Ausgabe 
31.7.1873
 
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Fernando haben einen Angriff der Insurgenten

auf Cadix nach dreitägiger Kanonade zurück- geschlagen. Man glaubt, daß das Bombarde · ment von Valencia am 28. d. Mts. wieder be⸗ ginnen wird. Gerüchtweise verlautet, Coateras wolle mit 3000 Freiwilligen Valencia Beistand leisten. Die Eisenbahn nach Valencia ißt mehr- sach unterbrochen. N

Provinzialnachrichten zufolge ist die Co lonne Villakampo ohne Schwertstreich in Castellon eingezogen, wo die Revolutionsjunta aufgelöst wurde. Von Carthagena sind zwei Insurgenten- schiffe mit Mannschaften nach Amerika und Malaga abgegangen. Contreras wird überwacht, da be fürchtet wird, daß er die Stadt verläßt. Die Desertionen unter den Streitkräften der Insur⸗ genten dauern fort. General Pavia blokirt Se⸗ villa vollständig. Die aus Malaga geflüchteten Familien kehren zurück. 0

General Pavia eröffnete am 27. d. M. das Feuer auf Sevilla. Granada setzten den Bischof in Freiheit. Da- gegen nahmen sie viele Verhaftungen unter den Einwohnern vor und legten den Reichen Steuern auf. Die Regierung wünscht die Rückgabe der Vigilante von dem Consul in Gibraltar.

Bayonne. Ein Dampfschiff hat am 28. d. bei Fuenterabia 3000 Remington Gewehre ge⸗ landet, welche von 700 Carlisten in das Gebirge gebracht wurden. Don Carlos und Lizarraga befanden sich Freitag bei Penaterrada.

Italien. Rom. Der Papst hat in dem Consistorium am 25. Juli 22 Bischöfe ernannt: 5 in Italien, 5 in Frankreich(Aix ⸗Chambery, Tarbes, Nevers, Amieus), ferner einen in Buenos⸗ Ayres, Spathmar, und Erlan(Ungarn), Perth Australien), Watersood(Irland), Adelaide (uralter) und 6 Bischöfe in partibus insidelium. In seiner Allocution erklärte darauf der Papst das Klostergesetz als jedem natürlichen und Menschen⸗ recht widerstreitend, wies auf dit von der Kirche in ähnlichen Fällen verhängten Strafen hin und empfahl fortgesetztes Gebet, um das Aufhören der kirchlichen Leiden zu erflehen.

Mailand. Der Schah von Persien ist von Turin kommend am 27. Juli hier eingetroffen und von dem Kronprinzen und den Spitzen der Behörden am Bahnhofe empfangen worden.

Rußland. Petersburg. Die Beding⸗

ungen des Friedens mit Chiwa sind demGolos zufolge folgende: Chiwa zahlt eine Kriegs Con: tribution von 2 Millionen Rubel binnen 7 Jahren, zur Sicherheit bleiben so lange Schurachau und Kangrad durch russische Truppen besetzt. Dos Khanat von Chiwa bleibt unter der Regierung des jetzigen Khans selbstständig. Die Grenze von Chiwa bildet künftig der Amu⸗Darja. Die seit⸗ herigen chiwaischen Besitzungen auf dem rechten Ufer des Amu⸗ Darja werden für die den Russen geleistete Hülfe an den Emir von Bukhara ab- getreten. Die Todesstrafe ist abgeschafft. Der Ausmarsch der russischen Truppen aus der Stadt Chiwa unter Oberbefehl des Generals Kaufmann ist auf den 15. 27. August festgesetzt. General Kaufmann meldet, daß im Khanat Chiwa vollständige Ruhe berrscht und die rus⸗ sischen Truppen sich des besten Wohlseins erfreuen; Ler Transport befreiter Sclaven über Krasnowodsk nach Persien habe begonnen.

Aus Stadt und Land.

