Ausgabe 
10.1.1874
 
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Deutsches Reich.

Darmstadt. Sicherem Vernehmen nach ist man im Ministerium der Justiz damit beschäftigt, einen Gesetzentwurf wegen Einführung der obli⸗ gatorischen Civilehe und der Civilstands Buch- führung behufs Vorlage an die Stände auszu- arbeiten. Diese Nachricht wird in den Kreisen, welche die Einführung der Civilehe namentlich gegenüber den Uebergriffen der ultramontanen OGeistlichkeit bei gemischten Ehen als unerläßlich bezeichneten und deßhalb so energisch auf Vorlage eines desfallsigen Gesezes drängten, mit Genug- tbuung entgegengenommen werden.

Darmstadt. Bekanntlich hat die zweite Kammer vor nicht langer Zeit, aus Veranlassung eines Antrags des Abgeordneten Landmann, den Beschluß gefaßt, die Regierung zu ersuchen, eine Kevision der bestehenden Jagd Gesetzgebung ein teten zu lassen und dabei die in den Verhand- lungen zur Sprache gebrachten Punkte geeignet zu berücksichtigen. In letzterer Hinsicht waren namentlich auch die Art der Vergebung der Jagden, der vielfach zu hohe Wildstand ic. betont worden. Es war beinahe vorauszusetzen, daß jener Be⸗ schluß bei der ersten Kammer auf einigen Wider- stand foßen würde, und in der That hat sich jetzt der vierte Ausschuß, wie der Bericht des⸗ selden ergibt, gegen jenen Antrag ausgesprochen. Er findet zu einer principiellen Aenderung der Jagd- Gesetzgebung keinerlei Veranlassung, indem dielmehr die vom linken Rhein- Ufer auf das dies seitige Gebiet übernommene Jagd-Legislation eine 40 jährige Probe zur Satisfaction der Gemeinde bestanden habe. Sie fuße auf dem Grundsatze öffentlicher Verpachtung an den Meistbietenden und verordne eine mittlere Dauer der Pachtzeit. Beides im Interesse der Intacthaltung des Jagd- rechts als werthvollen Vermögens- Objects der Gemeinde. Eine Aenderung dieser Principien er- scheine, wie eingehend nachzuweisen versucht wird. für die Gemeinde als solcher und die Angehörigen derselben nur nachtheilig.

H.-V. Friedberg. Dem Berichte des nord- amerikanischen General-Consuls in Frankfurt a. M. äber die Ausfuhr aus dem Großherzogthum Hessen nach den vereinigten Staaten in dem Zeit raum October 1872 bis October 1873 entnehmen

wir folgende Angaben:. Leder, Haute und Felle.. 809,078 32. Haare für Hutmachee e Juwelen und Edelsteine 184,668 40, Wein, Branntwein, Bier und Aepfelwein. 483 794 25, Leinene, wollene und baumwollene Waare. 7,488 4, Maschinen und Instrumente 15,196 40 Lederwaaren 8 233,128 48, Schmergel 19.275 24, Spielwaaten 2 4,160 52 I: 116,564 24, Vorzellan⸗ und Glaswaaren 5032 51, T 149 21. Arzneien, Chemicalien und Farben 164.838 51, Eisen, Eisen⸗ und Metallwaaren 2,851 58, Schreibmaterialien, Papier, Bücher, Druck⸗ VCVVVVVVVVVVV se Mineralwasseer 65913, Frankjurter Druckerschwärze 9 370 40 Parfürmerien und Seife 3 503 18, JJV 2412 Cigarrenformen und Holzwaaren 16911 58 Oel und Wachs tuch 826 3, Leere Flaschenmnm 2817 6, C 1652 7 Pflaumen, Obstsäfte und getrocknete Früchte 14.355 52 Quincailleriewaaren. 5 1,190 24, 300 12, diverse Waaren 7031 45

Der Gesammtexport delrug 775,77 Id.

Die Ausfuhr Frankfurts nach der Union betrug in der gleichen Zit fl. 3,818,547. 21 kr.

Berlin, 6. Jan. Die beutigen Abendblätter melden, daß der Beitritt Rußlands zu dem Welt⸗ Postcongreß nunmehr erfolgt sei. DasMiliär- wochenblatt meldet: Der Herzog von Ediaburg ist als Oberst der preußischen Armee à la suite des 95. coburg ⸗gothaischen Infanterieregiments angestellt worden.

