Ausgabe 
30.10.1873
 
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auf das Schreiben des Papstes zugegangen. Der Cultusminister hat in einem Specialfalle erklärt, daß unter einer deuschen Staats⸗Universttät, deren Besuch nach dem Kirchengesetz zur Bekleidung eines geistlichen Amtes erforderlich ist, eine Universität eines zum deutschen Reiche gehörigen Staates zu verstehen sei.

DieRNordd. Allgem. Ztg. erörtert den Anspruch des Papstes, daß alle Getausten ihm angehören, mit Anführung geschichtlicher That⸗ sachen, wodurch er seit drei Jahrhunderten un⸗ practisch geworden sei. Der Anspruch wäre heute noch practisch, wenn nicht deutsche Gesetzgebung, wogegen die Päpste stets protestirten, dasür gesorgt hätle, daß aus den Principien des Vaticans nur diejenigen Consequenzen gezogen worden seien, welche wir Deutsche vertragen. Weil die Curie Alles wollen müsse, könne ihr niemals Alles, was sie begehrt, gewährt werden. Die Antwort des Kaisers sei keine beschränkt confessionelle, sondern stehe auf dem Standpunkt der katholischen und evangelischen Fürsten Deutschlands der letzten drei Jahrhunderte und auf der alten Rechtsgrundlage deutschen Religionsfriedens. Zu allen Confessionen sprächen aus den Worten des Kaisers an den Papst: Religionsfreiheit, Religionsfriede.

Köln. Vor der Correctionskammer des Land- gerichts wurde am 27. October gegen den Erz bischof Melchers wegen gesetzwidriger Anstellung von Geistlichen in sechs Fällen in contumaciam verhandelt. Der Staatsanwalt beantragte in jedem Falle Verurtheilung in 500 Thaler, eventuell 4 Monate Gefängniß. Der Gerichtshof erkannte auf je 200 Thaler, eventuell 2 Monate Gefängniß.

Cassel. Auf die Suspension des Renitenten Hartwig zu Waldkappel von seinem Metropoli- tanate folgte nun auch die von seinem Pfarramte, dessen Verwaltung dem Pfarrer und Rector Wepler daselbst übertragen worden ist.

Die Abpfändung des zweiten Strafmaßes, 20 Thaler, ist nun so ziemlich bei allen Reniten- ten vollzogen und denselben so eben das dritte, 30 Thaler, angedroht worden.

Ueber das Verhalten derkirchentreuen Gemeindeglieder Oberhessens wird denHess. Bl. berichtet, daß in einem Kirchspiel kürzlich drei Familien durch Protokolle bei ihrem bis⸗ herigen Pastor und beim Amtsgericht ihren Aus- tritt aus derUnions Kirche förmlich erklärt haben, und daß viele Gemeinde Glieder nicht nur in demselben Kirchspiel, sondern auch noch in zwei benachbarten Kirchspielen dasselbe Verfahren ein- geschlagen haben würden, wenn dieselben nicht, trotz ihrer Rathlosigkeit, das gegründete Bedenken gehabt hätten, es möchte solches nicht die richtige Form desScheidens von dieser Gemeinde sein. Ein kürzlich verstorbenerkirchentreuer Kaufmann in We hat seiner Nichte testamentarisch 1000 Thlr. vermacht für den Fall, daß sie binnen Jahresfrist

aus derUnionskirche austritt.

Hanau. Wie dasSchulblatt aus zuver⸗ lässiger Quelle vernommen hat, ist die Stadt Hanau von der Regierung angehalten worden, den katholischen Schulen einen Zuschuß von 1500 Thlrn. zu zahlen. Sie hat dagegen bei dem Cultus; minister Einsprache erhoben, allein der Regierungs- Beschluß ist aufrecht erhalten worden. München. Aus dem letzten Feldzuge werden von der bayerischen Armee immer noch 1046 Mann vermißt, wovon 46 verheirathete Männer sind. Bezüglich der Todeserklärung dieser Vermißten wird nun dem Landtag ein Gesetzentwurf vorgelegt werden, der aus mehreren Artikeln besteht und auch Bestimmungen hinsichtlich des betreffenden Gerichtsversahrens enthält.

Der Jesuiten- Pater Graf Fugger-Glött wird in Betreff des gegen ihn erlassenen Aus- weisungsbefehls eine Beschwerde über Verletzung verfassungsmäßiger Rechte an die Kammer bringen. Es besteht sonach die Aussicht, ein Nachspiel zu der Jesuiten⸗Debatte des Reichstags im bayerischen Landtag zu erhalten. Aus Kissingen wird be richtet, daß die Staatsregierung, Angesichts der neueren Erfahrungen im Gründungswesen, sich nunmehr im Princip dahin geeinigt hat, das Bad keinesfalls an ein Gründer-Consortium, wie

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projectirt war, zu verkaufen. Im Donau⸗ Moos herrscht die Cholera in hohem Grade. In Grilheim allein, das kaum 400 Seelen zählt, sind bereits 20 Todesfälle an Cholera vorgekommen.

