brochen, seien die friedlichen Versicherungen der Thronrede geeignet, allen kriegerischen Gerüchten ein Ende zu machen. Auch die große Zahl der dem Reichstage vorgelegten gesetzgeberischen Arbeiten lasse den Frieden nothwendig erscheinen. Eine so beschäftigte Nation könne nicht den Wunsch hegen, andere zu bekriegen.
— 31. Oct. In der heutigen Sitzung des Keichstages wurde v. Forckenbeck mit 203 von 207 abgegebenen Stimmen zum Präsidenten, Frei berr Schenk v. Stauffenberg mit 144 von 211
Der Staatsanwalt beantragt fünfzehnjährige Zucht⸗ hausstrase und Verlust der bürgerlichen Ehren⸗ rechte auf zehn Jahre gegen Kullmann und be⸗ gründet das beantragte Strafmaß durch die hohe verantwortliche Stellung des ersten Staats beamten des deutschen Reiches und Preußen. Der Ver theidiger beantragt, ein mildes Urtheil gegen den in beklagenswerther Weise bethörten Angeklagten zu sprechen. Nach Berathung von einer Stunde verkündet der Präsident das Urtheil. Dasselbe lautet auf 14jährige Zuchthausstrafe und Verlust
Stimmen zum ersten Vicepräsidenten gewählt. Bei der bürgerlichen Ehrenrechte auf 10 Jahre, sowie letzterer Wahl erhielt Fürst zu Hohenlohe-Laygen⸗ Stellung unter Polizei-Aufsicht. Kullmann vernahm burg 44 Stimmen, während 22 Zettel unbeschrieben das Urtheil anscheinend ohne Bewegung. Als waren. Zum zweiten Vicepräsidenten wurde Hänel Milderungsgründe wurden bei der Verkündigung mit 143 von 204 Stimmen gewählt, v. Putt- des Urtheils die Jugend und die schlechte Er- kammer erhielt 33 Stimmen. ziehung Kullmann's betont. Derselbe verzichtet auf
— Der„Nordd. Allg. Ztg.“ zufolge ist der Ergreifung des Rechtsmittels und wurde sodann zur Vertretung des Gesandten Graf Brandenburg unter starker Escorte nach der Frohnfeste zurück in Lissabon bestimmte Legationsrath Graf Arnim geführt. Nach der maßgebenden Verordnung vom abberufen worden, um vernommen zu werden, oder 21. Mai 1874 wird Kullmann seine Strafe im aus einer anderen Ursache. Das Blatt bezeichnet Zuchthause St. Georgen bei Bayreuth abbüßen.
es als nicht der Wahrheit gemäß, daß damit einem Antrage des Grafen Arnim Folge gegeben sei.
— Die Mittbeilungen englischer und italien- ischer Zeitungen über einen neuen Brieswechsel zwischen dem Papst und Kaiser Wilhelm werden der„Wes. Ztg.“ aus unterrichteten Kreisen als apokryph bezeichnet.
Posen, 31. Oet. Ein böherer Regierungs- Beamter, von Polizei-Personal unterstützt, hielt heute auf der Dom⸗Insel eine Nachforschung nach amtlichen Documenten des apostolischen Delegaten ab.
Fulda, 30. Oct. Der externirte Pfarrer Helfrich in Dipperz ist beim Messelesen verhaftet und schubweise über die Grenze des Kreises trans- portirt worden.
Kassel. Anläßlich grober Extesse, welche in dem oberhessischen Dorf Dreihausen die von dem abgesetzten Pastor Schedtler und dessen Frau fanatisirten renitenten Bauern wiederholt gegen die Anbänger des Consistoriums verübt haben, sowie wegen der häufigen Insulten gegen den neuen Pfarrer, hat die kirchliche Oberbehörde jetzt gerichtliches Einschreiten gegen die Thäter und die intellectuellen Urtzeber der vorgekommenen Aus- schreitungen beantragt. Außerdem wurde um poli⸗ zeilichen Schutz der in der Minderzabl befindlichen regierungsfreundlichen Bewohner des Ortes gebeten.
Hannover. Bildhauer Schäffer in Rom, der im Jahre 1870 wegen persönlicher Verfolgungen den Grafen Arnim des Amtsmißbrauchs beim nord— deutschen Reichstage vergebens beschuldigte, wurde privaten Mittheilungen zufolge vom Tribunal zu
Hannover aufgefordert, seine Depositionen zu machen.