Berlin. Der General der Infanterie, Vogel v. Falckenstein, dessen Name besonders aus dem

Berlin. DieN. A. Z. Ichreibt: klerikalen Münchener Presse spukt daß Gerü Barzin sei eine Branntwein Brennisei e worden. Wenn Branntwein-Brennereien mf dem Christenthum unverträglich sind, dann m den MünchenerVolksfreund ersuchen, nächst an die infallibilistischen Brennertlen in Bayern und Umgegend zu halten. Varzin ist übrigens eines der wenigen größeren Güter, auf denen eine Branntwein Brennerei nicht besteht. Auch in Aussicht genommen ist eine solche dort keineswegs.

Berlin, 7. Jan. Die Besserung in dem Befinden des Kaisers ist soweit vorgeschritten, daß er heute Mittag eine Ausfahrt unternehmen konnte. Posen. DerOstd. Ztg. zufolge ist in dem Verfahren wegen Amtsentsetzung des Erz- bischofs Ledochowski vor dem Gerichtshof für kirchliche Angelegenheiten der hiesige Kreisgerichts⸗ rath Gundrian zum Untersuchungsrichter, der Ober Regierungsrath von der Gröben zum Staatsan- walts- Vertreter ernannt worden.

Köln, 6. Jan. DerKöln. Ztg. wird aus Bonn vom heatigen Tage gemeldet, daß der Pater Theiner der Aufforderung des Kardinals Antonelli nachgegeben hat und die Stelle eines Directors an der Oratianer-Bibliothek in Rom nicht annehmen wird.

Kassel. Der demnächst im Abgeordneten hause zur Berathung kommende Antrag auf Be- seitigung der Stol-Gebühren und Entschädigung der Pfarrer aus Staatsmitteln beschäftigt gegen wärtig auch die evangelische Geistlichkeit in Kur- bessen. Von hier aus ist zum Beitritte zu einer Zustimmungs-Adresse aufgefordert worden.

Fulda. Von der Candidatenliste für den vacanten hiesigen bischöflichen Stuhl sollen nach demF. Anz. Dom⸗Capitular Hahne, Regens Dr. Komp und Assessor Dr. Braun als personae minus gratae gestrichen sein. Bestätigung bleibe jedoch abzuwarten.

Trier. Wie dieTrier. Zig. meldet, ist am 1. Januar auch dem Bischof von Trier in Folge höherer Wessung von der dortigen Re- gierungshauptkasse die Auszahlung seines Staats- gehaltes pr. 1. Quartal(2000 Thaler) ver- weigert worden.

München, 8. Jan. Dr. Anton Ruland, hervorragender ultramotaner Landtags- Abgeord- neter und Ober- Bibliothekar in Würzburg, ist heute Morgen an der Cholera hierselbst gestorben.

8. Jan. Die Prinzessin Gisela, Gemahlin des Prinzen Leopold von Bayern, ist von einer Tochter entbunden worden.

Heidelberg. Herr Prof. Erdmannsdörfer

in Breslau ist an die Stelle des nach Berlin ab-

gehenden Herrn Prosessor von Treitschke berufen und hat den Ruf angenommen.

Stuttgart, 7. Jan. In der Abgeord- netenkammer ist ein Gesetz-Entwurf über das Retablissement des württembergischen Armeecorps eingelaufen; die zu diesem Zweck geforderte Summe

beziffert sich auf 11,600,000 Gulden. Die Kammer

genehmigte das Verfassungsgesetz mi: 69 gegen

7 Stimmen. Von dem württembergischen Antheil

der französischen Kriegsentschädigung(49,686,176 Gulden) ist gegenwärtig über 49,100,000 Gulden verfügt.

Ausland.

Oesterreich⸗ Ungarn. Wien, 8. Jan. Die österreichische Bodencreditanstalt ist in der Lage, dae Hypothekargeschäft wieder aufzunehmen. Das Bankgeschäft wird auf neuer Basis organisirt. Die Francobank soll zur selbstständigen Recon struirung die Mittel gesunden haben; ihre Wieder- annäherungsversuche an das Frankfurter Haus Erlanger sollen günstig ausgefallen sein.

Schweiz. Bern, 6. Jan. Laut dem Lu zernerVaterland protestiren die schweizerischen Bischöfe beim Bundesrath gegen die Ausweisung des Nuntius.

Frankreich. Paris. Die Prinzen der

Main ⸗Feldzuge von 1866 her noch in frischer

Familie von Orleans begleiten folgende provi⸗

ville, Admiral; der Herzog von Montpensler, Ar- tillerie-Oberst; der Herzog von Chartres, Lieutenant der Jäger zu Pferde; der Herzog von Penthlovre, Schiffslieutenant; der Herzog von Alengon, Ar- tilleriehauptmann. Der Herzog von Aumale ist officiell zum Divisions-General ernannt. Wenn die Nationalversammlung die anderen Prinzen in ihrem Range bestätigt, so wird die französische Armee 6 Offiziere mehr zählen.