Sigmaringen. Berliner Blätter bringen die bevorstehende Reise des Prinzen Friedrich von Hohenzollern, welche derselbe nach Egypten, Griechen⸗ land und der Türkei mit dem Rückweg über Bukarest anzutreten gedenkt, in eine ganz unmoti⸗ virte Verbindung mit einer in Aussicht genommenen Stellung in Rumänien. Diese Nachricht entbehrt jeder Begründung.

Ausland.

Oesterreichllngarn. Wien. Der öster⸗ reichische Gesandte in Kopenhagen Graf Paar, ist dem Vernehmen nach zum Botschafter bei dem päpstlichen Stuhl ernannt worden.

In der Umgebung des Grafen Chambord betrachtet man, wie dieNeue Fr. Peesse aus Frohsdorf erfährt, die Restauration als zweifellos. Die Rathgeber Chambord's seien mit der Ab- fassung einer Proclamation an das franzosische Volk beschäftigt, Reise-Vorbereitungen nach Paris werden getroffen, Chambord selbst begibt sich in den nächsten Tagen in die Nähe der französischen Grenze, um die weiteren Ereignisse abzuwarten.

Schweiz. Bern. Eine in Delsberg am 26. d. M. statigehabte Versammlung freisinniger Schweizer war von ungefähr 2000 Personen be sucht. Als Redner traten Jolissaint, Frossard und Ducomun auf. Eine von denselben beantragte Resolution vorwiegend revisionistischen und anti klerikalen Inhalts wurde einstimmig angenommen.

Genf. Der Installation der Curés vom 26. d. M. wohnte eine unermeßliche Menschen- menge mit großer Andacht bei. Es erfolgte keine Störung. Die Inaugurationsrede wurde von Reverchon, dem Abgeordneten des Staatsrathes gehalten, die Messe und Predigt von Hyacinthe. Hyacinthe sprach vom guten Hirten(Joh. 10). Er unterscheidet die zwei Mächte Staat und Kirche, erinnert an Petrus und Paulus, welche unter Nero Gehorsam gegen die bestehenden Obrigkeiten empfehlen. Wir sind, sagte er, in der Kirche von

Rechtswegen; die Hierarchie wird an Unbußfertig⸗

keit zu Grunde gehen. Er ruft dem Pfarramt die Uneigennützigkeit und Opferwilligkeit ins Ge- dächtniß. Jesus allein sei der Hirte. Die Predigt macht einen tiefen Eindruck.

Frankreich. Paris. Wie verlautet, hätte der Marschallpräsident Mae Mahon einem ihn be suchenden Diplomaten gegenüber geäußert, daß die seinen Worten durch die bonapartistischen Journale gegebenen Auslegungen durchaus unrich⸗ tige seien; er sei fest entschlossen, mit dem Cabi nete zurückzutreten, wenn die Linke der National versammlung wieder die Majorität erlangen sollte, dagegen würde er selbst bei etwaiger Ablehnung der monarchistischen Propositionen auf seinem Posten bleiben können, wenn die bisherige Majorität sich trotzdem wieder gegenüber der Linken formirte.

Der Umstand, daß die Bonapartisten sich der Abstimmung über die Königsfrage enthalten, dürfte über die Monarchie entscheiden. Die Rechte hat nochmals einen Versuch gemacht, das linke Centrum zu gewinnen, indem sie die Abdankung Cham- bords nach seiner Proclamation als möglich hinstellte.

Marschall Canrobert, dessen Verhalten bei Metz rühmlich gewesen, soll demnächst einen hohen militärischen Posten erhalten. Er hat seinen Bona partismus längst aufgegeben.

Versailles. Am 27. d. find hierselbst drei Deputationen aus den Provinzen angekommen, indeß von dem Marschallpräsidenten nicht empfangen worden. Einer von ihnen, welche erklärt hatte, daß sie für die öffentliche Ordnung nicht einstehen könnte, wenn die Monarchie proclamirt würde, wurde erwidert, daß die Regierung keine Furcht habe und für die Aufrechthaltung des öffentlichen Friedens sich verbürge. g

Das linke Centrum hielt am 27. d. M. wieder eine Versammlung. Dasselbe betrachtet die Majorität für die Republik gesichert und sieht von der Entsendung von Provinzialdeputationen

an Mac Mahon ab, um sich nicht dem Vorwurfe von Agitationen auszusetzen. f

Trianon, 27. Oct. Prozeß Bazaine. Als wichtigster Punkt der heute abgegebenen Zeugen⸗ aussagen ist hervorzuheben, daß Bazaine am 6. August den Divisions⸗Generalen den Befehl ertheilt, den General Frossard zu unterstützen. Aus den Zeugenaussagen ergibt sich, daß weder Ba- zaine noch Frossard für die Nichtausführung dieses Befehls verantwortlich zu machen sind.