Meiningen. Die Angelegenheit des Wieder- Aufbaues der Stadt ist in diesem Monat spruch- reif geworden. Es handelt sich nur noch um die Festsetzung einzelner, allerdings nicht unwesentlicher Bestimmungen, die mit dem herzoglichen Ministe⸗ rium noch in diesen Tagen vereinbart werden sollen, während der Vertrag an sich hereits als perfect anzusehen ist. Die eigentliche Seele des Unternehmens soll nach dem„B. B.- C.“ der Unternehmer Hermann Geber sein, während die „Deutsche Unionbank“ und die Firma Jacob Landau in erster Linie den finanziellen Theil des Unternehmens in Händen haben. Das Terrain ist bereits expropriirt, so daß einem einheitlichen Wiederaufbau nach dieser Seite hin keine Schwierig— keiten mehr im Wege stehen. Die Pläne sind be— reits fertig gestellt.
Würzburg, 30. Oct. Prozeß Kullmann. Nach dem Resumé des Präsidenten und dem ge— schehenen Vorhalt an die Geschworenen, begaben sich diese in das Berathungszimmer. Die einzige Frage lautet: ist Kullmann schuldig, am 13. Juli 1874, Mittags, in Kissingen auf den Fürsten Bismarck in der Absicht, denselben zu tödten, vor- sätzlich und mit Ueberlegung eine mit zwei Reh⸗ posten geladene Pistole in einer Entfernung von 1½ bis 1 Schritt abgeschossen zu haben? Bei dem Wiedereintritt der Geschworenen verliest der Obmann das Verdict:„Auf Ehre und Gewissen, die Antwort der Geschworenen ist: Ja!“ Die Berathung der Geschworenen dauerte 7 Minuten.
zweiter Lesung erledigt.
Straßburg. Von den neun linkserheinischen Forts Straßburgs, deren Entfernung vom Herzen der Stadt etwa eine deutsche Meile beträgt, werden sechs vom 1. Nor. ab ihre ständige Besatzung, bestehend aus 1 Offizier und 20— 30 Mann, deren Ablösung allmonatlich erfolgt, erhalten. Die drei übrigen Forts sollen erst am 1. Mai nächsten Jahres mit Besatzung versehen werden. Die drei rechtsrheinischen, im weiten Bogen um Stadt und Doff Kehl herumliegenden Forts sind bekanntlich erst im Laufe des vergangenen Sommers in An- griff genommen worden, so daß ihre Vollendung erst nach längerer Zeit zu erwarten ist.
Ausland.
Oesterreich⸗Ungarn. Wien, 28. Oct. Das Abgeordnetenhaus hat heute das Gesetz über die Militärversorgung von Personen des Heerts und der Marine nach den Ausschußanträgen in Der Antrag auf gesetz— liche Anerkennung der Freimaurer, desgleichen eine Interpellation über die Ignorirung der Anfragen der Abgeordneten von Seite der Regierung wurden
durch Mitglieder des Fortschritts-Clubs eingebracht.
— Oesterreich schloß nit Rußland eine Marken⸗ schutz Convention ab, welche aber wegen Rußlands Abneigung gegen förmliche Staatsverträge nur die Minister unterzeichneten.
Frankreich. Paris, 29. Oct. Der Kriegs- minister Cissey entwickelt in der neuesten Zeit eine sehr bemerkungswerthe Thätigkeit. Nachdem er der Reihe nach die Arbeiten an den rings um Paris in der Anlage begriffenen neuen Forts in Augenschein genommen und die nöthigen Weisungen zu einer rascheren Fortführung derselben ertheilt hat, ist er gestern nach Bourges gereist und hat dort über die in dem Lager von Avor vereinigten und von dem General Ducrot befehligten Truppen eine Revue abgenommen.
— Die Mehrzahl der Journale druckt die deutsche Reichstags-Thronrede ohne Commentar ab, die übrigen nehmen Act von ihren friedlichen Erklärungen.„Journal de Paris“ hebt deren Wichtigkeit hervor und sagt, Europa könne un⸗ zweifelhaft auf einen dauernden Frieden rechnen, wenn Deutschland entschlossen sei, nur zur eigenen Vertheidigung Krieg zu führen.
Bayonne. Der spanische Aviso-Dampfer „Corcordia“ hat am 26 auf ein französisches Schiff, welches er behufs Durchsuchung verfolgte, aus Irrthum geschossen; getödtet oder verwundet wurde dadurch Niemand. Deßgleichen wurde aus dem Fort von Fuenterrabia am 29. aus Irrthum auf ein französisches Schiff gefeuert. Die spanischen Befehlshaber haben diesbezügliche Entschuldigungen gemacht.
Spanien. Madrid. Der von den Re- gierungstruppen gefangen genommene Calisten- führer Lozano erklärte vor dem Kriegsgericht, daß Don Alsonso ihm die Zerstörung von Eisenbahnen und die Füsilirung der Bahnangestellten anbe⸗ fohlen habe.