Paris. DieUnion meldet:Der Bischof von Nimes hat aus Anlaß seines jüngsten Hirten briefe aus Genf zwei Visiten Karten erhalten. Auf der einen liest man:Madame Hypacinthe Loyson, auf der anderen:Hyaeinthe Lopson, Pfarrer von Genf, und dem letzteren Namen sind die Worte beigefügt:Mit unserer christlichen Vergebung für die groben Beleidigungen, mit denen Sie uns in Ihrem jüngsten Hirtenbriefe überhäuft haben.

Paris. Nach den neuesten Nachrichten aus Neu⸗Caledonien ist Henry Rochefort in Numbo untergebracht worden, einem freundlichen und sehr gesunden Thale auf der äoͤßersten Spitze der Halbinsel Ducos, wo die Verwaltung eine Anzahl von Baracken für die Deportirten hat anlegen lassen, die sich ungestört der Arbeit widmen wollen. Rochefort scheine sich resignirt in sein Schicksal zu finden und habe den Besuch des Feld-Almoseniers und des Schiffe⸗Lieutenants Ponzolz, welcher di⸗ Halbinsel Ducos befehligt, empfangen.

Paris. Die Journale stimmey dem Rund- schreiren des Cultusnunisters an dse Bischöfe zu. DasJournal des Débats weist auf die trotz der verbindlichen Fassung entschiedene Sprache des Regierungs-Erlasses hin. Die kirchlichen Jour⸗ nale äußern sich sehr gemäßigt. DieUnion betont, das Recht der Bischöse, gegen die Ver- folgung der Kirche zu protestiren, könne durch politische Rücksichtnahme keinen Abbruch erleiden, ihre Auslassungen die Verantwortlichkeit der Re- gierung nicht herbeiführen.

Großbritannien. London. Aus Cap⸗ Coastcastle wird vom 18. Dec. gemeldet, daß die Engländer eine Brücke über den Prah⸗ Fluß ge⸗ schlagen haben.

Spanien Madrid, 6. Jan. Die Der- treter det spauischen Regierung in Paris, Brüssel und Lissabon haben telegraphisch ihre Entlassung erbeten. Dit General- Capitäne von Cuba, Portorico und den Philippinen sollen, wie per lautet, Seitens der Regierung abberufen den.

Nadrid. Casteler veröffentlicht folgenden an das Land gerichteten Protist:Ich protestire mit der ganzen Energie meiner Seele gegen den gegen die constituirende Versammlung geführten brutalen Schlag. Mein Gewissen scheidet mich von der Demagogie. Mein Gewissen und meine Ehre scheiden mich von der Lage, welche durch die Gewalt der Bajonette soeben bereitet ist. Mehrere Deputirte der Majerität haben diesem Protest zugestimmt. Die Entwaffnung wird ohne Schwitrigkeit fortgesetzt. Madrid ist an- haltend ruhig.

Nadrid. Das Feuer der Insurgenten in Cartagena ist lebhafter geworden. Die Jnsur⸗ genten scheinen durch die Voraussetzung, daß die Stimmung der Provinzen eine der Regierung feindliche sei, ermuthigt.

Madrid, 7. Jan. Von der Belagerungs⸗ Armee vor Cartagena wird gemeldet, daß eln Pulver- Magazin in dieser Statt durch eine Ex plosion zerstört worden sei.

Madrid. Die definitive Liste des Ministe⸗ riums Serrano hat gegen die erste telegraphische Meldung einige Abänderungen erfahren. Die amtlicheMad. Zeitung veröffentlicht Deerete, durch welche Martes zum Justezminister, Eche⸗ garay zum Finanzminister, Mosquéra zum Handels- minister, Abaceda zum Civil Geuverneur von Madrid ernannt worden. Admiral Topete hat nach den Madrider Zeitungen die Uebernahme des Marine-Ministeriums abgelehnt.

Madrid. Valencia ist in Belagerungezustand erklärt. Die Generale Ripoll und Hidalgo sind

Erinnerung lebt, ist nunmehr seines Alters wegen sorische Stellen in der Armee: Der Herzog von verhaftet. Man versichert, Castelar habe Salmeron

in den Ruhestand übergetreten.

Nemours, Divisions-General; der Prinz von Join- und Figueras, die ihn aufforderten, mit ihnen die

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