frechen Bösewicht zu thun.
Groß Zimmern, 19. Jan. Heute hat man aus der Gersprenz die Leiche eines circa 19 jährigen Mädchens herausgezogen, welche als von Groß Umstadt recognoscirt worden ist. Als Motiv zu dem Selbstmorde wird Liebes⸗ kummer angegeben.
Allerlei. n 86 Frankfurt, 22. Jan. Gestern Minag stürzte eine ö schaf, 22 Putzfrau, welche im Begriffe war in dem Hause Nr. 36 iche* in der Schnurgasse im zweiten Stock Fenster zu putzen, abe auf die Straße und blieb auf der Stelle todt. vagen.
Frankfurt, 23. Jan. Gestern Nachmittag 3 Uhr 1 1— stürzle sich eine schon betagte verwittwete Frau aus einem
Fenster ihrer im 4. Stocke eines Hauses der Schnurgasse Friede delegenen Wohnung auf das Straßenpflaster herab. Die tant biestrnft selbe soll in jüngster Zeit bereits Spuren von Geistes⸗ ben nihenn
sörung gezeigt haben ünd ist durch einen Streit, den sie
mit Hauseinwohnern hatte wahrscheinlich so aufgeregt viel gechizen worden, daß diese Geistesstörung zum völligen Durchbruche gi gekommen ist und sie zum Selbstmord getrieben hat. Der vat um Dan Sturz hatte sosort den Tod herbeigeführi.. Eptuchee. Frankfurt, 23. Jan. Gestern Nacht wurde wieder id Ange in eine Wirihschaft in der großen Fischergasse eingebrochen. vat am Abet Die Diebe hoden einen Fensterladen nach der Straße hin lj bie 80h aus, drückten ein Fenster ein und verschafften sich so Ein⸗ it an ber gang in das Innere. In der von ihnen erbrochenen Casse Sunnben fanden sie kein Geld, dagegen räumten sie unter den vor⸗ gecün, vrte handenen Cigarren, Aepfelwein, Schnaps und Brod tüchtig mem n 80 auf. Hoffentlich gelingt es bald, dieser Strolche habhaft n Nl zu werden. Es fiel selbst der Polizei auf, daß in letzter aße sede& Zeit gerade die Wirihschaften mit diesen ungebetenen enn nächtlichen Besuchen heimgesucht wurden und erließ sie ein lamüdlich Circular an die Inhaber, worin diese zur Vorsicht ge Bek 9 0 mahnt werden. 0 zu durch jagen Frankfurt.„Die weltberühmte Firma Gebrüder[ Seine Um Stollwerck in Cöln a. Rh., welche in neuester Zeit eine 8 „
Filiale dahier errichtet hat, ist durch Cabinlesschreiben, d. d. Wien, 22. Dec. 1873, zu Hoflieferanten Ihrer 9
Majestäten des Kaisers und Kaiserin von Oesterreich, unter N Anerkennung der Vorzüglichkeit ihrer Erzeugnisse, ernannt 5 Cn worden.— Der Umstand, daß die Chocoladen dieser]“ dies unn Firma Seitens der Jury der Weltausstellung als die vor-] Schwachfer züglichsten bezeichnet wurden, hatte ihr die Lieferung der] des Pbslier Desserte zu den Fesilichkeiten im Kaiser⸗Pavillon der besdellt werd
Ausstellung eingetragen, woran sich oben erwähnte Aus⸗ Nechtge zeichnung knüpfte. Diese Auszeichnung ist um so werth⸗ ersteren nur voller, als sie die einzize ist, welche auf das Ausland werden. omm!.“(Wer von unseren Lesern nach Frankfurt kommt, Bad- versäume nicht sich den prachtvollen Laden der Gebrüder“ 0 Stollwerck auf dem Götheplatz anzusehen. D. Red.) ö Frankfurt. In der Nacht vom 20. d. Mis. wurbee n mitttelst Einsteigens in die Villa eines hiesigen Juweliers 1 eine werthvolle Uhr und eine Unzahl Silberzeug gestohlen. Den Recherchen der Polizei ist ges nunmehr gelungen, den! 5 Ewan; Thäier zu ermitteln und zur Haft zu bringen. des Dbantes
Bonn. In der Nacht vom 19. bis 20. Januar 1 Jem— 1
auf Schloß Corvey Hoffmann von Fallersleben, der viel- dabei gen, geprüfte Dichter der„Unpolitischen Lieder“, welche ihn in dessen lun, der Blüthezeit der preußischen Reaclion(1840 bis 1848) haben besch. im Jahre 1843 in die Verbannung trieben, ohne jedweden* Todeskampf sanft verschieden. Ein zweiter Schlaganfal dahin auzun machte dem Leven des geistesfrischen Greises ein Ende, uud du zun Man schreibt uns von Schloß Corvey:„Hoffmann glaubte“ auge, und wir glaubten es mit ihm, caß er sich bald wieder von Dduß ee seinem Krankenlager würde erheben können; ihn beschlich 5 keine Ahnung des kommenden Todes, und er schied um halb zwölf Uhr aus dem irdischen Leben ruhig, schmerzlos und des Endes unbewußt.“ Wie er mit seinem ganzen— Sein dem deulschen Volke angehört, so wird auch daß Inne deuische Volk ihm für immer ein ehrendes Gedächtnis ee bewahren. fel druit,
Köln. Die milde Witterung war für den, Fortbaus[ in hieß des Domes so günstig, daß die Arbeiten in fast 2 Jahre me ö nicht unterbrochen wurden, woraus resultirt, daß die Fort oben g schrülte an dem Kiesenbau sehr erhebliche sein müssen, und das find sie in der That! In den nähsten Monaten Flur. zr wird das neue Baugerüst aufgeschlagen, um die vis jet 5. viereckigen Thürme im Achteck weiter zu bauen. Da dieselven mit den schon die halbe Höhe erreicht haben und jetzt rasch spißeh den, daß auslaufen, so steht ein merklich rascheres Steigen in ichen] Sderden seg Aussicht. Die Verbindung der beiden Tyurmkolosse ift ff Fried vollendet.
Essen. Hier, wo von den Ultramontanen der Obe tribunalsrath Foteade de Biairx gewählt wurde, batte 1.
einige Schelme von der Gegenpartei Zettel mit der Auf 21 schrist Fromage de Brie drucken lassen und diese den 08 5 Küster von der St. Simplicius⸗Gemeinde zur Vertheiln die 9 Iuitag
übergeben. Die Folge davon war, daß über 50 ungü schl, leer tige Stimmzettel mit dem pikanten Namen aus der Urn Stent fr hervorgingen, die auch dei der Erklärung des Küsters, d 1. küche Obertribunalsrath gemeint zu haben, keine Güldigkeh don 5 erlangen konnten. uphet