— Wiederholt versichern die Blätter, daß Don Alfonso seines Commondos enthoben und
durch den General Rada in Catalonien ersetzt 13
worden sei. Auch wird behauptet, daß zwischen den beiden Brüdern ein Bruch eingetreten sei, der sich bis auf die Truppen ausdehne; es gebe also jetzt carlistische und alfonsistische Carlisten. Selbst der Bischof von Urgel, welcher erst vor wenigen Wochen von Don Carlos in seine Dibcese wieder eingesetzt worden war, soll sich von ihm durch ein Schreiben losgesagt haben, in welchem er er⸗ klärte, daß er nur Don Alsonso als seinen un⸗ mittelbaren Vorgesetzten ansehen könne.
— Es bestätigt sich nach den„D. N.“, daß Don Carlos abermals ein Memorandum zu Gunsten seiner Legitimität an die europäischen Mächte gerichtet hat. Das Schriftstück ist von zahlreichen Documenten begleitet, u. A. dem Suc⸗ cesstons⸗Gesetz Plilipps V. vom 10. Mai 1730,
der pragmatischen Sanction Carl IV. vom 31. Mai 1789, dem Promulgations-Decret Ferdinands VII. vom 1. Januar 1833 ic.
Ebenso ist dem Cireular-Schreiben eine Reihe juristischer Gutachten von spanischen und aus— wärtigen Staatsrechts-Gelehrten beigefügt. Das Document trägt die Unterschrift:„Vinnalet, Staats ⸗Secretär des Königs Karl VII.“ Italien. Rom. Die„Voce della Verita“ veröffenlicht ein Schreiben des Papstes vom 19. Oe⸗ tober an den Bischof Dupanloup, worin Letzterer wegen seines Briefes an Minghetti belobt und der Brief selbst als opportun bezeichnet wird. Der„Osservatore romano“ dementirt die Nach- richt der„Daily News“, daß der Papst vom Kaiser Wilhelm ein Schreiben erbalten habe.
Türkei. Constantinopel. Der Fürst von Montenegro hat dem russischen Botschafter bei der Pforte, General Ignatieff, als Doyen des diplomatischen Corps telegraphisch die Zweck⸗ mäßigkeit nahe gelegt, der in der Podgorieza⸗ Angelegenheit berufenen Enquete einen internatlo— nalen Character zu verleiben. General Ignatieff antwortete nach Consultirung seiner Collegen: Nachdem der Großvezir prompte Justiz zugesagt habe, werde das diplomatische Corps sich für den Augenblick darauf beschränken, den Verlauf der Angelegenheit zu verfolgen.
Monastir. Neun Rädelsführer des mon⸗ tenegrinischen Conflictes wurden in Haft genommen. Die Untersuchungs-Commission fungirt bereits. Der normale Grenzverkehr ist mit Ausnahme bei Podgoricza wieder hergestellt.
Amerika. Newyork. Eine Telegramm des Generals Sheridan, meldet, daß der Indianer krieg beendet sei, da alle Insurgentenführer ge— sangen. Einer Meldung aus Cuba zufolge reist der Gouverneur Concha umher, um Calixto und Garcia aufzusuchen und mit ihnen über die Unter⸗ wersung aller oder der meisten Insurgenten zu verhandeln und ihre Ansicht betreffs einer Amnestie entgegenzunehmen.
— Der Grenzstreit zwischen Chili und Bolivia ist geregelt worden. Bolivia behält die reichen Silberminen von Caracoles, Chili wird hingegen die Hälfte des Reinertrages zugesprochen. Die in Frage stehenden Guanolager werden getheilt.
Aus Stadt und Land.
Wisselsheim. Bei der am 31. Oktober stattge⸗ habien Bürgermeister-Wahl dahier fielen 27 Stimmen auf Konrad Hofmann, welcher seit 1848 den Gemeinde rechner⸗Dienst dahter und zwar stets zur allseitigen Zu⸗ friedenheit führte, 7 Stimmen erhielt der seitherige Bürger⸗ meister Friedrich Huber.
Worms; 29. Oct. Von dem am 16. d. M. in dem Arrestlocale dahier gewallsam ausgebrochenen fünf Indivi⸗ duen ist gestern das erste wieder eingebracht worden. Ein anderes soll in Neustadt a. H. verhaftet worden sein.
I Ein Fehler bei den Gemeindewahlen. Der F. 13 der Städte-, wie der Landge⸗
meinde Ordnung sagt:„stimmfähig sind
1) alle in der Gemeinde grund., gewerb- oder einkommensteuerpflichtigen Orts bürger derselben;
alle männlichen Einwohner, deutsche Reichsangehörigkeit besitzen und welche seit 2 Jahren ihren Unter- stützungs Wohnsitz erworben haben,
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