Ausgabe 
11.6.1874
 
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Türkei. Constantinopel. Der Appellhof 1 Athen batte am 4. d. angeordnet, die von Schliemann bei Troja ausgegrabenen Alterthümer seien nicht dem Museum zu Constantinopel, das dieselben reelamirte, auszuliefern, sondern mit Be⸗ schlag zu belegen. Als die griechischen Behörden aber die Siegel an die Gegenstände legen wollten, war Alles verschwunden! Die Pforte ihrerseits warnt jetzt öffentlich vor dem Erwerb der Schlie- mans'schen Sachen, sei es durch Cession, durch Ankauf oder als Geschenk.

Amerika. Newyork, 7. Juni. Roche fort ist auf dem DampferParthia nach Europa abgereist.

Aus Stadt und Land.

Friedberg. Der Schottener Anzeiger enthält folgende Annonce, die wir unseren Lesern doch nicht vorenthalten wollen: Gesuch. Da meine Frau von mir wegge⸗ gangen ist, so suche ich eine Köchin, welche in diesem Fache gründlich geübt ist. Lustiragende wollen sich recht bald bei mir melden. Jacob Schröder in Eichelsachsen.

Dorn⸗-Assenheim, 8. Juni. Ein Weinstock am Spalier(Frühburgunder) im hiesigen Schulgarten zeigte beute Morgen die ersten blühenden Trauben. Der Stock war in den kalten Nächten Ende April zugehängt worden.

Mainz, 8. Juni. Heute Morgen wurde der zum Tode verurtheilte Gaulen-Mörder Ringel von Hechtsheim geschlossen unter Gendacmerie- Begleutung per Bahn nach Darmftadt verbracht, um daselbst dem Kassatjonshofe vor geführt zu werden. Heute Mitiag wurde derselbe wieder dierher zurückgeliesert, da das Cassationsgesuch verworfen wurde.

Worms, 8. Juni. Gestern 10½ Uhr wurden die Bewohner unserer Stadt durch Feuersignale erschreckt. Eine colossale Feuersäule stieg in der Nähe des Domes gen Himmel. In einer Dachkammer des Anton Betz'schen Hauses war Feuer ausgebrochen. Dasselbe griff so rasch um sich, daß zwei junge Leuie, welche sich kurz zuvor in einer Mansarde dieses Hauses zu Belte gelegt hatten und durch den Feuerruf von der Straße aus erst erfuhren, daß es im Hause brenne, mit knapper Noth, weil sie ihren Weg durch die brennende Kammer nehmen mußten, das nackte Leben retteten. Von dem nördlich gelegenen Hause, welches durch keine Feuerwand getrennt ist, brannte nur ein kleiner Theil des Dachstuhles nieder, denn hier enwickelie die Feuerwehr eine so energische Thätigkeit, daß das Feuer sebr bald auf seinen ursprünglichen Herd be schränkt ward.

Allerlei.

Frankfurt. Die erste Woche im Juni war durch mehrere Scandal-Scenen gekennzeichnet. In der Gräf schen Wirthschaft am Allerheiligenthor wurde bei einer Raufetei, die gegen Mitternacht statifand, ein Bursche durch einen Stich schwer verwundet, der Thäter jedoch nicht entdeckt. In der Kirchgasse mißhandelte ein Sergeant der 4. Compagnie des 81. Infautetie-Regiments eine Frau, der er mit dem Säbel über den Kopf hieb, so daß Blut floß. Schutzmannschaft wurde geholt und der Thäter zur Anzeige gebracht. In der Meisengasse ging es noch ärger zu. Hier wurden Messer gewetzt und Säbel ge schliffen, so daß neben dem Publikum noch 5 Schutzleute einschreiien mußten. Einer der Tumultuanten mußte von 4 Mann auf das Revier getragen werden. Hunderte von Menschen folgten diesem Aufzug.

Marburg. Das soeben ausgegebene Verzeichniß des Personals und der Studirenden unserer Hochschule von diesem Semester weist eine Frequenz derselden nach, wie sie dieselbe in diesem Jahrhundert noch nicht gehabt bat. Die Zahl der immalriculirten Studenten beträgt 430. Dazu kommen noch 10 nicht immatriculirte Zu⸗ hörer, so daß an den Vorlesungen 440 Personen Theil nehmen. Theologie studiren hiervon 47, Jurisprudenz 67 und Medicin 132. Der philosophischen Facultät gehören 184 Studenten an.