Belgien. Brüssel. Der Pariser Corre⸗ spondent derIndépendance dementirt categorisch das Gerücht, daß Grévy um das Präsidium der Nationalversammlung candidire, sowie daß die Linke die Dringlichkeit des Restaurationsvorschlags bestreite. Die Opposition wolle kein Vorposten⸗ gefecht.

Italien. dieVoce della Veritä dementiren die Nachricht desMemorial diplomatique über die angebliche von dem Grafen Chambord an die europäischen Cabinete gerichtete Note bezüglich der ihm zuge⸗ mutheten Politik und leugnen die Existenz der Note.

DieItalie bemerkt betreffs der allge- meinen Finanzlage, daß durch Verminderung der Ausgaben um 17 und Erhöhung der Einnahmen um 16 Millionen gegenüber 1873, das Defieit des Budgets für 1874 um 33 Millionen ver- mindert und auf insgesammt 109,900,000 reducirt sei. DieAgenzia Stefani bezeichnet die Nach- richt von einer beabsichtigten Conferenz des Königs mit Visconti Venosta und Nigra als unbegründet.

Der Jesuitengeneral hat beschlossen, sich nach Belgien zu begeben. Die Jesuiten räumen die Klöster definitiv am 2. Nov., mehrere werden bei Privaten wohnen.

Rußland. Petersburg. Hier sind fol- gende Nachrichten aus Chiwa eingetroffen: Nach⸗ dem die russischen Truppen den Rückmarsch ange- treten-hatten, erhoben sich die Nomuden, plünderten und zerstörten einige Ortschaften, ermordeten 1000 freigelassene persische Sklaven, verweigerten die ihnen auferlegten Contributionszahlungen und nahmen den Kampf gegen den Khan auf. Der Khan wendete sich an General Kauffmann um Hülfe, aber dieser hatte bereits Chiwa verlassen und seine Antwort ist noch unbekannt. Möglicher⸗ weise wird eine Expedition von Krasnowodsk(am

kaspischen Meere) abgeschickt werden müssen, um

die Aufrührer zu zuchtigen.

Amerika. Newpork. Aus den Provinzen wird vielfach über eine Geschäftsstockung berichtet. Mehrere Eisengießereien und Baumwollenspinne⸗ reien mußten geschlossen werden. In Memphis ist das gelbe Fieber im Abnehmen begriffen; die Zahl der in den letzten 14 Tagen der Seuche dortselbst Erlegenen beträgt 417.

Eine große unerwartete Silbernachfrage hat den Schatzseeretär an der Ausführung seiner Absicht, vom 27. d. M. ab die Zahlungen in ge⸗ münztem Gelde wieder stattfinden zu lassen, verhindert.

Aus Stadt und Land.

Mainz. Eine Pfund wiegende Traube, Schwarz⸗ körner, auf Gau⸗Algesheimer Gemarkung gewachsen, be⸗ findet sich im Besitze des Gastwirths Hrn. M. Riffel dahier.

Mainz. In der Nacht von Samstag auf Sonntag, nach 12 Uhr, brach in der Actienbrauerei auf dem Kästrich Feuer aus. Die gewaltigen Flammen verbreiteten bei der hohen Lage des Etablissements den Feuerschein weit hin, viele Sttaßen der Stadt waren fast taghell erleuchtet, so daß sich der Bewohner ein jäher Schrecken bemächtigte. Die Flamen verzehrten das ganze Innere bes von ihnen ergriffenen Raumes, in dem die Malzoͤörre sich befindet, so daß nur die Umfassungsmauer stehen blieb. Bei der Gewalt des Feuers war das Geschäft des Löschens nicht wenig erschwert; doch gelang es den großen Anstrengungen der Löschmaunschaft, daß der Brand nicht über seinen Heerd hinausging, was durch die solide Bauart wesentlich er⸗ leichtert war; zum Glück war es auch sehr windstill. Es wurde Morgen, bis das Feuer bewälligt war.

Allerlei.

Frankfurt. Auf dem am 19. Oct. Statt gehabten Turniag des mittelrheinischen Verbandes wurde beschlossen, daß bei den Preisturnen kein Turner mehr in Tricots und Gummisohlen turnen darf. Das nächste mittelrheinische Turnfest wurde, nachdem Homburg und Aschaffenburg zurückgetreten, von Gießen übernommen und der Beitrag

pro Kopf auf zwei Mark festgesetzt. In den Verband wurden aufgenommen die Vereine Nackenheim und Mitz,

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