Friedberg. Am Nachmitlage⸗ des 29. Juli zog ein schweres Weiter über unsete Stadt, wobei eine Finsterniß hertschte, daß man kaum sehen konnte. Es blitzte und donnerte unaufhörlich. Um 2 Uhr erfolgte Blitz und Schlag zugleich, es hatte in das sog. Schlafhaus im hiesigen Seminarhof eingeschlagen. Der Blitz schälte die Schiefer vom Dache und zersplitterte 2 dicke Balken ohne jedoch weiteren Schaden zu verursachen. Die in dem unmittel⸗ bar darunter befindlichen Zimmer anwesenden Semina⸗ risien kamen mit dem blosen Schrecken davon.

Bad⸗Nauheim. Eine Messeraffaire setzte unsern sonst so friedlichen Badeort resp. dessen Kurgäste in die größte Aufregung. Der allen Kurgästen seit Jahten bekannte Schweizer, welcher die Molken an der Trinkhalle verkauft, wurde von zwei Bergleuten so bedeutend verletzt, daß man an seinem Aufkommen zweifelte und nur der menschen⸗ freundlichen Hülfe des Chirurgen, Herrn Deuring, ist es zu danken, daß er sich jetzt außer Lebensgefahr befindet.

Die Insurgenten von

Diese zwei Bergleute hatten schon vot einigen Monaten den hier angestellten Nachtwächter in den Bauch gestochen wurden jedoch nicht weiter verfolgt, da sich der Nacht- wächter mit einem Schmerzensgeld von 5 fl. zufrieden er⸗ klärte; hierdurch dreist gemacht, glaubten sie auch diesmal mit einer Geld-Entschädigung davonzukommen, sie si jedoch verhaftet und dem Gericht in Gießen überanwo worden. 1 1 Darmstadt, 29. Juli. Ver Ihrer Abreise von Jugenheim haben Se. Masestät der Kaiser von Ruß land 1000 fl. und Ihre Majestät die Kaiserin 500 fl. zum Zweck der Vertheilung an die Armen hiesiger Stadt und Umgegend der Großh. Polizeiverwaltung in Darm⸗ stadt übergeben lassen. e Darmstadt. Von mehreren Seiten laufen Nach⸗ richten über ben Schaden ein, welchen das Gewitter in der Nacht vom 26. auf den 27. d. M. verursacht hat. So haben namentlich die Frucht, besonders die Tabak⸗ pflanzungen in den Gemarkungen Lorsch und Bürstadt und andern Orten der dortigen Gegend schwer gelitten. Hier in Darmstadt schlug der Blitz mehrere Male ein, u. a. in ein Haus in der Langgasse und in einen Baum im Herrugarten. a Heppenheim. Aw 20. d. M. lagte unser land⸗ wirihschaftlicher Bezirksverein in Neckar⸗Steinach. Nach Beendigung des gemeinschaftlichen Mittagsessens im weithin bekanntlen GasthofZur Harfe eröffnete der Präsident, Herr Kreisrath Graͤff, die Versammlung mit herzlichen Worten. Den Bewohnern des Neckarthals brachte er die Grüße der Freunde der Rheinebene. Auf der Tages- ordnung stand ein Vortrag über Obstbaumzucht von Hrn. Hofgärtner Noack und ein Vortrag über ralionelle Vieh⸗ zucht von Lehrer Oswald. Beide Vorträge fanden Beifall. Mainz. Am 23. d. M. wurde am hiesigen Bezirks⸗ gerichte über den s. Z. in Bingen vorgekommenen Eisen⸗ bahnunfallder Hess. Ludwigsbahn(Zusammenstoß zweier Züge) verhandelt. Die Verhandlung nahm den ganzen Tag in Anspruch. Die Staatsbehörde beantragte für den Rengiermeister 15, für den Locomotivführer (welcher den Rangikdienst im Binger Bahnhof zu versehen hatte) 12, für den Locomotivführer des Personenzuges 9 Monate Zuchthausstrafe und sämmtliche Angeklagte für unfähig zu jeglichem Eisenbahndiensle zu erklären. Mainz. Die Nacht vom 26. auf den 27. d. M. war sehr mit Gewittern heimgesucht, welche jedoch, ohne Schaden anzurichten, vorüberzogen. Desto schrecklicher hauste das Gewitter im Rheingau. In Eltville schlug der Blitz in den Kirchthurm, von oben der Kuppel an hinein und zerschmetterte den Uhrbehälter, die Gebälke des Uhrthurmes in Splitter, fuhr den nördlichen Ausgang der Kirche heraus, woselvst er ganze Quadern herausriß und verletzte eine Frau, welche an der Stelle sich besand, sehr schwer. Zwei Knaben, welche sich zu derselben Zeit in der Nähe der Uhr befanden, wurden ebenfalls schwer verletzt. Der Glockenthurm blieb verschont. Ein Glück war es, daß der Blitz nicht in das Innere der Kirche einschlug, die gedrängt voller Menschen war. Seit 1784 ist dies das zweite Unglück, das diese Kirche betroffen. Weiteren Schaden richtete das Unwetter in Wiesbaden und Schwalbach an, wo es einschlug und Brände verur⸗ sachte; In Schwalbach brannte es noch nach 4 Uhr Nachmittags. 0 Mainz. Bei dem am 27. d. M. in der Frühe aus⸗ gebrochenen Gewitter schlug der Blitz zweimal in der Ge⸗ markung Gonsenheim ein und ging dabei ein fteistehender großer Kornhaufen und ein Schuppen in Flammen auf. Worms. Bei dem Gewitter, welches am 26. d. M. Nachts ausbrach, bat der Blitz in Oberflörsheim eine Scheuer in Brand gesteckt. In Heuchelheim schlug der Blitz ebenfalls ein, abermals brannten dorten 2 Scheuern. und 1 Stall ab. Ein Einwohner von Ibersheim, der während des Gewitters zum Fenster heraussah, wurde von einem Blitzstrahl getroffen, jedoch glücklicher weise nicht er⸗ heblich beschädigt. In Alsheim hat es gleichfalls einge⸗ schlagen. Das Feuer konnte jedoch glücklicherweise im Entstehen gelöscht werden.