Düßsseldorf, 30. Mai. Ein auswärtiger Schuster wollte gestern hier seine Leder-Einläufe machen, trat aber vorerst in ein Wirthshaus, um sich an einem Glase Bier zu stärken. In der Wirthsstube befand sich außer ihm noch ein Gast, der neben ihm auf der Bank Nüsse auf klopfte. Der Schuster zog seine Börse und zählte den Inhalt auf den Tisch, um seine Einkäufe zu bestimmen. Als er mit dem Zählen fertig war, stand der andere Gast auf, strich das Geld ein und sprang mit den Worten: Det stimmt! zur Thüre hinaus. Der erstaunte Schuster sah ihm zuerst verdutzt nach, sprang dann auf, um ihm nachzueilen, fiel jedoch sofort auf die Bank zurück der Gauner hate den Rockschoß des Schusters auf die Bank sesigenagelt und fand Zeit, mit dem Gelde zu entkommen.

f Berlin, 8. Juni. Der Kronprinz befand sich, wie dieStaatsbürger-Zeitung berichtet, gestern früh in großer Lebensgefahr. Auf einer Spazierfahrt nach dem Wildpark und dessen Umgegend begriffen, wobei der Bahn⸗ körper der Berlin-Polsdamer Elsenbahn passirt werden mußte, war der erste Wagen des Hofes bereits über den Bahndamm hinweg, als ber Bahnwärter hinter demselben die Barriere schloß, ohne zu sehen, daß der Wagen, in welchem der Kronprinz saß, folgte. So stand nun der Wagen des, Kronprinzen auf dem Bahnkörper vor der

zu passiren hat, daherbrauste. Der Maschinist des Zuges sah die drohende Situation und that alles Mögliche, den Zug zum Halten zu bringen. Der Kronprinz sprang aus dem Wagen, und der Kutscher trieb die Pferde gegen die geschlossene Barridre, so daß er, diese glückliche zertrüm⸗ mernd, passiren konnte. In diesem Augenblick fuhr der Zug, den der Maschinist nicht ganz zum Stehen hatte bringen können, voüber. Obige Meldung wird dahin berichligt: Der Kronprinz kehrte Sonnabend, Abends 6 Uhr, von einer Ausfahrt zurück. Der Wagen mit den klonprin⸗ zlichen Kindern fuhr voraus. Letzterer passirte ungehindert die Wildparkstation, der kronprinzliche Wagen folgte. Die mit einem Drahtzuge lenkbare Barriere war wegen des an⸗ kommenden Zuges geschlossen, so daß der kronzprinzliche Wagen auf der Bahn und vor der geschlossenen Barriere tand. Das Oeffnen derselben gelang jedoch noch vor der Ankunft des Zuges, ohne daß der Kronprinz den Wagen verließ, oder die Pferde die Barridre zertrümmerten. Der angebliche Unfall ist daher unbegründet.

Berlin. Im Parxquet eines unserer Theater, so er zählt dieBrl. Brg.-Zig., saß kürzlich eine bereits ins Mittelalter reichende Dame, welche durch aufgedonnerten Putz und durch eine thurmhohe Frisur, auf deren Spitze ein federngeschmücktes und schleierumwallies Hütchen sich wiegte, die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich lenkte, während der extravagante Kopsputz einen dahinter sitzenden Herrn geradezu zur Verzweiflung brachte, weil er bei der Beweglichkeit der Dame nichts weiter zu sehen bekam, als die chaolische Vereinigung von Haaren, Tüll, Federn, Blumen ꝛc. Resignirt u ertrug der jeder anderen Aussicht Betaubie während des ersten Aktes sein Geschick; während des zweiten aber riß ihm die Geduld. Plötzlich aufspringend reicht er der Undurchsichtigen ein Geldstück mit den Worten hin:Werthes Fräulein, möchten Sie ihre Haare nicht lieber in der Garderobe abgeven, hier ist das Garderobe geld! Diese bei offener Scene laut gesprochene Auf⸗ forderung wurde von Seilen des Publikums mit Gelächter und lauten Bravos aufgenommen, so daß die besagte Dame es geratben fand, sich von ihrem Platze zu erheben, um das Theater auf Nimmerwiedersehen zu verlassen.