Allerlei. 5

Friedberg. Eine größere Anzahl Meteore wird der Monat August an mehreren Abenden beobachten lassen, und zwar sind es zwei verschiedene Epochen in diesem Monat, in welchen man bedeutende Sternschnuppenfälle zu erwarten hat. Die eine ist die bekannte vom 8. bis 12., die andere fällt in die Nächte vom 15. bis 21. August.

Gera. Die Eisenbahn⸗Unsälle scheinen leider immer mehr an die Tagesordnung zu kommen. Nachdem am 20. d. M. erst ein solcher in der Nähe von Alienburg stattsand, entgleiste am 21. Nachmittags auf der Gera⸗ Gößnitzer Bahn, und zwar zwischen den Stationen Gößnitz und Schmölln, wieder ein nach Gera gehender Güterzug. Veranlassung war ein Schienenbruch, durch den in Zeit von wenigen Augenblicken der ganze Zug von 22 Wagen buchstäblich zertrümmert war. Die zumeist in Steinkohlen bestehende Ladung lag mit den Wagentrümmen zu Bergen aufgethürmt. die Passagiere nach einem jenseit der Unglücksstäule valten⸗ den Zuge gehen, resp. umsteigen. Die Abendzüge konnten die Stelle wieder ungehindert passiren. Menschenleben sind wunderbarer Weise nicht geschädigt worden.

Die Renten- Lebengpersicherungs-Anstalt in Darmstadt. Der im Druck erschlenene Rechenschaftsbericht

des Vorstandes der Anstalt für 1872 weist aber⸗

Heule srüh, und bis Mitiag noch, mußten

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mals günstige Ergebnisse und ein stetiges 908

anschreiten n bee, 5 0 e eee ee*** N I

Der reine Vermögensstand der Rentenres 0

sicherten(Einleger), welcher Ende 1871 berief 5. 1,452,977 fl. 21

hat sich in 1872 vermehrt um

90,348 55 ist somit gestiegen auf

1,543,326 fl. 16 0 Der hierunter begriffene Reservefond hat sis um 29,820 fl., demgemäß auf 212,087 fl. ei, höht und, ungeachtet einer Zurückstellung vo