Gratz. Neue Unglücksnachrichten treffen aus unserem euer so viel geprüften Steiermarck ein. In Folge von Wolkenbrüchen haben in mehreren Landestheilen abermals ziemlich bedeutende Ueberschwemmungen staltgefunden, welche an verschiedenen Orten größeren Schaden anrichteten.

Lesina(im adriat. Meer). Von bier wird unterm 7. d. an die k. k. Centralanstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus in Wien telegraphirt:Gestern Abend um 11 Uhr 30 Min., vei Windßtille und ruhiger See wurde hier eine heftige Erderschütterung, begleitet von ungemein starkem unterirdischem Getöse, verspürt. Die Bewegung war eine horizontale, von Südwest nach Nord⸗ ost gerichtet, das Geräusch dem starker Donnerschläge zwischen den Bergen ähnlich; das Meer wurde in leichte Bewegung versetzt, die Luft vlieb ruhig, und dauert eine außergewöhnliche Windstille auf dem Lande und auf der See bei hoher Temperatur bis heute Mocgen an. Der Barometer zeigte während der Erscheinung keine bemerkens⸗ werthen Schwankungen.

New--Pork. Ein aus der Hauplstadt Mexiko, 18. Mai, datirter Bericht desNew-Pork Herald meldet, daß Sennor Castilla, Alcalde von Jacobo im Staate Sinalda, dem Präfecten seines Districkes officiell mitgetheilt hat, daß er den Jose Maria Bonilla und sein Weib verhaftet, gericht⸗ lich verhört und lebendigen Leibes, wegen verübter Hexerei verbrannt habe. Der officielleDiaria bestätigt diese Schandthat und fügt bei, daß der Scharfrichter unterdessen genöthigt wurde, ein anderes altes Weib und ihren Sohn wegen des gleichen Vergehens zu verbrennen.

Washington. Als ein Beweis der Wirkung der Temperatur auf Eisen wird mitgetheilt, daß die Freiheits götlin auf dem Capitol sich Vormittags Zoll auf die westliche und am Nachmittag Zoll auf die östliche Seite hinneigt. Diese Thatsache dat man vermittelst eines Senkbleies, das man an der Statue befestigte und nach der Rotunda hinabsenkte, ermittelt. Wenn die Morgen- sonne die östliche Seite des Domes erwärmt und eine Expansion an jener Seite des Domes bewirkt, neigt sich die Statue Zoll westlich und des Nachmittags, wenn die Sonne die westliche Seite bescheint und jenen Theil des Domes ausdehnt, neigt sich die Statue eben so weit auf die östliche Seite.

Zwölfter Verbandstag des hessischen Unterverbands der deut- schen Erwerbs- und Wirthschafts-Ge⸗ nossenschaften. (Schluß.)

Der vierte Gegenstand der Tages-Ordnung umfaßte die Mittheilung aus den einzelnen Ver⸗ einen.

Wenngleich die Krise des abgelaufenen Jahres empfindliche Schädigungen für die Vereine des Verbands nicht herbeigeführt hatte, so waren boch bei verschiedenen Vereinen Coursverluste an den vorräthigen Werthpapieren eingetreten, welche, wo eine besondere Reserve nicht vorhanden, an dem gemachten Reingewinn abgeschrieben worden waren. Einem Vereine, welcher beabsichtigt, den erlittenen Coursverlust auf zwei Jahre zu vertheilen, wurde

zeschlossenen Barridre, während von Potsdam aus der Personenzug, welcher um Uhr die Station Wildpark

vom Anwalt der Rath ertheilt, den Verlust sofort ganz abzuschreiben und lieber eine geringere Divi

dende zu vertheilen, als neu eintretende Mitglieder an Verlusten mit abgelaufener Zeit participiren zu lassen. Friedberg machte die Mittheilung, daß auf Veranlassung des dortigen Vereins die Genossenschaftsblätter in öffentlichen Lokalen auf gelegt würden, welche Mittheilung der Anwalt als sehr zweckdienlich begrüßte.

kundgebe, gab dem Anwalt Beranlassung, sich über die Unhaltbarkeit des den Raiffeisen'schen Vereinen zu Grunde liegenden Prineips auszusprechen. Er- freulich sei es, daß selbst aus Kreisen, die früher entschieden für Raiffeisen Partei genommen, sich

eine Opposition geltend zu machen anfange, und

der volkswirthschaftliche Grundsatz, daß Niemand auf längere Fristen Credit gewähren könne, als ihm selbst zu Gebote stehe, sich auch in diesen Kreisen Bahn breche.