I10 pCt. des Courswerthes der börsengängigt

Werthpapiere der Anstalt, einen reinen Ueberschuf von 18,100 fl. über die statutenmäßige, hinaus ergeben, welcher den Rentenkapitalien U Renteneinleger gutgeschrieben worden ist. ö Die Summe der bei der Anstalt hinterlegt Gelder war Ende 1872: 922,858 fl., im Muh gleich zum Vorjahr 14,381 fl. weniger; diessse geringe Abgang ist jedoch durch neue Einlage in der ersten Hälfte des Jahres 1873 bereits uf mehr als das Dreifache ersetzt. 5 Im Laufe des Jahres 1872 wurden 27 ntue Lebensversicherungs Anträge auf 325,975 ff, Kapital lautend angenommen. 108

Das Gesammtvermögen der Anstalt hat 1877 25 93,110 fl. zugenommen und betrug am Schluf dieses Jahres 3,038,154 fl.

6 Die zur alsbaldigen Vertheilung verfügbanf 165 Reingewinne aus 1872 belaufen sich zusammen ah 29,439 fl. und gestatten eine abermalige Erhöhun der im laufenden Jahre zur Auszahlung gelangendis Renten. latre Zweck der Anstalt ist es nicht, alsbald his Zinsen zu verschaffen, derselbe geht vielmehr dahis durch Ersparnisse in jüngeren Jahren, durch Och die schäftsgewinne und Exbanfälle steigende und hof linz Renten im Alter zu gewähren; daß aber ditss Zweck erreicht wird, beweisen die Renten, welt die Renteneinleger der ältesten Klassen der Jahr gesellschaft von 1844 seit längeren Jahren beziehn Diese Renten haben nämlich aus einer Ei lage von 100 fl betragen: dee tre in 1867 1868 1869 1870 20 fl. 4 kr. 27 fl. 32 kr. 32 fl. 37 kr. 46 fl. 18 l, f 1871 1872 1 53 fl. 9 kr. 62 fl. 20 kr. sie werden in 1873 sich stellen auf 11 e f HN und müssen natur- und statutengemäß noch immffrden mehr steigen. Der ältesten Klasse von 1846 f. z. B. durch Ableben einer Versicherten 1000 fl. ae laufenden Jahr erblich angefallen, was g 6 Renten dieser Klasse im nächsten Jahre beträch tl erhöhen wird. 6 Auch die übrigen Jahresgesellschaften un Altersklassen können mit den Rechnungsergebnisss von 1872 zufrieden sein; denn es beziehen i laufenden Jahre die jüngsten zum Dividend bezug berechtigten Altersklassen der Jahresgesellschss 1844 1845 1846 1847* 9 fl. 44 kr. 9 fl. 38 kr. 9 fl. 28 kr. 9 fl. 30 fl. D 1850 1852 geb 9 fl. 11 kr. 9 fl. 20 kr. 1. 1854 1855 1857 1860 1860/0 Im 8 fl. 25 kr. 8 fl. 50 kr. 8 fl. 24 kr. 7 fl. 30 kr. 6 fl. 4% be an Renten aus einer Einlage von 100 fl, l. Die Versicherung steigender Renten bei obigs, Im Anstalt ist deßhalb besonders vortheilhaft, nit a den Versicherten(Renteneinlegern) nicht nur re Zinsen aus ihren Renten- und Reservekapilalichsundt sondern auch sämmtlicher Reingewinn aus I 1 Depositen⸗, sowie dem Lebens- und Leibrente G Versicherungsgeschäft zu Gut kommen. 11. 80

P. Frankfurt a. M., 29. Juli. Die Vorberssi ungen für den Ultimo baben begonnen und werden P. longalionen durch den flüssigen Geldstand sehr erleichtch Für Creditaclien zeigte sich Stückemangel und wurde dasss N Deport bezahlt. Eine weitere Rolle, als die angegebis N scheint eld in dem gegenwärtigen Börsenverkehr nf mehr zu spielen, dann weder die Herabsetzung des englischsg Bankoisconto's, noch die des preußischen am gestrih Tage vermochten Leben in das lustlose stille Geschäst am bringen und verkehrte die Böcse heute in noch ausgesproch Mott matierer Haltung, wie gestern. In Berlin herrscht e üble Laune der Börse noch vor, wie deren heutige Colssten constatiren, doch glaubt man in den Kreisen der 900 1001 zaberei zu bemerken, daß die Contremine, erschreckt U

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