In Bezug auf den fünften Gegenstand der Tagesordnung, die Stellung des Vorstands und Aussichtsraths bei Bewilligung von Vorschüssen, war von Seiten des Verbandsdirectors Umfrage bei den einzelnen Vereinen gehalten worden.

Aus den eingegangenen Mittheilungen und der hierüber herbeigeführten Debatte ging hervor, daß mehrere Vereine noch die alte Praxis, wonach Vor stand und Ausschuß in Gemeinschaft die Credite bewilligten, befolgten. Der Anwalt betonte, daß diese Praxis weder dem Sinne des Gesetzes noch einer gesunden Geschäftsführung entspräche. Der Ausschuß resp. der Verwaltungsrath sei lediglich als Controlbehörde dem Vorstand zur Seite ge stellt und diese Eigenschaft ginge vollständig ver- loren, sobald er darüber hinausging, die von dem Vorstand beantragten Credite nicht blos zu ge- nehmigen, sondern Creditgesuche selbstständig, selbst gegen den Antrag des Vorstandes, zu be⸗ willigen. Die Verantwortung bei Prüfung eines Creditgesuches für die Richtigkeit der ange gebenen Thatsachen liege dem Vorstand allein ob, und diese Verantwortung würde dem Vorstand ab- genommen und auf den Ausschuß übertragen, so bald der Auszschuß oder Verwaltungsrath aus einem genehmigenden ein bewilligendes Organ würde.

Auf dem letzten Verbandstage war die Gründ ung einer Penstonskasse für die Beamten der Vor- schußvereine besprochen und beschlossen worden, den Vorort zu beauftragen, den einzelnen Vereinen in Bezug auf diesen Gegenstand bestimmt formulirte Fragen vorlegen zu lassen.

Die eingegangenen Antworten der Vereine, wonach viele Vereine sich bereit erklärten, der Frage wegen Gründung einer solchen Kasse näher zu treten, wurden der über diese Frage nieder⸗ gesetzten Commisston des allgemeinen Verbands- tages übergeben. Der allgemeine Verbandstag lehnte jedoch die Gründung einer besonderen Kasse ab, beauftragte vielmehr nur die Anwaltschaft, sich mit bereits bestehenden Instituten in Verbindung zu setzen, um den betreffenden Beamten günstige Bedingungen beim Eintritt in eine Lebens- In- validität- oder Rentenverslcherungsanstalt zu sichern.

Der Anwalt theilte der Versammlung mit, daß die Commission noch nichts habe thun können,

da nur eine geringe Zahl von Anmeldungen seit?

her eingegangen sei. Auch der siebente Gegenstand der Tagesord⸗

nung fußte auf einem Beschlusse des allgemeinen

Verbandstages, wonach die Unterverbände der Creditgenossenschaften über einen dem nächsten all gemeinen Verbandstag zur Feststellung zu unter⸗ breitenden Maximalsatz der Provision bei Incasso von Wechseln zu verhandeln haben. f

Nachdem die Reichs-Postverwaltung durch Ein⸗ führung der Postmandate die Möglichkeit gewährt, selbst auf dem kleinsten Orte Wechsel einzuziehen und bei Nichtzahlung Protest aufnehmen zu lassen, hat es nur noch ein geringes Interesse, ob ein Ver ein einen Wechsel provisionsfrei einzieht oder nicht.

Der Neferent betonte deshalb auch, daß es,

um mit der Post vortheilhaft concurriren zu können, durchaus erforderlich sei, den Giro Verkehr aus-

zudehnen, da nur dieser der Organisation der Genossenschasten die nothwendige Spitze gewähre

Eine weitere Mittheilung dieses Vereins, daß sich in dortigen landwirthschaftlichen Kreisen eine lebhafte Agitation für Gründung Raiffeisen'scher Vorschuß vereine

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waltes meinen ten, d frübere genosse sondere gesellsc Mitglie daß da bei alle Organ der eig nehmun und de Ebt trag de directort meinen den S wohnen hinzu, Stellber 1 borgekom ödirector ver im Direttore Der einverste beiträge Verbau

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9 Uhr an Osenhein